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Sonntag, 5. Apr. 20

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Bahnübergänge nicht bei Warnsignal passieren

Bonn/München - Der Mann ist in Eile. Genervt muss er vor dem Bahnübergang anhalten, wobei kein Zug in Sicht ist.

Leichtsinnige Überfahrt

Eine Bahnschranke zu umfahren, kann tödlich sein. (Bild: DVR/dpa/gms)

Trotzig gibt er Gas und lenkt den Wagen um die Schranke herum über die Schienen. Solche Ungeduld bezahlen jährlich Dutzende mit dem Leben.

Nach Erkenntnissen der Unfallforscher spielen bei den meisten tödlichen Unfällen an Bahnübergängen Leichtsinn oder Unachtsamkeit eine wichtige Rolle. Der aktuellen Statistik des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) in Bonn zufolge ereigneten sich im Jahr 2003 allein an den mehr als 25 000 Bahnübergängen der Deutschen Bahn (DB) insgesamt 258 Unfälle. Dabei wurden 40 Verkehrsteilnehmer getötet. Weil die Statistik nicht das Unfallgeschehen an Bahnübergängen von Werks- und Straßenbahnen erfasst, dürften die tatsächlichen Unfall- und Opferzahlen noch höher sein, schätzt DVR-Sprecherin Carla Bormann.

Zur tödlichen Falle werden Bahnübergänge laut DVR vor allem deshalb, weil ihr Risikopotenzial von Autofahrern nicht ernst genommen wird. So ließen sich viele von der vermeintlich freien Sicht auf die Bahnstrecke zu unbedachtem Handeln verleiten oder unterschätzten die Geschwindigkeit von herannahenden Zügen.

Neben dem Umfahren von Halbschranken beobachten die Verkehrsexperten häufig auch eine Missachtung von Warnsignalen. Zudem wird zu schnell an die Bahnübergänge herangefahren. Einer Auswertung der DB in Frankfurt zufolge lassen sich 97 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen auf Verstöße gegen die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) zurückführen.

Diese geschehen jedoch nicht immer mutwillig, denn offenbar wissen nicht alle Verkehrsteilnehmer über die an Bahnübergängen geltenden Verkehrsregeln Bescheid: Umfragen haben ergeben, dass vielen die Bedeutung des Andreaskreuzes und der Sicherungsanlagen nicht richtig bekannt ist, heißt es beim ADAC in München.

Dabei lassen die Vorschriften in Paragraf 19 der StVO eigentlich keinen Zweifel: „Schienenfahrzeuge haben Vorrang”, heißt es dort an erster Stelle. Angezeigt wird diese Vorfahrtsregel mit dem Andreaskreuz - und, je nach Beschaffenheit des Übergangs, zusätzlich durch technische Sicherungseinrichtungen wie Schranken, Halbschranken oder Lichtsignale. Der Grund für die Vorfahrtsregel ist, dass Schienenfahrzeuge nicht ausweichen können und selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten einen langen Bremsweg haben.

Ein weiterer Faktor, der Unfälle an Bahnübergängen begünstigt, ist die örtliche Beschaffenheit. So kann die Beschilderung verwirrend sein oder die Signaleinrichtungen werden im Gegenlicht schlecht erkannt. Ein besonderes Risiko stellen halb- und unbeschrankte Übergänge dar, die mit den Schienen auf gleichem Niveau liegen.

Darum bemühen sich Bahn, Bund und Baulastträger, diese Übergänge nach und nach zu ersetzen. Für Strecken, auf denen Züge schneller als 160 Kilometer pro Stunde (km/h) fahren, ist das sogar gesetzlich vorgeschrieben. „Das Ziel sollte immer die Beseitigung eines schienengleichen Bahnübergangs sein”, sagt Prof. Andreas Bark, Leiter des Fachbereichs Straßenwesen und Vermessung an der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Dies lasse sich am besten mit Unter- oder Überführungen erreichen. Zumindest sollten aber an dem Übergang Vollschranken installiert werden.

Doch aus Kostengründen können nicht alle Bahnübergänge - schon gar nicht auf den weniger befahrenen Nebenstrecken - so aufwendig umgebaut werden. Deshalb gilt für alle Autofahrer weiterhin: besondere Vorsicht statt Leichtsinn am Bahnübergang.

INFO-KASTEN:

Grundsätzlich sollten sich Autofahrer an Bahnübergänge stets aufmerksam, bremsbereit und mit höchstens 50 km/h nähern. Außerdem darf an Bahnübergängen niemals überholt werden.

Vor dem Überqueren der Schienen müssen sich Autofahrer nach beiden Seiten umschauen und auf akustische Signale achten. Bemerken sie rotes Dauer- oder Blinklicht, müssen sie unbedingt vor dem Übergang anhalten, auch wenn die Schranken noch offen sind. Gleiches gilt für den Fall eines Rückstaus auf den Schienen.

Für den Fall, dass der Wagen ausgerechnet auf den Schienen liegen bleibt, gilt es laut DVR, einen kühlen Kopf zu bewahren: Nähert sich kein Zug, sollte das Pannenfahrzeug mit Hilfe von Passanten von den Gleisen geschoben werden. Ist bereits ein Zug in Sicht, gebe es nur eines: „Aussteigen und in Sicherheit bringen!”

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/a/service/auto/t/rzo120317.html
Dienstag, 18. Januar 2005, 11:17 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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