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Samstag, 8. Aug. 20

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Nutzen und Gefahren der Selbstmedikation

Hohenstein/Ernsttal - Immer mehr Menschen gehen bei leichten gesundheitlichen Störungen nicht mehr zum Arzt, sondern kaufen ihre Medikamente direkt in einer Apotheke oder Drogerie. Doch frei von Risiken und Nebenwirkungen ist dieses Vorgehen nicht.

Apotheke

Beim Medikamentenkauf ist eine Beratung wichtig. (Bild: ABDA/dpa/gms)

Nach Schätzung von Diethard Sturm, einem Allgemeinmediziner aus Hohenstein/Ernsttal (Sachsen), nehmen zwei von drei Patienten ihre gesundheitlichen Geschicke zunächst selber in die Hand. Auf diese Weise lassen sich Kosten sparen. Schließlich müssen Patienten seit Anfang 2004 bis auf wenige Ausnahmen auch rezeptfreie Medikamente selbst bezahlen. Hinzu kommt die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal. Sturm findet dieses Verhalten grundsätzlich auch nicht verkehrt: „Schließlich spart die Selbstmedikation den Krankenkassen und damit auch gesamtgesellschaftlich gesehen Kosten.” Doch gleichzeitig warnt er: „Selbstmedikation ist nicht ohne Risiko.”

Bei einer Erkältung muss man laut Sturm ja auch nicht sofort zum Arzt gehen, sondern könne durchaus versuchen, dem Infekt mit Hausmitteln, wie etwa Kochsalzinhalationen oder freiverkäuflichen Präparaten Paroli zu bieten. „Doch wenn Husten und Schnupfen nicht nach einer Woche weg sind, ist die Gefahr einer fortschreitenden ernsthaften Erkrankung gegeben.” Betroffene sollten sich behandeln lassen, bevor daraus eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung wird.

Ein weiteres großes Risiko sieht Diethard Sturm in der Über- und Falschdosierung von Medikamenten. „Vor allem rezeptfreie Mittel werden immer wieder unterschätzt”, warnt der Allgemeinmediziner. Auch die Kombination verschiedener Medikamente könne in ihrer Wechselwirkung gefährlich werden. Wenn der Betroffene sich nicht vom Arzt behandeln lassen möchte, solle er auf jeden Fall die qualifizierte Beratung in einer Apotheke in Anspruch nehmen. „Es hat schon seinen Grund, dass viele Präparate apothekenpflichtig und nicht einfach in Drogerien erhältlich sind.”

Völlig ohne Beratung dürfen sogar viele Medikamente in einer Apotheke gar nicht den Besitzer wechseln: „Der Apotheker muss beim Verkauf nachfragen. Zum Beispiel nach dem bisherigen Medikamentenkonsum, nach Vor- oder chronischen Erkrankungen, aber auch, um Medikamentenunverträglichkeiten herauszufinden”, erklärt Robert Stork, Apotheker beim AOK-Bundesverband in Bonn. Bei Bedenken, wie etwa Missbrauchsverdacht, könne er die Abgabe des Präparates auch verweigern.

„Zum Beispiel bei Schmerzmitteln darf es ohne vorherige ärztliche Untersuchung keine Dauermedikation geben, um Abhängigkeiten zu vermeiden”, warnt Stork. Das gelte auch für Schleimhaut abschwellende Nasentropfen oder Sprays. Besser sind nach Aussage von Stork Präparate mit wirkstofffreien Kochsalzlösungen.

„Der Trend zur Selbstmedikation wird weitergehen”, prognostiziert Ingolf Dürr, Molekularbiologe beim Deutschen Grünen Kreuz in Marburg. Nicht nur wegen des Kostendrucks, sondern auch aus dem Bedürfnis nach mehr gesundheitlicher Selbstbestimmung heraus. „Dazu beigetragen hat auch die Konsequenz aus der Gesundheitsreform, dass vor allem pflanzliche und homöopathische Medikamente aus der Rezeptpflicht herausgenommen worden sind.” Dies seien Präparate, die nach wie vor sehr wirksam sind und denen die Patienten vertrauen, die aber der Arzt nicht mehr verschreiben darf.

Nach Ansicht von Dürr ist Selbstmedikation bis zu einem gewissen Grad sinnvoll. „Wo allerdings ihre Grenze verlaufen sollte, ist nur im Einzelfall zu sagen.” Schwere Erkrankungen gehörten selbstverständlich nach wie vor in ärztliche Hände.

Patienten, die sich hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes oder der Medikamentenauswahl nicht sicher sind, rät Dürr daher, sich vom Arzt beraten und ein rezeptfreies Medikament empfehlen zu lassen. „Zwar zahlt die Krankenkasse das auf diesem so genannten Grünen Rezept empfohlene Medikament nicht”, sagt Dürr. Doch habe der Patient damit zumindest die Sicherheit, die richtige Medikamentenwahl getroffen zu haben.

Information: Deutsches Grünes Kreuz, Schuhmarkt 4, 35037 Marburg, (Tel.: 06421/29 30, Fax: 06421/229 10)

Deutsches Grünes Kreuz: www.dgk.de

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/a/service/gesundheit/t/rzo118849.html
Mittwoch, 12. Januar 2005, 10:17 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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