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Freitag, 19. Jul. 19
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Wie werde ich...? Gerber

Frankfurt/Main - Der geschmeidige Autositz aus Leder, die elegante Damenhandtasche oder die strapazierfähigen Schuhsohlen.

Gerber

Die Arbeit ist oft auch körperlich anstrengend.

Schlüsselfigur bei der Herstellung ist der Gerber, einer der wohl ältesten Berufe.

Schon seit Urzeiten dienen Tierhäute dem Menschen als Kleidung, Schutz und Utensilien des täglichen Lebens. „Es ist nicht einfach, gutes Leder zu machen”, sagt Reinhard Schneider vom Verband der Deutschen Lederindustrie in Frankfurt. „Entsprechend gefragt sind Fachleute und können mit einer ordentlichen Bezahlung rechnen.”

Am Anfang müssen alle angehenden Gerber die berüchtigte Wasserwerkstatt kennen lernen, den unangenehmsten Teil bei der Veredelung der Tierprodukte. Die Häute werden in großen Behältern in Wasser eingeweicht und gewaschen. Dabei entsteht oft ein fürchterlichen Gestank. „Daran gewöhnt man sich aber”, beruhigt Walter Haidle, stellvertretender Direktor der Gerberschule in Reutlingen.

Diese weltweit einzigartige und renommierte Einrichtung vereint Lehre, Forschung und Materialprüfung sowie eine eigene Gerberei unter einem Dach. Sie führt auch die Bundesfachklassen, in der die Auszubildenden im Blockunterricht von zwei Mal sechs Wochen jährlich ihre Berufsschule absolvieren. „Die Praxis des Handwerks wird in den Betrieben erlernt”, erklärt Haidle. „Je Lehrjahr haben wir in der Schule zwischen 24 und 34 Auszubildende.” Die Lehrzeit dauert in der Regel drei Jahre, kann aber unter bestimmten Voraussetzungen verkürzt werden. „Mit Abitur beispielsweise auf zwei Jahre”, sagt Schneider.

„Die Vergütung in der Ausbildung beträgt 574 Euro im ersten Lehrjahr, erhöht sich auf 612 Euro und steigt schließlich auf 645 Euro”, zitiert Klaus-Peter Starke vom Arbeitgeberverband der Lederindustrie in Wuppertal aus der Tarifliste. „Die Stundenlöhne für Anfänger beginnen bei 8,37 Euro.”

Um diesen Beruf zu ergreifen, schreiben die Verordnungen keine bestimmte schulische Vorbildung vor. Ein Hauptschulabschluss sollte es aber schon sein. Wer sich nach seiner Facharbeiterprüfung zum Gerber für eine weitere berufliche Karriere entscheidet, dem bietet die Einrichtung in Reutlingen in zwei Jahren Studium die Ausbildung zum staatlich anerkannten Ledertechniker. Dies ist besonders für künftige Führungskräfte unabdingbar.

Schneider macht auf einen besonderen Aspekt des Berufes aufmerksam: „In diesem Job muss man auch bereit sein zu einer Auslandstätigkeit.” Denn in anderen Regionen der Welt - etwa Südamerika oder Asien - seien deutsche Gerber zur Herstellung hochwertigen Leders sehr gefragt.

Die Zahl der Lederfabriken in Deutschland geht zurück, obwohl das Land in Europa nach Italien und Spanien der drittgrößte Hersteller ist. Laut Schneider gibt es noch etwa 50 Betriebe mit zirka 3500 Beschäftigten. Nicht alle gerben selbst. „Bundesweit arbeiten inzwischen weniger als 30 Gerbereien”, sagt Starke. Auf Grund bestehender Betriebsstrukturen sieht er jedoch sehr gute Chancen für qualifizierte Leute.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/05/27/service/berufbildung/wiewerdeich/t/rzo133267.html
Montag, 07. März 2005, 11:19 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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