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Montag, 31. Januar 05

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Kernavé war einst das Zentrum Litauens

Kernavé - Der Ort verbirgt sich hinter wild wuchernder Natur: Kernavé, die erste baltische Hauptstadt, die Wiege der litauischen Zivilisation.

Kernavé

Versteckt unter wild wuchernder Urnatur - Kernavé. (Bild: Balt. Touris. Zentr./dpa/gms)

Eine mystische Aura umgibt die Stätte nordwestlich von Vilnius, die seit 2004 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Fast unwirklich erscheint die Umgebung, die heute ein Naturpark ist, in ihrer sattgrünen Üppigkeit. Mitten durch das Dickicht führt ein schmaler Pfad zum Zentrum des Parks, ins eigentliche Kernavé. Und plötzlich, wie aus dem Nichts erheben sich fünf imposante Hügel, die die umliegende sanft gewellte Landschaft dominieren.

Im Mittelalter standen hier hölzerne Wehrburgen. Aber die Natur hat gute Arbeit geleistet, die Hügel sind komplett überwuchert und nur über schmale Fußwege begehbar. Hinter den seltsamen Formationen schläft das heutige Kernavé seinen Dornröschenschlaf, gerade einmal 320 Einwohner zählt der Ort noch. Er wirkt wie eine Kulisse für einen Heimatfilm, als ob die Neuzeit hier nie Einzug gehalten hätte. Nur schwer ist es vorstellbar, dass an dieser Stelle einmal das politische und kulturelle Zentrum des Landes gewesen sein soll.

Im Mittelalter, in der Blütezeit von Kernavé, lebten hier 4000 Menschen. Stadtgeschichte einmal umgekehrt: Während in Westeuropa aus Dörfern Städte erwuchsen, schrumpfte diese feudale Stadt zu einem unbedeutenden Dorf. Ihr Niedergang begann im späten 14. Jahrhundert mit der Zerstörung durch den Deutschritterorden. Zu dieser Zeit setzte die Christianisierung der litauischen Gesellschaft ein.

Die im 12. Jahrhundert erbauten Wehranlagen müssen einen schönen Blick auf den sich träge schlingenden Neris-Fluß im Pajautas-Tal und die dahinter liegenden Wiesen und Felder geboten haben. Der Blick ist der gleiche geblieben, heute hüten die Schutzburgen aber eigensinnig das Geheimnis ihrer bewegten und weitgehend unerforschten Geschichte. Selbst die Historiker schenkten Kernavé wenig Aufmerksamkeit: Ganze zwei Mal wurde der Ort überhaupt erwähnt, im Jahr 1279 in der Chronik Hermanns von Wartberge und in der Livländischen Reimchronik.

Es mussten erst mehrere hundert Jahre vergehen, bis Kernavé wieder entdeckt wurde, als eine Art von Natur und Menschenhand erschaffenes Freilichtmuseum. 1979 wurden auf dem grünen Areal erste Ausgrabungen vorgenommen. Archäologen der Universität Vilnius fanden Spuren menschlicher Besiedelung aus der Stein- und Bronzezeit.

Einen Einblick in die Historie Kernavés erhalten Besucher im archäologisch-historischen Museum. Bis Anfang der neunziger Jahre fristete es ein bescheidenes Dasein als Zweigstelle des Historischen Museums der nahe gelegenen Wasserburg Trakai. Heute beherbergt es aber rund 15 000 Exponate. Am wertvollsten sind die ersten litauischen Silbergüsse und Münzen vom Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts. Sie erzählen von einer Zeit, als Karnavé mehr war als ein wunderlicher Naturpark.

Informationen: Baltikum Tourismus Zentrale, Katharinenstraße 19, 10711 Berlin (Tel.: 030/89 00 90 91, Fax: 030/89 00 90 92).

www.baltikuminfo.de

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/a/magazin/t/rzo123124.html
Freitag, 28. Januar 2005, 10:16 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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