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Freitag, 6. Dez. 19

-Mag­deburg - Wenn Städte Jubiläum feiern, ent­lockt das dem aus­wär­tigen Pub­likum oft nur ein Gähnen. Doch wenn Mag­deburg in diesem Jahr seine 1200-Jahr-Feier begeht…

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1200 Jahre Magdeburg

Magdeburg - Wenn Städte Jubiläum feiern, entlockt das dem auswärtigen Publikum oft nur ein Gähnen.

Magdeburg

Der frühgotische Dom prägt die Sihouette von Magdeburg. (Bild: M. Mark./dpa/gms)

Doch wenn Magdeburg in diesem Jahr seine 1200-Jahr-Feier begeht, wächst diesem Ereignis auch symbolische Bedeutung zu.

Magdeburgs Schicksal reicht für mehrere Städte. Es war Kaiserresidenz, Hansestadt, preußische Festung und immer wieder Trümmerlandschaft. Die deutsche Geschichte samt ihrer Irrungen und Wirrungen hat sich ins Stadtbild eingebrannt.

Stolz und feierlich thront der Dom mit seinen schlanken, aber auch ein wenig düsteren Türmen über dem westlichen Elbufer. Er kann es an ziselierter Pracht nicht mit den gotischen Kathedralen von Freiburg oder Köln aufnehmen, aber er war auch das erste Gotteshaus dieses Baustils auf deutschem Boden. Im Chor liegt der erste Kaiser der Deutschen begraben - oder vielmehr seine Gebeine. Das Herz von Otto I. (912 bis 973) wurde am Sterbeort, der Pfalz Memleben, bestattet.

Diese alte germanische Sitte lief in diesem Fall der inneren Wahrheit zuwider: Magdeburg war für Otto Herzensangelegenheit. Als er im Jahr 930 die englische Prinzessin Editha heiratete, schenkte er ihr die Stadt als Morgengabe. Sie hatte sich in den Ort verliebt, der sie an ihre Heimat an der Themse erinnerte. Nach dem Sieg über die Ungarn ließ Otto den ersten, noch romanischen Dom errichten. Vom Erzbistum Magdeburg ging die Christianisierung ganz Osteuropas aus.

Die große Politik hat Magdeburg erhöht und immer wieder zu Boden geworfen. Nur der Dom und das benachbarte Liebfrauenkloster blieben von der Feuersbrunst verschont, die kaiserliche Truppen während des 30-jährigen Krieges in der nun protestantischen Stadt entfachten. Die Katastrophe wiederholte sich am 16. Januar 1945, als bei einem Luftangriff 90 Prozent des Zentrums in Schutt und Asche fielen. Kaum eine deutsche Stadt entging diesem Schicksal im Zweiten Weltkrieg, doch Magdeburg traf es mit am härtesten. Auf der abgeräumten Brache verwirklichte das neue Regime seine Vorstellungen vom Wiederaufbau, einschließlich des Abrisses vier erhalten gebliebener Kirchen.

Bis heute wurden keine großen Anstrengungen unternommen, die Brüche der Geschichte architektonisch zu kitten. Würdige Zeugen der Gründerzeit wie die Hauptpost starren mit Unverständnis auf bescheidene Wohnhäuser der ersten Nachkriegsbebauung. Blocks im Zuckerbäckerstil der Stalinzeit versuchen der Karl-Marx-Allee in Berlin Konkurrenz zu machen und künden von der kurzen Ära, als der Wiederaufbau Magdeburgs einem ästhetischen Programm folgte.

Dazwischen liegen immer wieder Traditionsinseln und zeitgenössische Einkaufspassagen, deren Leuchtreklame gegen die fast 20-prozentige Arbeitslosigkeit anstrahlt. Einen vergleichsweise geschlossenen Eindruck vermittelt der Domplatz mit seiner barocken Randbebauung und dem romanischen Liebfrauenkloster im Hintergrund. Doch auch er ist von Brüchen nicht ganz frei. An die Stelle von zwei Plattenbauriegeln trat vor kurzem eine bläulich schimmernde Landesbank mit kantiger, postmoderner Dachlandschaft - ein Tausch, den manche Magdeburger nur als gelinden Fortschritt empfinden.

