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Freitag, 30. Juli 10
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Gesundheit
Windpockenimpfung jetzt generell empfohlen Rostock/Berlin - Windpocken befallen galten lange Zeit als harmlos. Doch die Krankheit ist nach neuen Studien gefährlicher als bisher angenommen.
Experten empfehlen daher jetzt die flächendeckende Impfung aller unter 18-Jährigen. Vor allem für ältere, immungeschwächte und schwangere Patienten stellen sie ein Risiko dar. Aber auch normal entwickelte Kinder leiden oft schwer unter ihnen. „Wir haben das zwei bis drei Jahre lang diskutiert und untersucht, und die Daten zeigen alle in dieselbe Richtung: Man hat die Krankheit früher unterschätzt”, sagt Prof. Christel Hülße, Direktorin des Landesgesundheitsamtes Mecklenburg-Vorpommern in Rostock. Sie gehört der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts in Berlin an, die die offiziellen Impfempfehlungen herausgibt. Anlass für die neue Windpocken- Impfempfehlung war unter anderem eine Studie von Prof. Peter Wutzler aus Jena, der bundesweit 1300 Windpockenfälle ausgewertet hat. Demnach zeigt jeder sechste Patient einen besonders schweren Verlauf der Krankheit. „Das Fieber war sehr hoch, 39 bis 40 Grad über mehrere Tage”, erläutert der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Erforschung der Viruskrankheiten. „Auch war die Krankheit nicht innerhalb von zehn Tagen vorbei, sondern dauerte 14 Tage oder länger.” Neben der Haut waren bei diesen Fällen auch die Schleimhäute von den typischen Bläschen und roten Flecken befallen. Bei knapp sechs Prozent der Patienten kommt es zu Komplikationen, auch Mittelohr- und Lungenentzündungen treten nicht selten auf. Rund zwei Dutzend Deutsche pro Jahr sterben laut Prof. Wutzler sogar an den Windpocken: „Die Hälfte davon sind völlig normale Kinder.” Mit dem Alter steigt das Risiko. „Für Kinder ab zwölf Jahren kann es sehr gefährlich werden”, warnt Michael Zinke, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Hamburg. Und immerhin jeder 20. Bundesbürger hat mit 40 Jahren immer noch keine Windpocken gehabt. Vor allem Schwangere, die noch nie Windpocken hatten, sollten sich impfen lassen: Steckt eine werdende Mutter sich bis zur 25. Schwangerschaftswoche mit Windpocken an, muss sie mit Behinderungen oder gar dem Tod des Neugeborenen rechnen, so Hülße. Die STIKO empfiehlt eine Impfung zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat. Außerdem sollten alle Kinder und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr, die noch keine Windpocken hatten, geimpft werden. Die Impfstoffe seien mittlerweile in der Regel gut verträglich, so Prof. Christel Hülße. „Bis zu zehn Prozent der Kinder bekommen ein bisschen Fieber”, nur bei einem bis vier Prozent treten unmittelbar nach der Impfung mit dem Lebendimpfstoff tatsächlich leichte Windpocken auf, und 0,1 Prozent der Geimpften machten eine schwere Form der Krankheit durch - dennoch sei das ein vielfach geringeres Risiko als bei Ungeimpften. Angesichts dessen versteht Kinderarzt Zinke nicht, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen: Schon bei normalem Krankheitsverlauf hätten Kinder juckenden Ausschlag, Schmerzen im Genitalbereich und Schluckbeschwerden: „Da sind schon zehn Tage eine sehr lange Zeit.” dpa
http://rhein-zeitung.de/a/service/gesundheit/t/rzo80706.html |
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