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Mittwoch, 27. Mai. 20

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Alter schützt vor Vollgas nicht

Essen/München - Obwohl Motorräder aus älteren Baujahren immer noch ein alltäglicher Anblick auf den Straßen sind, fahren sie sich nicht wie die aktuellen Modelle. Die Unterschiede reichen von der Konstruktion bis hin zur Reifendimension.

Kawasaki Z 900

Der „Youngtimer” fährt sich anders als neue Maschinen.(Bild: Kawasaki/dpa/gms)

Bevor es losgeht, sollten sich Fahrer daher die Unterschiede zwischen Klassik und Moderne auf zwei Räder bewusst machen. „Es liegen bei den Herstellern mehr als 20 Jahre Erfahrung im Motorradbau zwischen so genannten Youngtimern und den aktuellen Modellen”, fasst Christoph Gatzweiler, Leiter des Bereiches Technik beim Industrie Verband Motorrad (IVM) in Essen, die Unterschiede zusammen. Diese Erfahrung macht sich in allen Bereichen bemerkbar.So war der „Doppelschleifen-Rohrrahmen” in den achtziger Jahren als tragendes Element des Gefährts durchaus noch aktueller Stand der Technik. „Heute gibt es andere Rahmenkonstruktionen auch mit anderen Materialien, die für wesentlich mehr Stabilität sorgen”, so Gatzweiler. Eine Stabilität, die sich beim Fahren bemerkbar macht.

Auch bei den Bremsen hat die Technik laut Gatzweiler Fortschritte gemacht: „Es gab zwar auch 1985 schon doppelte Scheibenbremsen am Vorderrad. Die Verzögerung erfolgte dann aber meist über Bremssättel mit nur einem Kolben.” Heute machen sich bis zu sechs Kolben daran, die rotierende Bremsscheibe festzuklemmen und für starke Verzögerung zu sorgen.

Helmut Klein vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern) weist darauf hin, dass auch die Reifen an Format gewonnen haben und die Bremskräfte besser übertragen werden können. „Früher wurden noch 18- und 19-Zoll-Räder verwendet. Mitte der neunziger Jahre stieg man dann auf 17 Zoll um.” Damit wurden Agilität und Kurvenwilligkeit erhöht. Trotzdem blieb die Maschine bei hohem Tempo stabil.

Die Fortschritte der Technik bedeuten aber nicht, dass die Klassiker nur noch zum Schaufahren in den Innenstädten taugen. „Solche Motorräder verlangen mehr Gefühl beim Fahren, bieten aber auch richtig viel Fahrspaß”, versichert Michael Lenzen, Sprecher des Bundesverbandes der Motorradfahrer (BVDM) in Mainz. Das Gefühl ist etwa nötig, um sich in Kurven an die Grenzbereiche heranzutasten.

Die Technik vergangener Jahrzehnte bringt aber auch Merkmale mit, die Fahrer oft schon früh warnen, wenn es gefährlich werden könnte. So vereiteln tief montierte Ständer oder Fußrasten durch ihr Kratzen auf dem Asphalt rechtzeitig gefährliche Schräglagen. „Die relative Sicherheit moderner Motorräder wird bei den älteren Modellen dadurch ausgeglichen, dass eben nicht so schnell gefahren werden kann”, sagt Rainer Hillgärtner, Sprecher des Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart.

Auch beim Kauf eines alten Motorrades ist einiges zu beachten. Zwar sind Durchrostungen der stählernen Rahmenrohre die absolute Ausnahme - trotzdem rät Michael Lenzen, danach zu suchen: „Rost ist auch bei Motorrädern ein Thema. Man sollte zum Beispiel unter der Sitzbank nachschauen. Auch im Lampentopf kann sich Rost bilden.”

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Motor. Laut ADAC-Experte Helmut Klein gab es auch in den achtziger Jahren durchaus Motorrad-Motoren, die 50 000 bis 100 000 Kilometer ohne größere Revision hielten - jedoch nur, wenn sie die richtige Wartung bekamen.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/03/23/service/auto/t/rzo133544.html
Dienstag, 08. März 2005, 10:18 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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