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Mittwoch, 23. März 05

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Bisch­kek/Mos­kau - Bei den seit Wochen andau­ern­den Pro­tes­ten in Kir­gisien ist es erst­mals auch in der Haupt­stadt Bisch­kek zu Aus­ein­ander­set­zun­gen zwi­schen Polizei und Stu­den­ten gekom­men.

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Karls­ruhe - Der Weg für den geplan­ten Zugriff von Behör­den auf Kon­toda­ten ist frei. Das Bun­des­ver­fas­sungs­gericht lehnte in einem am Mitt­woch ver­öffent­lich­ten Eil­beschluss eine einst­wei­lige Anord­nung gegen das zum…

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 Das Thema des Tages 

Würdevolles Sterben: Hintergründe einer Debatte

Hamburg - Nach einem schweren Reitunfall war der US- Schauspieler Christopher Reeve („Superman”) vom Hals abwärts gelähmt - und verlor dennoch nicht seinen Lebenswillen. Dagegen wollte der 25-jährige Spanier Ramon Samedro, der nach einem Badeunfall vom Hals ab querschnittsgelähmt war, nur noch sterben.

Szene aus

Julia (Belen Rueda) hilft dem querschnittsgelähmten Ramon (Javier Bardem) beim Zigarette rauchen. Der fast 30 Jahre währende Kampf gegen die spanische Justiz um einen selbstbestimmten Tod wurde verfilmt.

Seinen fast 30 Jahre währenden Kampf gegen die spanische Justiz um einen selbstbestimmten Tod hat der Regisseur Alejandro Amenàbar oscargekrönt verfilmt („Das Meer in mir”).

Und in dem ebenfalls mit dem Academy Award ausgezeichneten fiktiven Streifen „Million Dollar Baby” bittet die gelähmte, bettlägerige Boxerin Maggie ihren Trainer (Clint Eastwood), die sie am Leben erhaltenden Maschinen abzustellen.

Die Debatte um menschenwürdiges Sterben beschäftigt in einer vom Individualismus und dem Ideal der Selbstbestimmung geleiteten Gesellschaft derzeit Medien und Kulturschaffende wie wohl noch nie. Für den Schriftsteller Martin Walser ist der tragische Fall der seit 1990 im Wachkoma liegenden Amerikanerin Terri Schiavo (41) kein Thema. „Da muss ich mich nicht hineinfühlen, das ist Sache der Angehörigen”, sagte er der dpa.

Die Möglichkeiten der Literatur sieht Walser begrenzt. Selbstbestimmtes Sterben könne zwar Thema eines jeden sein, der zum Ausdrucksgewerbe gehöre, aber er müsse nicht für die Gesellschaft das Problem durchdringen, sondern für sich - auch wenn dies dann andere natürlich zum Nachdenken bringe. Walser verwies auf seinen Roman „Der Augenblick der Liebe”, in dem der Protagonist „mit angenehmen Empfindungen” zur Kenntnis nimmt, dass Kalifornien der einzige US- Bundesstaat ist, in dem Selbstmord erlaubt ist.

„Es gehört zur Selbstbestimmung, so lange leben zu dürfen oder zu müssen, wie man meint.” Wenn entsprechende Patientenverfügungen und Gesetze dies gewährleisten, wäre dies sicherlich sinnvoll. „Ich sage das aber alles nur für mich persönlich”, betonte Walser. Die politische Diskussion darüber interessiere ihn nicht. „Ich gehöre nicht ins Parlament, ich mache mir meine Gesetze selber.” Gerade was den Tod angehe, gehöre jeder sich selber.

Solche Argumentationsmuster greifen nach Ansicht des Tübinger Moraltheologen Dietmar Mieth deutlich zu kurz. Er sieht mittel- und langfristig die Gefahr, dass wirtschaftliche Aspekte und gesellschaftliche Erwartungshaltungen die Entscheidung des Einzelnen stärker bestimmen könnten. In England bezahlt die Krankenkasse schon heute nicht mehr Alzheimer-Medikamente für über 80-jährige Demenz-Patienten. In Deutschland müssen Angehörige unter bestimmten Voraussetzungen für die Pflege ihrer Eltern aufkommen. Wenn also über Patientenverfügungen gestritten wird, ob der individuelle Wille durchsetzbar sei, bestehe die Gefahr, dass das hehre Argument der Selbstbestimmung am Ende politisch instrumentalisiert werde.

„Denkbar wäre ein Szenario, dass in Zukunft einmal beim Eintritt ins Pflegeheim gleich nach der Patientenverfügung gefragt wird.” Insofern könne gesellschaftlicher Druck entstehen. Mieth, der in nationalen und europäischen ethischen Fachgremien mitarbeitet, warnt vor einer Verwischung der Problematik. Es gebe keine Kontroversen darüber, Sterbephasen zu verkürzen, sondern ob ein - etwa durch Krankheit stark beeinträchtigtes - Leben verkürzt werden dürfe.

Durch die Ökonomisierung praktisch aller Lebensbereiche sieht Mieth auch die Gefahr eines gewandelten Menschenbildes. Immanuel Kants Sicht der Unverfügbarkeit des Menschen als oberster Grundsatz (und damit sogar die Ablehnung von Selbstmord) werde von vielen heute in der Philosophie nicht mehr geteilt. Der Gedanke der Verfügbarkeit und Nützlichkeit, des der Gesellschaft nicht zur Last fallen Wollens, könne die Entscheidung für eine Verkürzung des Lebens beeinflussen.

Heikel findet Mieth auch, dass ein gesunder Mensch mit einer Patientenverfügung frühzeitig eine Verfahrensweise festlegt für eine Situation, die er konkret nicht vorwegnehmen könne. Der Mensch teile sich sozusagen in zwei Personen, wobei diese zweite Person nicht mehr als Person mit eigener Würde betrachtet werde. Die Kennzeichnung, ein Mensch befinde sich im „vegetativen Status”, er sei also wie eine Pflanze, sei verräterisch. Im übrigen könne das Empfinden von Wachkoma-Patienten sehr unterschiedlich sein.

Nach Ansicht des Wissenschaftlers ist langfristig eine gesellschaftliche Debatte notwendig, die sich auch mit sozialen und ökonomischen Aspekten offen auseinander setzt. Kurzfristig sehe er allenfalls Handlungsbedarf, eventuelle gesetzliche Unschärfen bei der Unterscheidung von aktiver und passiver Sterbehilfe zu regeln.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/03/23/tt/t/rzo137700.html
Mittwoch, 23. März 2005, 12:36 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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