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Montag, 31. Januar 05

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Neue Biografie über Hans Christian Andersen

Frankfurt/Main/Kopenhagen - 1843 schrieb der Däne Hans Christian Andersen das Märchen von der Verwandlung des hässlichen Entleins in einen wunderschönen, von allen bewunderten Schwan.

Hans Christian Andersen

Ein Denkmal des dänischen Schriftstellers und Dichters Hans Christian Andersen in Kopenhagen.

Die deutsche und englische Version machten den Sohn eines bettelarmen Schusters aus Odense mit einem Schlag berühmt, brachten ihm Geld und die heiß ersehnten Einladungen der Gekrönten, Reichen und Berühmten überall in Europa.

Eigene Berühmtheit als unerschütterlich verfolgtes Lebensziel hat Andersen wahrlich erreicht. Im Jahr seines 200. Geburtstages am 2. April wird der Autor von „Des Kaisers neue Kleider”, „Die Prinzessin auf der Erbse”, „Die Schneekönigin”, „Der fliegende Koffer”, „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern, „Die kleine Meerjungfrau” und anderen Märchenklassikern von seiner skandinavischen Heimat bis Rio pompös gefeiert. Des Märchendichters Namensvetter Jens Andersen erzählt in seiner ebenfalls zum runden Geburtstag erschienen Biografie auf 700 Textseiten höchst eingehend und mit aufwendiger Bebilderung Andersens Leben.

Hans Christian Andersen entfloh als 14-Jähriger seiner Familie, um in Kopenhagen ein berühmter Schauspieler zu werden. Daraus wurde nichts, aber dieser dreist-mutige Junge aus der Provinz fand in der Hauptstadt schnell Gönner bis hin zum Königshaus, die ihm eine Ausbildung bezahlten und den Weg zum Schriftstellerruhm ebneten.

Viele Jahre heftig und unglücklich verliebt war Andersen in Edvard Collins, Sohn einer Großbürgerfamilie, die den jungen Dichteraspiranten unter ihre Fittiche genommen hatte. Der Biograf Andersen drückt dem Dichter aber weder den Stempel „homosexuell” noch „bisexuell” auf, weil der Dichter genau so heftig, fast genau so lange und unerwidert einer schwedischen Opernsängerin namens Jenny Lind anhing. Andersen starb mit 70 als Junggeselle und - so sein Biograf - als Jungfrau. Täglich mehrfache Selbstbefriedigung mit gelegentlich schmerzhaften Folgen notierte der Dichter im Tagebuch penibel selbst.

Jens Andersen beleuchtet diese Seite des Dichterlebens kenntnisreich und versucht sich einfühlsam mit Erklärungen und Deutungen aus den Lebensbedingungen und Anschauungen des 19. Jahrhunderts heraus. Das Wort Sex fehlt nicht nur zufällig. Heftigste Liebesbekenntnisse zwischen Männern und öffentliches Händchenhalten ohne den Schritt zur erotischen Aktivität seien in der Zeit der Spätromantik durchaus möglich gewesen, meint der Biograf.

„Märchen meines Lebens” nannte Andersen seine erste Autobiografie, in der er durch konsequentes Schönschreiben versuchte, sein eigenes Leben als Verwandlung des armen, hässlichen Entleins zum schönen, bewunderten Schwan zu idealisieren. Jens Andersen korrigiert dieses Bild glaubwürdig, oft spannend und stets mit Wärme. Noch straffere Kürzungen hätten dem im dänischen Original tausendseitigen Wälzer aber ganz bestimmt nicht wehgetan.

Jens Andersen

Hans Christian Andersen - Eine Biographie

Insel Verlag, Frankfurt/Main

804 S., Euro 26,90

ISBN 3-458-17251-3

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/a/magazin/t/rzo123795.html
Montag, 31. Januar 2005, 9:41 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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