Umstritten ist auch ein weiteres Neubauprojekt in nächster Nachbarschaft, das die stilistische Vielfalt des Stadtbilds überhöhen will, indem es sie auf die Spitze treibt. Die Rede ist von der Grünen Zitadelle, besser bekannt als „Hundertwasserhaus”. Noch bis kurz vor seinem Tod im Februar 2000 arbeitete der österreichische Künstler an den Plänen für das fantastische Mehrzweck-Gebäude, das auf fast 5000 Quadratmetern neben Geschäften, Wohnungen und Restaurants auch ein Hotel mit 41 Zimmern sowie eine Kindertagesstätte beherbergen soll.

Bereits im Baustadium hat sich die Grüne Zitadelle zu einer Touristenattraktion entwickelt. Jeden Samstag um 15.00 Uhr und jeden Sonntag um 11.00 Uhr starten im gegenüberliegenden Info-Büro Führungen zur Baustelle. Die Eröffnung am 3. Oktober 2005 soll zu einem Höhepunkt der Jubiläumsfeiern werden.

Bunt wie das „Hundertwasserhaus” präsentiert sich das übrige Festprogramm: Am Abend des 7. Mai wird der Domplatz zum Schauplatz einer Licht-Klang-Inszenierung des Künstlers Gert Hof, der schon die EU-Erweiterungsfeier auf Malta illuminierte. Am 1. Juni tritt an gleicher Stelle die amerikanischen Rockband R.E.M. auf. Der Stadtgeschichte widmet sich eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum vom 8. Mai bis 4. September. Zu „lebenden Bildern” aus den 1200 Jahren wollen sich 1200 Magdeburger auf dem Sachsen-Anhalt-Tag vereinigen, der vom 1. bis 3. Juli erstmals in der Landeshauptstadt stattfindet. Ein Internationales Figurentheater-Festival im Juni trägt Magdeburgs Rang als Puppenspielerstadt Rechnung.

Das Stadtjubiläum fällt in eine Zeit, in der immer mehr Touristen Interesse für Magdeburg und sein bewegtes Schicksal entwickeln. Die Zahl der Übernachtungen stieg nach Angaben des örtlichen Tourismusamtes in den ersten acht Monaten des Jahres 2004 um 13 Prozent, die Nachfrage nach Stadtführungen sogar um 33 Prozent.

Diese Zuwächse sind nicht zuletzt dem Wasserstraßenkreuz Magdeburg gutzuschreiben, das - bereits vor dem Krieg begonnen - im Oktober 2003 endlich fertig gestellt wurde. Dank der mit 918 Metern längsten Kanalbrücke Europas können Binnenschiffe nun die Wasserstraßen vom Rhein bis Berlin befahren, ohne die Pegelschwankungen der Elbe berücksichtigen zu müssen. Für Passagiere örtlicher Ausflugsdampfer ist es ein besonderes Erlebnis, die Elbe wie auf einer Autobahnbrücke zu überqueren und dabei die anderen Schiffe unter sich zu sehen.

Das Wasserstraßenkreuz erinnert an eine Zeit, als alle Wege des Landes in Magdeburg zusammenliefen. Mehr als 1000 Jahre ist das inzwischen her. Doch auf glanzvolle Zeiten bildet man sich in Magdeburg nichts ein. Das hat die Stadt die Geschichte gelehrt.

Informationen: Tourist-Information Magdeburg, Ernst-Reuter-Straße 12, 39104 Magdeburg (Tel.: 0391/194 33, Fax: 0391/540 49 30).

www.magdeburg-tourist.de

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/a/service/reise/deutschland/t/rzo123125.html
Freitag, 28. Januar 2005, 10:16 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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