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Eduard Schewardnadse im Porträt:

Der alte "Kaukasusfuchs"

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Tiflis - Eduard Schewardnadse wurde oft als politischer Überlebenskünstler bezeichnet - doch dieses Mal kämpft der georgische Präsident ums Ganze. Mit dem unblutigen Sturm aufs Parlament hat die Opposition in Tiflis am Samstag das Heft des Handelns in die Hand genommen.

Zu seiner eigenen Sicherheit wurde Schewardnadse, der die Eröffnungsrede in der neu gewählten Volksvertretung hielt, von seinen Leibwächtern aus dem Saal gebracht. Doch selbst angesichts der geballten Macht der Straße gab sich der 75-Jährige hart. "Ich werde nicht gehen", rief Schewardnadse unter dem Applaus seiner Anhänger, die sich ebenfalls vor dem Parlament postiert hatten. Wenig später kündigte er im Fernsehen die Verhängung des Ausnahmezustands an.

Unregelmäßigkeiten ignoriert

Seit Wochen weigerte sich der ehemalige sowjetische Außenminister standhaft, der Forderung der Opposition und tausender Demonstranten nach seinem Rücktritt nachzukommen und die Parlamentswahl vom 2. November angesichts der Vorwürfe von massivem Wahlbetrug zu annullieren. Im Gegenteil - vor wenigen Tagen ließ er das offizielle Wahlergebnis verkünden. Und störte sich offensichtlich nicht daran, dass der Chef des Nationalen Sicherheitsrats Ungeregelmäßigkeiten einräumte.

Zu Sowjetzeiten war Georgiens früherer KP-Chef in seiner Heimatrepublik der starke Mann. Nach einem Zwischenspiel in Moskau als sowjetischer Außenminister zu Zeiten von Michail Gorbatschows Perestroika wurde er im November 1995 mit rund drei Viertel der abgegebenen Stimmen zum georgischen Präsidenten gewählt und im April 2000 mit einem Stimmenanteil von etwa 80 Prozent im Amt bestätigt.

Einer der Väter der deutschen Einheit

In Deutschland gilt Schewardnadse als einer der Väter der deutschen Einheit. Die USA sehen ihn als Verbündeten, seit er den Bau einer für den US-Markt wichtigen Erdölpipeline und im vergangenen Jahr die Stationierung von US-Soldaten auf georgischem Territorium erlaubte. Doch in Georgien, wo viele seine Wandlung vom stalinistischen Apparatschik zum westlich orientierten Demokraten nur als weiteres Manöver des "Kaukasusfuchses" ansehen, ist der Politiker mittlerweile zutiefst unbeliebt, seine Herrschaft stark angeschlagen.

Politisches Geschick bewiesen

Von 1972 bis 1985 war Schewardnadse Erster Sekretär der Kommunistischen Partei in Georgien. Die Sowjetrepublik regierte er dabei mit harter Hand und war so in der Lage, die nationalistische Bewegung unter Kontrolle zu halten. Vier Jahre lang war er zuvor georgischer Innenminister gewesen. Auf diesem Posten erwarb er sich vor allem einen Ruf als Kämpfer gegen die Korruption im KP-Apparat. Politisches Geschick bewies er zudem, als er den georgischen Nationalisten entgegenkam und der Zentrale in Moskau Konzessionen für Georgien abtrotzte. 1978 gelang es ihm so, das Georgische als offizielle Sprache in der Republik-Verfassung zu verankern.

Enger Vertrauter Gorbatschows

Seit den Anfängen der Perestroika war Schewardnadse dann ein enger Vertrauter von Präsident Gorbatschow und entschiedener Befürworter der Abrüstungspolitik. Während seiner fünfjährigen Amtszeit als sowjetischer Außenminister zog er sich mit seiner auf Verständigung mit dem Westen orientierten Politik den Zorn dogmatischer KPdSU-Mitglieder zu. Im Dezember 1990 trat er unter Warnungen vor einer drohenden Diktatur zurück. Im August 1991 leitete der gegen Gorbatschow gerichtete Putsch den Zusammenbruch der Sowjetunion ein.

Bürgerkrieg verhindert

Schewardnadse kehrte in seine von schweren Unruhen erschütterte Heimat zurück, wo er ab März 1992 als Vorsitzender des Sicherheitsrats amtierte. Die Regionen Abchasien und Südossetien strebten nach Unabhängigkeit von Tiflis. In einem zweijährigen Gewaltkonflikt wurden mehr als 10.000 Menschen getötet. Schewardnadse gelang es, das Umschlagen in einen Bürgerkrieg zu verhindern. Doch während seiner zweimaligen Amtszeit als georgischer Staatschef schaffte er es nicht, das Land aus seiner tiefen Wirtschaftskrise zu führen.

Zwei Attentate überlebt

Zwei Attentate überlebte der Mann mit dem weißen Haar. Als Persönlichkeit gilt er als ebenso clever und großherzig wie unberechenbar und widersprüchlich. Laut Verfassung hätte seine derzeitige Amtszeit als Präsident im Frühjahr 2005 geendet.

AFP - Archivfoto: dpa


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Zuletzt geändert am 22. November 2003 17:55 von aj

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