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Wie werde ich...? Buchbinder

Berlin/Wiesbaden - Im Inneren wirkt das 100 Jahre alte archäologische Fachbuch mit den vielen Fotos erstaunlich modern.

Buchbindung

Ein Ausflug in die Vergangenheit. Quelle: Jens Schierenbeck/dpa/gms

Doch am Einband hat der Zahn der Zeit Spuren hinterlassen: Der Rücken hat sich gelöst, desgleichen die Bindung.

Der Deckel wirkt angestoßen und wurmstichig, das Papier ausgefranst. Buchbinder Jens Lienig trennt das Ganze auf, begradigt den Buchblock, zieht einen neuen Faden ein und klebt das neue Vorsatzblatt auf die Pappe des Deckels, den er zuvor zugeschnitten und mit Kunstleder überzogen hat. Am Ende der Behandlung ist das Buch wie neu und gerüstet für weitere 100 Jahre in den Regalen der Berliner Universitätsbibliothek.

Lienig ist Buchbindermeister im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und Arbeitgeber von acht Angestellten. Es waren schon einmal doppelt so viele, doch dann verhängte der Senat eine Haushaltssperre und legte vorübergehend eine der wichtigsten Auftragsquellen trocken. Zum Glück hat Lienig allerdings auch private Kunden: Rechtsanwälte, die Zeitschriften und Loseblattwerke aufbinden lassen, Studenten, die ihren Abschlussarbeiten ein würdiges Aussehen verleihen wollen, oder einfach Besitzer alter, wurmstichiger Bücher.

Ganz korrekt heißt der Beruf , den Lienig ausübt, „Buchbinder in der Einzel- und Sonderfertigung”. Angehörige dieser handwerklich orientierten Fachrichtung sind die Spezialisten fürs Individuelle, wozu auch die Herstellung bibliophiler Sammlerstücke mit Ledereinband und Goldschnitt gehören kann. Nach der neuen Handwerksordnung ist die Buchbinderei ein zulassungsfreies Handwerk, so dass sich Gesellen nach der dreijährigen Ausbildung auch ohne weitere Berufserfahrung mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen können.

Doch neben der Einzel- und Sonderfertigung gibt es Fachrichtungen, die wenig mit dem romantischen Bild des Buchbindens zu tun haben. Der Beruf umfasst auch zwei industrielle Spielarten: Buchfertigung und Druckweiterverarbeitung. „Von der Zahl der Ausbildungsstellen her bilden sie das Übergewicht”, sagt Rainer Braml vom Verband Druck und Medien Westfalen-Lippe in Lünen. Obwohl die Tätigkeiten in der Praxis später wenig Berührungspunkte haben, werden die drei Fachrichtungen in den ersten zwei Jahren der Berufsschule gemeinsam unterrichtet.

Für die Anforderungen der Industrie , wo Massenauflagen produziert werden, erscheint der Begriff des Buchbinders fast untertrieben. Hier ist deshalb schon einmal vom „Printfinisher” die Rede. „Printfinisher” befehligen einen ganzen Maschinenpark. Da wird geschnitten, gefalzt, geheftet, gebunden, geklebt, gelocht, gebohrt, geprägt, perforiert. In der Fachrichtung Buchfertigung geht es dabei um Bücher im engeren Sinn. Die Druckweiterverarbeiter kümmern sich mehr um Zeitschriften, Broschüren, Prospekte und Werbematerial.

Die Buchbinder sind in der Industrie aber nicht diejenigen, die an den Maschinen stehen. „Diese Rolle fällt angelernten Hilfskräften zu”, erläutert Braml. Wer eine Ausbildung absolviert hat, überwacht dagegen das Geschehen von der Warte des Maschinenführers aus, richtet die Geräte ein und übernimmt die Wartung. Dass man für diese anspruchsvolle Tätigkeit technisches Verständnis mitbringen und zumindest das Dreisatzrechnen beherrschen sollte, liegt auf der Hand.

Doch vielen Bewerbern mangele es an solchen Voraussetzungen, geht eine Klage in der Branche. „Es gibt Betriebe, die Hände ringend nach geeigneten Auszubildenden suchen”, weiß Braml. „Der Buchbinder in der Industrie ist eben vom Ansehen nicht besonders hoch angesiedelt.” Um das zu ändern hat der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) in Wiesbaden ein neues Internetportal für den potenziellen Nachwuchs freigeschaltet. Unter www.buchbinder-werden.de soll der Beruf des Buchbinders „modern und erlebnisorientiert” vorgestellt werden.

Die Branche wünscht sich mehr Bewerber mit Realschulabschluss oder Abitur. In der Praxis genügt oft aber schon ein „vernünftiger Hauptschulabschluss”, wie Jürgen Heinrichs vom Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) in Frankfurt/Main anmerkt. Jedes Jahr werden von Industrie- und Handwerksbetrieben bundesweit knapp 500 Auszubildende eingestellt. Ihre Vergütung liegt in der Industrie zwischen 762,54 Euro im ersten und 864,80 Euro im dritten Lehrjahr.

Danach steigert sich der Verdienst: So macht der bvdm die Rechnung auf, dass eine 23-jährige Industriebuchbinderin im zweiten Gehilfenjahr bei einer täglichen Arbeitszeit von siebeneinhalb Stunden auf 2237,74 Euro brutto im Monat kommt. „Buchbinder gehören zu den Spitzenverdienern der technischen Berufe”, lockt der Verband. Das Beispiel geht allerdings insoweit an der Realität vorbei, als nur knapp ein Viertel der Buchbinder weiblich sind.

Sorgenfrei sind auch die Industrie-Buchbinder nicht - trotz oder vielleicht gerade wegen der guten Verdienstmöglichkeiten. Bücher lassen sich im Ausland günstiger binden als in Deutschland. „Viele Arbeiten sind in letzter Zeit zum Beispiel nach Tschechien verlegt worden”, sagt Mark-Ingo Thielgen vom Verband Deutscher Buchbindereien für Verlag und Industrie (VDB) in Freiburg. Die deutschen Betriebe versuchen, sich durch zunehmende Spezialisierung zu behaupten.

Ob die Buchbinderei eine große Zukunft hat, vermag Buchbindermeister Jens Lienig nicht zu sagen. Wenn gerade keine Haushaltssperre gilt, kann er aber auch von der Vergangenheit ganz gut leben: „Allein in der Berliner Staatsbibliothek schlummern eine Million Bücher, die repariert werden müssten.”

Informationen: Bundesverband Druck und Medien, Postfach 1869, 65008 Wiesbaden (Tel.: 0611/80 31 81, Fax: 0611/80 31 13)

Internet: www.buchbinder-werden.de

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/05/27/service/berufbildung/wiewerdeich/t/rzo131394.html
Montag, 28. Februar 2005, 10:19 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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