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Dienstag, 11. Juni 13
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Robin Kersten segelte auf fast allen großen Gewäs­sern

Ko­blen­zer auf dem Meer zu Hau­se

Ko­blenz - In Koblenz war Robin Kersten zu Hause, ehe er Anfang der 90er-Jahre auf­brach, Rhein und Mosel gegen die halbe Welt ein­zut­auschen. Nach mehr­jäh­rigen Auf­ent­hal­ten auf den Kana­ren, in der Karibik und in Flo­rida, wo er sein erstes eigenes Segel­boot zusam­men­zim­merte, bietet der 31-jäh­rige Skipper heute auf den Azoren Törns und Touren für Urlau­ber an.

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Robin Kersten ist auf dem Meer zu Hause. Der Koblen­zer, der fast alle großen Gewäs­ser kennt, bietet mitt­ler­weile auf den Azoren Aus­flüge auf dem eigenen Kata­maran an. Auch wenn er die alte Heimat noch liebt: Zurück­keh­ren will er nicht mehr.

Die erste Begeg­nung mit Robin Kersten findet in 11 000 Metern Höhe statt. Er wirkt in einem Wer­befilm mit, der die Flug­gäste ein­stim­men soll auf ihr näher rücken­des Urlaubs­ziel: Faial, welt­läu­figste aller Azo­ren-Inseln, Mekka für Aben­teu­rer, Atlan­tikü­ber­que­rer, Wel­tum­seg­ler: "Den hef­tigs­ten Sturm habe ich auf dem Weg zurück von der Ant­ark­tis nach Kap Horn erlebt. Wir sind durch einen Orkan gese­gelt. Zwei Kreuz­fahrt­schiffe sind durch eine 14-Meter-Welle in dem­sel­ben Sturm manövrierun­fähig gewor­den", berich­tet er hier von seinen Aben­teu­ern.

Kein See­manns­garn

Dabei ist Robin Kersten über­haupt nicht der Typ, der sich mit seinen See­fah­rer-Geschich­ten wichtig machen will. Im Gegen­teil. "Robin segelt. Aber er redet nicht viel übers Segeln", sagt Monika Schmaus, seine in Wei­ters­burg lebende Mutter. Vor zwölf Jahren hat sie auf Gran Canaria mehrere Tage mit ihm ver­bracht - in einer Höhle, die er dort bewohnte. "Trotz der Ent­fer­nung hatten wir immer ein sehr inniges Ver­hält­nis", sagt die 55-Jäh­rige. "Natür­lich liebe ich meine Fami­lie. Aber mit der Zeit lernt man, wie man sich auch fernab der Heimat nahe sein kann", meint Robin dazu. Nur noch spo­radisch - zuletzt Anfang Mai - schaut er in der alten Heimat vor­bei.

Mit 17, unmit­tel­bar nach Been­digung seiner Aus­bil­dung zum Hei­zungs- und Lüf­tungs­bauer in Koblenz, setzte sich Kersten in einen Flieger nach Aus­tra­lien, kaufte sich dort ein bil­liges Fahrrad und radelte in sechs Wochen 1500 Kilo­meter quer durch den Kon­tinent. "Das war wohl meine Taufe zum Rei­sen­den", sagt der 31-Jäh­rige heu­te.

Seine Taufe zum Seemann erlebt er auf einem Segel­boot mit dem Namen "Spirit of Assy". Ein Paar aus Deutsch­land, das er während seiner zwei­jäh­rigen Höhlen-Zeit in den Bergen Gran Cana­rias kennen gelernt hat, nimmt ihn mit auf einen Törn in die Kari­bik. "Wir sind die Süd­atlan­tik­route von den Kanaren auf die Bahamas gese­gelt, von dort aus weiter in die Staa­ten, entlang der ame­rika­nischen Ost­küste hinauf bis fast an die kana­dische Grenze und haben auf den Großen Seen an Segel­ren­nen teil­genom­men", erzählt der Koblen­zer.

Boots­bau gelernt

Nach einer Viel­zahl wei­terer Törns, die ihn unter anderem nach Mexiko, Gua­temala und zu den Ber­muda­inseln führen, landet er in Flo­rida. "Ich kam mit der Idee nach Fort Lau­der­dale, ein altes Boot zu restau­rie­ren." Geld hatte er so gut wie keines, als er vor Anker ging. Und auch seine Ahnung vom Schiffs­bau hielt sich damals in Gren­zen.

Was sich bald jedoch ändern sollte. Ein erfah­rener Boots­bauer, den auf der Werft alle bloß "Gra­nit" rufen, nimmt Kersten unter seine Fit­tiche. "Granit lehrte mich von Grund auf alles über Boots­bau und Boote - vom Boden bis zur Mast­spit­ze." Um Geld zu sparen, näch­tigt Kersten die meiste Zeit über unter einer Auto­bahn­brücke. Dorthin hat er auch seine "La Maga" schaf­fen lassen, einen abge­takel­ten Ein­mas­ter, den er wieder flott­machen will. Als Kers­tens Lehr­zeit beendet ist, ver­lässt er Fort Lau­der­dale mit einem schmu­cken, knapp neun Meter langen Segel­boot, "heil­froh, den siffig-brau­nen Kanal von Fort Lau­der­dale endlich gegen das blaue Meer ein­zut­auschen".

Durch die Ant­ark­tis

Seine wohl außer­gewöhn­lichste Tour unter­nimmt er wie­derum mit der "Spirit of Assy". 2002 tourt er für mehrere Wochen durch die Ant­ark­tis. Sch­ließ­lich führt ihn sein Weg auf die Azo­ren­insel Faial, wo er im Hafen der See­fah­rer­stadt Horta gleich zwei Mal der großen Liebe begeg­net: Die eine heißt "Si­mile" und ist ein Kata­maran, den er sich dort kauft, die andere, Paula, hat eine kleine Tochter und wird dem­nächst wohl als Anwäl­tin arbei­ten.

"Robin schafft zu viel", sorgt sich unter­des­sen seine Mutter. Als Chef des Kata­marans "Si­mile", auf dem Urlau­ber mitse­geln und die Schön­heit der Azoren erleben können, fühle er sich eben auch für seine Crew-Mit­glie­der ver­ant­wort­lich. "Hof­fent­lich kommt dabei nicht die Freun­din zu kurz." Die war übri­gens auch schon zum Antritts­besuch in Wei­ters­burg und hat sich im Rhein­land "ziem­lich wohl gefühl­t". Monika Schmaus besucht ihren Sohn, so oft es geht. Mitt­ler­weile ist auch sie vom Segel-Virus infi­ziert, genauso wie ihr älterer Sohn Sven. Der hat schon gemein­sam mit seinem Bruder im Segel­boot den Atlan­tik über­quer­t.

Noch eine Welt­rei­se?

Und Robin Kersten will dem Meer die Treue halten: "Ich bin mir ziem­lich sicher, dass ich nicht mehr in Deutsch­land leben werde. Wenn alles so läuft, wie ich mir das wün­sche, werde ich mir irgend­wann auf den Azoren ein Häu­schen bauen, mir Tiere halten und mög­lichst als Selbst­ver­sor­ger leben. All das aber erst, wenn ich meine Welt­reise unter­nom­men habe." Welt­rei­se? Er war doch fast schon über­all. Aber eben nur fast. Seine Mutter sagt nur: "Wenn sich Robin was in den Kopf setzt, dann macht er das nor­maler­weise auch."

Rouven Wan­gelin


http://rhein-zeitung.de/on/05/07/05/rlp/r/meer.html
Dienstag, 05. Juli 2005, 10:21 © RZ-Online (aj)
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