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Freitag, 04. März 05

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Ukrainischer Ex-Minister tot: Abschiedsbrief belastet Kutschma

Kiew - Wenige Stunden vor seiner Befragung durch die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew ist der frühere ukrainische Innenminister Juri Krawtschenko tot aufgefunden worden.

Juri Krawtschenko

Der frühere ukrainische Innenminister Juri Krawtschenko (Archiv).

Krawtschenko war einer der Hauptverdächtigen im Fall des ermordeten Journalisten und Regierungskritikers Georgi Gongadse.

Nach ersten Polizeiangaben soll Krawtschenko in seinem Wochenendhaus bei Kiew Selbstmord begangen haben. Der enge Vertraute von Ex-Präsident Leonid Kutschma brachte nach Polizeiangaben in einem Abschiedsbrief das frühere Staatsoberhaupt mit seinem Selbstmord in Verbindung. „Kutschma und seine Umgebung” seien der Grund für seine Entscheidung, soll Krawtschenko geschrieben haben, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf eine ungenannte Quelle in den Sicherheitsbehörden meldete. Es blieb unklar, ob Krawtschenko sich damit auch auf den Mord an Gongadse im Jahr 2000 bezog. Neben Krawtschenko steht auch Kutschma im Verdacht, in den Mord verwickelt gewesen zu sein.

Der neue Präsident Viktor Juschtschenko brachte den Tod Krawtschenkos mit dem Fall Gongadse in Verbindung. Jeder habe die Möglichkeit, sich zu stellen, vor Gericht auszusagen und damit seine Ehre zu verteidigen. „Es gibt auch eine zweite Variante: sich selber zu richten”, sagte Juschtschenko, der Strafermittlungen gegen seinen Amtsvorgänger Kutschma nicht ausschloss. „Alle sind vor dem Gesetz gleich”, betonte Juschtschenko im Gespräch mit deutschen Journalisten in Kiew.

Dem Abschiedsbrief zufolge habe sich Krawtschenko einen Tag vor seinem 54. Geburtstag umgebracht, um weiteren Schaden von seiner Familie abzuwenden. Interfax berichtete unter Berufung auf den Informanten, der Leichnam Krawtschenkos habe zwei Schusswunden aufgewiesen. Der ehemalige Minister habe ein zweites Mal geschossen, weil der erste Versuch nicht tödlich gewesen sei. In dem Landhaus hielt sich den Polizei-Angaben zufolge außer Krawtschenko nur dessen Ehefrau auf, die den Leichnam des Ex-Ministers fand. Krawtschenko hatte von 1995 bis 2001 das Innenministerium geleitet und stand in den letzten Jahren der Steuerbehörde vor.

Kutschma hat Beschuldigungen dementiert, selbst das Verbrechen in Auftrag gegeben zu haben. Ein Leibwächter Kutschmas hatte nach dem Gongadse-Mord Abhörtonbänder an die Öffentlichkeit gebracht, auf denen der Präsident vom damaligen Innenminister Krawtschenko angeblich einen „Denkzettel” für den kritischen Gongadse forderte.

Gongadse hatte als Chefredakteur der Internetzeitung „Ukrainska Prawda” ausführlich über Korruptionsvorwürfe gegen Kutschma und dessen Umfeld berichtet. Der Journalist war am 16. September 2000 von mehreren Personen entführt und später enthauptet aufgefunden worden. Nach der Wiederaufnahme des Verfahrens Anfang dieses Jahres hatte die Justiz nach widersprüchlichen Angaben einen General sowie zwei Oberste des Innenministeriums als mutmaßliche Mörder verhaftet.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/03/04/news/t/rzo132806.html
Freitag, 04. März 2005, 19:19 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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