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Dienstag, 22. Okt. 19

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Retro-Fans bleiben ihren Kult-Rechnern treu

Paderborn - In den drei vergangenen Dekaden hat der Personalcomputer eine rasante Entwicklung durchlebt.

Retro-Fans

Daddeln mit der „Brotkiste”. Quelle: C64doc/dpa/gms

Doch eine kleine Gruppe von PC-Nostalgikern bleibt ihren Rechnern aus den frühen Tagen des Heimcomputers treu.

So gibt es einen regelrechten Kult um Computer-Klassiker, die offiziell längst vom Markt verschwunden sind. „Steinzeit-PCs” wie der C64 oder Design-Vorreiter wie der Apple Cube erleben daher ein anhaltendes Comeback. Für viele der totgesagten Systeme können immer noch neue Anwendungen gekauft werden - was aber oft kein billiger Spaß ist.

„Für viele Computer-Fans ist der erste PC immer noch die große Liebe”, erklärt Michael Mikolajczak, Kurator vom Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. Sammler schwärmten zum Beispiel für Museumsstücke wie den Sinclair ZX 80, den Apple II oder den Altair 8800, der 1975 als weltweit erster PC vorgestellt wurde. Mit seinen Kippschaltern und Leuchtdioden habe er zwar wenig Ähnlichkeit mit heutigen PCs, Liebhaber würden für das Modell aber bis zu 5000 Euro bieten.

Allen voran weckt der C64 von Commodore heute bei vielen Insidern Jugenderinnerungen. Mit einem Prozessor von 0,985 Megahertz und einem Arbeitsspeicher von 64 Kilobyte kam er 1982 auf den Markt und gilt laut Guinnessbuch der Rekorde bis heute als der meistverkaufte Computer der Welt: Bis 1993 wurden rund 30 Millionen Stück gebaut.

Für PC-Bastler wie Manfred Schwab aus Buchen (Baden-Württemberg) ist die „Brotkiste” aber noch lange nicht museumsreif - der „Doc 64” besitzt rund 300 alte Commodore-Rechner, die er auf Wunsch mit moderner Technik aufrüstet. „Es gibt Fans, die heute noch ausschließlich den C64 benutzen”, sagt Schwab, der mit seinem Verein zur Erhaltung klassischer Computer jedes Jahr die Sammlermesse „Classic Computing” veranstaltet.

Auf Flohmärkten bekomme man einen C64 für 20 Euro, so Schwab. Die meisten kauften ihn wegen seiner kuriosen Pixel-Spiele wie „Pacman” oder „Space Invaders”. Er tauge aber auch als Schreibmaschine und zur Steuerung einer Disko-Lichtanlage oder für die Modelleisenbahn. Selbst im Internet surfen könne man mit ihm: Eine Browsersoftware ist im Internet erhältlich. Die passende Hardware ist aber nicht ganz billig - die nötige „Super-CPU” mit 20 Megahertz Taktfrequenz und 16 Megabyte Arbeitsspeicher kostet rund 400 Euro.

Auch der Atari ST ist heute noch unter Hobby-Musikern weit verbreitet - als Aufnahmestudio für Midi-Instrumente bietet er immer noch die denkbar günstigste Homerecording-Lösung. Noch mehr Möglichkeiten bieten sich Amiga-Fans: Entwickler wie die Firma Individual Computers in Aachen bieten eine Menge neuer Hardware für die alten Systeme - eine Netzwerkkarte für den DSL-Zugang beispielsweise oder einen USB-Adapter für moderne PC-Peripherie. Selbst Pixelgrafik und Piepsmusik müssen Anwender dank neuer Sound- und Grafikkarten nicht mehr länger ertragen, obwohl es echten Nostalgikern wohl gerade darauf ankommen dürfte.

„Mit den neuen Erweiterungen erfüllt ein Amiga alle Anforderungen für aktuelle PC-Anwendungen”, sagt Günter Horbach vom Amiga-Fachhandel KDH Datentechnik in Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern). Allerdings fehle es oft an guter Software, um vernünftig mit dem Amiga zu arbeiten. Auch komplette Neuauflagen wie der Commodore One und der Amiga One sind im Internet bestellbar. Allerdings würde der Preis laut Horbach viele Leute abschrecken: Ein „C-One” kostet 250 Euro, für ein modernes Amiga-System müsse man etwa 1000 Euro zahlen.

Über solche Summen können Macintosh-Jünger oft nur schmunzeln. In der Apple-Gemeinde gehören saftige Preise bislang zum Markenzeichen: Wer einen Mac will, dem muss das schon etwas wert sein. „Es gibt Mac-Fans, die ihren Schreibtisch wie einen Altar verzieren und ihren Rechner geradezu vergöttern”, sagt Alireza Ghasemi aus Hamburg, der das Online-Portal Macuser.de betreibt.

Besonders der Apple Cube hat es den Anhängern angetan: Mit seinem Würfeldesign setzte er nicht nur optische Maßstäbe. Durch sein lüfterloses Konzept war er auch angenehm leise. Finanziell geriet er für Apple zwar zum Flop und wurde kaum ein Jahr nach der Veröffentlichung im Jahre 2000 vom Markt genommen. Doch der Weg zum Kultobjekt war geebnet: Heute gebe es immer noch eine eingefleischte Cube-Gemeinde, so Ghasemi. Für 1300 Euro würden Modelle derzeit angeboten. Über das Internet würden sich Fans dabei helfen, den Rechner aufzurüsten und so auf dem neuesten Stand zu halten.

Selbst wenn die alten Kult-Computer einmal vom Markt verschwinden sollten - ganz aussterben werden sie wohl nie. Mittlerweile gibt es Software-Emulatoren, mit denen sich auch aktuelle PCs in einen Retro-Rechner verwandeln lassen. Und Spiele wie „Pong”, das 1972 auf der ersten Videospiel-Konsole „Odyssey” lief, finden Retro-Fans heute schon auf dem Handy wieder.

Internet: www.homecomputermuseum.de , www.retro-magazin.de

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/a/service/computer/t/rzo127585.html
Montag, 14. Februar 2005, 11:21 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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