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Montag, 21. Februar 05

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Bush-Be­such: 1300 Gul­lyde­ckel werden zuge­schweißt

Schlos­ser lieben den Prä­siden­ten

Mainz - Hoch­betrieb für die Schlos­ser: Allein 1300 Gul­lyde­ckel müssen bis Mitt­woch entlang der Rhein­schiene zuge­schweißt werden. Autos und Fahrrä­der kommen weg, Brief­käs­ten sollen abmon­tiert werden. Der Sicher­heits­auf­wand vor dem Besuch von US-Prä­sident George W. Bush ist enor­m.

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In Mainz werden vor dem Bush-Besuch mindestens 1300 Gullydeckel verschweißt.

Albert Beitz steht der Schweiß auf der Stirn. Das Schweiß­gerät in der Hand, kniet der Schlos­ser­meis­ter vor dem Hyatt-Ho­tel am Mainzer Rhei­nufer, einen Gul­lyde­ckel zu Füßen. 100 Gul­lyde­ckel hat der Mainzer Hand­wer­ker bereits am Don­ners­tag niet- und nagel­fest gemacht, weitere 30 hat er am ver­gan­genen Frei­tag­mor­gen schon hinter sich. Ins­gesamt 1300 Gul­lyde­ckel müssen bis Mitt­woch­mor­gen in der Mainzer Sicher­heits­zone zwi­schen Schloss und Wei­senauer Brücke kon­trol­liert und zuge­schweißt werden - alles im Dienste der Sicher­heit für US-Prä­sident George W. Bush und dessen Frau Lau­ra.

Si­cher­heits­zone vom Schloss bis Wei­senau

In Mainz hat schon vor Tagen das große Abmon­tie­ren begon­nen. Fahrrä­der, Müll­ton­nen, Siche­rungs­käs­ten, Brief­käs­ten - alle Gegenstän­de, die einer Bombe zum Ver­steck dienen könn­ten, müssen bis Mitt­woch­früh aus der Sicher­heits­zone in der Innen­stadt weg sein. Die Zone reicht immer­hin vom Mainzer Schloss bis zur Wei­senauer Brücke. Ein gigan­tischer Auf­wand. Aus der engen Sicher­heits­zone müssen sogar Motorrä­der und Fahrrä­der ver­schwin­den (wir berich­teten). "Spätes­tens Diens­tag­früh um zehn Uhr darf kein Fahr­zeug in der Zone um Schloss und Landtag mehr drin sein", betont Stefan Löseke von der Öffent­lich­keits­arbeit der Poli­zei. Ange­schlos­sene Fahr­zeuge würden "ge­knackt und abtrans­por­tier­t".

"Danke für den Auf­trag, Herr Bus­h!"

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In­fokarte zur Euro­pareise des US- Prä­siden­ten.

Sorgen machten der Polizei dabei, wer die ganze Arbeit über­haupt machen soll: "Wir hatten Pro­bleme, genü­gend Schlos­ser­betriebe zu fin­den", berich­tet Löseke. "Die Wies­bade­ner schweißen ja auch ihre Deckel zu." Albert Beitz kann das nur recht sein. Der Mainzer Schlos­ser­meis­ter reibt sich derzeit ver­gnügt die Hände. Seit Don­ners­tag ist er bereits im Auftrag der Stadt Mainz im Ein­satz, ab Montag wird er alle seine zehn Leute mit Gul­lyde­ckeln beschäf­tigt haben, auch der Bruder hilft mit aus. "Von mir aus könnte der alle vier Wochen kom­men", sagt der Hand­wer­ker­meis­ter ver­schmitzt: "Vi­elleicht male ich ein Plakat und schreibe drauf: Danke für den Auf­trag, Herr Bus­h!"

Mit dessen Außen­poli­tik ist Beitz zwar gar nicht ein­ver­stan­den. Aber schließ­lich habe Deutsch­land den Ame­rika­nern ja einiges zu ver­dan­ken, gibt der Schlos­ser­meis­ter zu beden­ken. Und viel­leicht mache das Zuschweißen ja sogar Sinn, schließ­lich "gibt es ja genug Idio­ten", sagt Beitz. "Die Welt ist doch ver­rück­t."

"Gi­gan­tischer Auf­wan­d"

Ab Don­ners­tag ist Beitz dann noch einmal im Ein­satz, die Gul­lyde­ckel müssen wieder auf­gemacht werden. Dabei hat er fest­gestellt, dass viele der rund 70 Kilo schwe­ren Deckel nir­gendwo hin­führen. "Zum Teil wissen die gar nicht, wozu die Schächte gehören." Egal - zuge­macht wird alles, was einen Gul­lyde­ckel trägt. Zuvor wird aller­dings genau der Schacht inspi­ziert, ob sich irgen­det­was darin ver­birgt. Dafür sind die zwei Poli­zis­ten zustän­dig, die sich nun auf der Mala­koff-Ter­rasse die Füße abfrie­ren. "Wir haben jetzt die Sink­käs­ten gerei­nigt um zu sehen, ob irgend­was drin ist. Ab Mon­tag­mor­gen wird großflächig zuge­schweißt", berich­tet der Werks­lei­ter des städ­tischen Wirt­schafts­betriebs, Volker Mettke. Vier bis fünf Kolon­nen, jeweils aus sechs bis sieben Leuten plus zwei Fahr­zeu­gen, werden im Einsatz sein. "Ich finde es schlimm, dass man, um Men­schen zu schüt­zen, einen solchen Aufwand treiben muss", so Mettke. Der "gi­gan­tische Auf­wand" koste den Wirt­schaft­betrieb bis zu 40.000 Euro.

Die Aufräum­arbei­ten betref­fen auch die Post: Die Brief­käs­ten entlang der Sicher­heits­zone müssen abmon­tiert werden. "Natür­lich schauen wir vorher rein, ob noch Briefe drin sind", ver­spricht Post-Spre­cher Stefan Heß. Begeis­tert ist sein Unter­neh­men von den Maß­nah­men auch nicht gerade. "Aber wir sind die Letz­ten, die Herrn Bush gefähr­den wür­den."

Rhein-Zei­tung


http://rhein-zeitung.de/on/05/02/21/rlp/r/bush-1.html
Montag, 21. Februar 2005, 14:20 © RZ-Online GmbH (aj)
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