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Freitag, 30. Jul. 10
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Beruf & Bildung
Bessere Noten müssen nicht teuer sein Hamburg/Köln - Der Schulerfolg hängt zwar wesentlich vom sozialen Hintergrund der Kinder ab. Das hat die aktuelle PISA-Studie erneut gezeigt.
Aber auch Eltern ohne ein überdurchschnittliches Einkommen haben Möglichkeiten, ihren Kindern auf dem Weg zu besseren Noten und damit zu besseren Bildungschancen zu helfen. Das fängt schon mit der Freizeitgestaltung an: „Es ist ganz wichtig, Kinder an Bücher heranzuführen”, sagt Peter Struck, Erziehungswissenschaftler in Hamburg. Er empfiehlt, bereits kleinen Kindern viel vorzulesen. Mit den Größeren sollten Eltern regelmäßig zur Bücherei gehen und mit ihnen zusammen schauen, ob es dort etwas gibt, was das Kind interessiert. „Lesen bringt eine ganze Menge, Fernsehen gar nichts”, urteilt der Bildungsexperte. Hilfreich sei für die Kinder auch der Besuch einer Ganztagsschule: „Dort ist die Hausaufgabenbetreuung eingeschlossen, und es findet mehr sinnvolles Lernen statt als zu Hause an der Playstation”, erläutert Struck. Staatliche Ganztagsschulen sind kostenlos, es fällt nur ein Kostenbeitrag für das Mittagessen an. Besonders für schwache Schüler seien Gesamtschulen am besten geeignet: „Studien haben gezeigt, dass sie dort die größten Lernfortschritte machen”, sagt der Forscher. Auch integrative Schulen, an denen behinderte Kinder zusammen mit nicht behinderten lernen, seien günstig: Dort kommen weniger Schüler auf einen Lehrer - damit sei die Betreuung besser. Bei Kindern, die eine Halbtagsschule besuchen, sei es wichtig, auf die Hausarbeiten zu achten. Werner Kinzinger, Geschäftsführer der Aktion Bildungsinformation in Stuttgart, hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass Eltern schlechte Hausaufgabenhilfen sind: „Die haben ein zu enges Verhältnis zum Kind und sind dadurch leichter genervt.” Ältere Geschwister seien zum Beispiel besser geeignet. Zudem könne man Nachbarn bitten oder das Kind zur Hausaufgabenbetreuung einer sozialen oder kirchlichen Einrichtung schicken. Eine gute Alternative ist es, dafür zu sorgen, dass gleichaltrige Kinder zu zweit die Hausaufgaben erledigen. „Das bringt außerordentlich viel, denn Kinder lernen mehr voneinander als von Erwachsenen”, sagt Peter Struck. Auch Detlef Träbert, Vorsitzender der Aktion Humane Schule in Köln, bestätigt, dass sich Kinder Zusammenhänge gegenseitig besser erklären können, als wenn das ein Erwachsener in seinen Worten macht. Nachhilfe kann sinnvoll sein, wenn ein Schüler größere Defizite in einem Fach hat. „Nachhilfeinstitute sind dabei immer die schlechteste Lösung”, sagt Träbert. Sie seien teuer, und man müsse sich langfristig binden. Günstiger und effizienter sind nach Einschätzung der Experten ältere Schüler oder Studenten als Nachhilfelehrer. Jüngere Schüler hätten oft auch einen besseren Draht zu einem älteren Schüler als zu einem Lehrer, sagt Werner Kinziger. „Und wenn die Lernatmosphäre gut ist, dann bringt das Lernen dreimal soviel.” An manchen Schulen gibt es auch Patenschaftsprogramme, bei denen ältere Schüler jüngere betreuen. „Wenn nicht, können Eltern in der Schule anregen, dass man so etwas einrichtet”, schlägt Kinzinger vor. Eltern könnten aber auch ältere Nachbarkinder fragen, ob sie ihrem Kind Nachhilfe geben wollen. Die Kosten lassen sich dabei verringern, wenn sich zwei Familien zusammentun, deren Kinder Nachhilfe brauchen. „Das macht aber nur Sinn, wenn es um das gleiche Fach und die selbe Klassenstufe geht”, sagt Kinzinger. Für schwache Schüler hat Peter Struck noch einen anderen Tipp: „Immer ein Kapitel im Voraus arbeiten, auch wenn das die Lehrer nicht gerne sehen.” Dadurch kennt das Kind den Stoff schon, wenn er in der Schule behandelt wird und hat dadurch mehr Erfolgserlebnisse und weniger Angst. „Außerdem versteht das Kind den Stoff beim zweiten Durchkauen oft viel besser”, erläutert Struck. Eine günstige Alternative zum Nachhilfelehrer können Lernhilfen in Heft- und Buchform oder Lernprogramme für den PC sein. „Man hilft Kindern am besten, indem man ihnen hilft, selbstständig zu lernen”, sagt Detlef Träbert. Übungshefte bringen aber nur dann etwas, wenn das Kind auch selbst besser werden will, sagt Erziehungsforscher Struck. „Bei schulmüden Kindern sind Lernspiele für den Computer geeigneter. Da haben die Kinder oft mehr Lust drauf.” Auch im Internet gibt es Seiten , auf denen Schüler eigenständig lernen können. Von Angeboten, auf denen Texte und Referate bereitgestellt werden, raten die Experten allerdings ab. Oft werde dort einfach nur abgeschrieben - und der Lerneffekt sei gleich Null. Zudem seien viele Seiten inzwischen durch Dialer kostenpflichtig. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/05/02/25/service/berufbildung/t/rzo127581.html |
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