|
|
|
||||||||||||||||||
| Auto Computer Multimedia Wirtschaft Freizeit Urlaub Gesundheit Beruf Lexikon |
Donnerstag, 24. Mai. 12
|
||
|
Kommentar zur EU-Richtlinie „Software-Patente” Ein demokratisches Armutszeugnis Undemokratisch zeigte sich heute der EU-Rat. Die Minister ignorierten Beschlüsse des Europa-Parlaments ebenso wie die nationaler Kammern. Erst vor kurzem hatten alle(!) Fraktionen des Deutschen Bundestags die Bundesregierung zur Änderung der EU-Richtlinie aufgefordert. Doch keinen Minister scheint das zu interessieren. Nicht einmal eine abweichende Erklärung oder Enthaltung gab Deutschland zu Protokoll. Die federführenden Minister Clement und vor allem Zypries haben sich und der rot-grünen Bundesregierung damit ein demokratisches Armutszeugnis ausgestellt: Parlamentswille? Volkswille? Unerhört! Ungehört verhallt in den langen Fluren des Justizministeriums. Offiziell nimmt das Haus Zypries zu dem Thema gar keine Stellung mehr. Hinter vorgehaltener Hand raunt es, das normale Gesetzgebungsverfahren der Europäischen Union solle nicht gestört werden. Dabei besitzt die Geschäftsordnung des Ministerrates sogar einen eigenen Paragrafen, der eine wiederholte Diskussion regelt. Doch dessen Anwendung wurde heute wohl absichtlich „vergessen”, nicht nur von Deutschen. Machtprobe droht Nun kann es zu einer Machtprobe zwischen EU-Kommision und -Rat einerseits und dem EU-Parlament andererseits kommen. Wie schon bei der Ernennung der Kommission könnte sich ihr Präsident, Manuel Barroso, übernommen haben. Die Parlamentarier dürften sich den heutigen Affront nicht gefallen lassen. Sie hatten sich für einen sauberen Neustart ausgesprochen, weil das Gesetzgebungsverfahren bereits jahrelang dauerte, inzwischen neue Erkenntnisse gewonnen und sogar ein neues Parlament gewählt wurde. Barroso hat all das ignoriert. Der Preis dafür könnte sein, dass nun die gesamte Vorlage in den Papierkorb wandert, anstatt reformiert zu werden. Warum überhaupt das ganze Geschiebe und Gezerre um die Patente auf Software? Zum einen, weil darauf großer Druck einer Lobby lastet. In mehreren Fällen reicht der bis zur Drohung mit dem Abzug von Arbeitsplätzen. Zum anderen ist außenpolitisch eine Harmonisierung der Gesetzgebung mit den USA und Japan erwünscht. Dort erhält man bereits Patente auf Computerprogramme. Mit allen Konsequenzen: Patenthandel und -händel, auch wenn das auf Kosten des techischen Fortschritts geht oder zu Lasten der Kleinen. Hauptsache, Shareholders Value stimmt! Globalisierung über alles? Auch die Rechte an Software sollen globalisiert werden. Nicht zufällig gehören den USA und Japan auch die meisten der umstrittenen Patente in der EU. Wenn das Europa-Parlament nicht noch das Steuer herumreißt, dann heißt es auch hier: Globalisierung auf Kosten von Arbeitsplätzen. Denn freie Entwickler und mittelständische Softwarefirmen können sich den juristischen Wasserkopf nicht leisten, den Patente erfordern. Das Ziel der Konzerne wäre erreicht, wieder einmal einen Markt unter sich aufzuteilen. Der alternativen, freien Software wird's als erstes an den Kragen gehen. Sie hat nur Ideen - aber kein Geld. Die gerade erst zart aufblühende Vielfalt wird rasch wieder welken. Jochen Magnus [an error occurred while processing this directive]
http://rhein-zeitung.de/on/05/03/07/service/computer/r/patente-kommentar.html |
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
|
|||||||||