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Dienstag, 10. Dez. 19

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Halifax - Links führt die schmale Asphalt­straße nach West Berlin, rechts geht es nach East Berlin, von Wie­der­ver­eini­gung keine Spur. Seit mehr als 100 Jahren liegen sich die beiden Berlins an der Ost­küs­te...

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Raue Seeluft und trockener Humor

Halifax - Links führt die schmale Asphaltstraße nach West Berlin, rechts geht es nach East Berlin, von Wiedervereinigung keine Spur.

Lunenburg

Seit 1985 ist die Hafenstadt Weltkulturerbe. (Bild: Nova Scotia Tourism/dpa/gms)

Seit mehr als 100 Jahren liegen sich die beiden Berlins an der Ostküste Kanadas gegenüber.

Die Ortsschilder sind ein beliebtes Fotomotiv bei deutschen Touristen, die ihren Weg in die Einsamkeit der Atlantik-Provinz Nova Scotia finden. Leuchtturm-Route heißt die Touristenstraße, die sich von Halifax bis Yarmouth im Westen schlängelt. Wer auf den Zeltplätzen der Küsten-Naturparks übernachtet, wird morgens vom kehligen Heulen der Atlantik-Robben geweckt. Wer es städtischer mag, macht in Lunenburg Halt. Seit 1985 gehört die Hafenstadt mit ihren bunten Holzhäusern aus dem 18. Jahrhundert zum Weltkulturerbe.

Am Kai schaukelt das Segelschiff „Bluenose”, das an die Seefahrer- und Einwanderertradition Nova Scotias erinnert. Der trockene Humor der letzten Fischer der Stadt bleibt Touristen nicht lange verborgen. „Lobster Crossing” - Hummerübergang - mahnt ein gelbes Straßenschild am Hafen. Auf der anderen Seite der Straße liegen nicht zufällig die teuersten Fischrestaurants der Stadt.

Die offene, unverblümte Art der Ostküstenbewohner mag daher rühren, dass in Nova Scotia irgendwann jeder einmal aus der Fremde gekommen ist, aus Großbritannien, Frankreich oder Deutschland. Die maritimen Provinzen Kanadas sind nicht mehr Europa, noch nicht Amerika - und manche behaupten, dass sie auch nicht sehr kanadisch seien. Bücher wie Annie Proulx' „Schiffsmeldungen” haben ein Stück des kuriosen Lebensgefühls der „Maritimes” in die Welt getragen.

Im Hafen von West Berlin liegen Fischerboote an der Mole vertäut. Bauchige Hummerfallen stapeln sich neben Bootsschuppen, das Seegras des Marschlandes wogt im Wind. Neugierige, die sich über den Ortsnamen wundern, finden ihren Weg zu Borden Conrad, Rechtsanwalt und Hobbyhistoriker. Von ihm erfahren sie, dass West und East Berlin nichts mit deutschen Einwanderern zu tun haben.

Vielmehr hieß West Berlin lange Blueberry - Blaubeere. Das ist kein Scherz, auch wenn Borden Conrad ein wenig aussieht wie Danny de Vito und gern wilde Geschichten erzählt. Schilder erwähnen den alten Ortsnamen als Beweis - und als Erinnerung an die ersten Siedler, die ihre neue Heimat nach der Natur benannten.

Glaubt man Borden Conrad, sind West und East Berlin die Schöpfung einer ehrgeizigen Lehrerin des 19. Jahrhunderts. Sie soll den Namen Blueberry als peinlich empfunden haben. Als sie 1871 über die Gründung des Deutschen Reiches las, soll ihr Berlin als neuer Name passender erschienen sein - samt Ortsteil West und Ost. Im Provinzarchiv liest sich die Geschichte wesentlich kürzer. Die Namen West and East Berlin gehen auf einen Parlamentsbeschluss des Jahres 1886 zurück, heißt es dort.

Heute führt eine schmale Küstenstraße von West nach East Berlin. Eine Heulboje warnt vor den Untiefen des offenen Atlantiks, 30 Menschen wohnen noch hier. Eine davon ist Doris Schrane, eine lebenslustige Mittfünfzigerin, die stolz auf ihre Geburtsurkunde ist. „East Berlin” steht da, sonst nichts. „Sie haben einfach vergessen, Kanada draufzuschreiben”, sagt sie.

Ihrer Ansicht nach hat Doris Schrane durch diese bürokratische Panne so etwas wie eine universelle East-Berlin-Bürgerschaft erworben. „Die Menschen im eingemauerten Ost-Berlin haben mir immer Leid getan”, bekennt sie. Doris Schrane würde so gern einmal ins deutsche Berlin reisen. Doch sie ist in ihrem Leben nur bis Bridgewater gekommen, das sind 40 Kilometer auf dem Küsten-Highway. Die Frage, ob sich East und West Berlin in Nova Scotia vereinigen sollten, hat sie sich noch nicht gestellt. Sie kichert wie ein kleines Mädchen. „Nun, wir könnten hier vielleicht das Gras wiedervereinigen”, schlägt sie vor.

Informationen: Broschüren , Routenvorschläge und Straßenkarten verschickt das Canada Tourismus Programm, Postfach 20 02 47, 63469 Maintal (Hotline: 06181/451 78, Fax: 06181/49 75 58).

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/05/27/service/reise/reisetipp/t/rzo141605.html
Freitag, 08. April 2005, 10:17 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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