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Archiviert am
Donnerstag, 07. Juli 05 |
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Nach Live 8 - Terror „zerstört” alles Schöne Edinburgh - „Jetzt beginnt wieder die eigentliche politische Arbeit”, sagt Herbert Grönemeyer.
Die letzten Takte des großen Konzerts für Afrika aus Anlass des G8-Gipfels im Stadion von Edinburg sind gerade verklungen. Der Sänger arbeitet seit geraumer Zeit in der Initiative „Deine Stimme gegen Armut” mit. „Das Konzert”, sagt Grönemeyer, „war nur ein kurzer Moment des Innehaltens.” Da weiß noch niemand, dass sowohl das ernste Thema des politischen Gipfels als auch die Konzert-Stimmung schon am nächsten Morgen vom Schrecken des Terrors in der Innenstadt Londons gänzlich überschattet sein werden. An die 30 Künstler und Bands, darunter Annie Lennox, Bono, Travis, Texas und James Brown, spielten am Mittwochabend kostenlos etwa fünf Stunden vor rund 50 000 begeisterten Zuhörern unterschiedlicher Generationen. Grönemeyer hatte sich von der Bühne aus unter dem Beifall der Menge an Bundeskanzler Gerhard Schröder gewandt, der mit den anderen G8-Regierungschefs in Gleneagles unweit der schottischen Hauptstadt zusammenkam. Schröder habe Nein zum Irakkrieg gesagt, jetzt könne er sich in die Geschichtsbücher einschreiben, indem er auf dem Gipfel Nein zur Armut in der Welt sage. Und Claudia Schiffer, die neben dem Musiker auf der Bühne stand, sagte hinterher: „In Afrika sterben jeden Tag 30 000 Kinder, weil sie arm sind.” Seit sie selbst Kinder habe, denke sie oft: „Wenn ich dort leben würde, könnte es auch mein Kind treffen.” Mit dem von Live-8-Initiator Bob Geldof organisierten Auftritt sollten die G8-Staaten noch einmal zu mehr Entwicklungshilfe gedrängt werden. Für Campino von der Band Die Toten Hosen waren die Live-8- Konzerte insgesamt und die Abschlussveranstaltung von Edinburgh „ein überwältigender Erfolg”, wie er vor Bekanntwerden der tödlichen Anschläge in London formulierte. Viele Millionen Menschen in aller Welt hätten die politischen Führer der großen Industriestaaten unter Druck gesetzt. Campino, der zusammen mit Geldof auftrat, zählt zu einer Gruppe deutscher Prominenter, die mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen nach Edinburgh reisten. Mit dabei waren die Schauspielerin Anna Thalbach, der Love-Parade-Erfinder Dr. Motte und der Sänger Rea von der Band Reamonn. Die Proclaimers hatten mit dem Hit „500 Miles” den Auftakt des Konzerts von Edinburgh gegeben. Die Zuschauer sangen, tanzten und klatschten vom ersten Moment an begeistert mit. Viele schwenkten schottische Fahnen. Beifall brandete auf, als Bono bekannt gab, dass sich bereits 38 Millionen Menschen weltweit in die Internetliste von Live 8 „Make Poverty History” eingetragen haben. Zu den rührendsten Momenten zählte eine Videoansprache des greisen Nelson Mandela. Gerechtigkeit und Kampf gegen Armut gehörten zusammen. „Lasst uns arbeiten, um Armut Geschichte werden zu lassen”, rief er. Bei dem Konzert gab es keine Scheu vor Pathos. Annie Lennox meinte, die Teilnehmer würden irgendwann zurückblicken und ihren Kindern sagen: „Wir waren dabei.” Und Bob Geldof mahnte fast beschwörend an die Adresse des G8-Gipfels: „Wie können sie uns jetzt noch zurückweisen, nach einer solchen Nacht voll Hoffnung und Optimismus.” Bono fügte hinzu: „Es ist Zeit, größer als Nationen und länger als Wahlperioden zu denken.” Vielen deutschen Konzert-Teilnehmern hatte ein großes Unternehmen für den Flug nach Edinburgh eine historische DC-6B zur Verfügung gestellt, die einst dem jugoslawischen Staatschef Josip Broz Tito als Luxusmaschine diente. Campino deutet darin auf das extravagante Interieur mit Mahagonitäfelung, Bar und Sofaecke: „Dieses Flugzeug ist ein Mini-Beispiel für die Perversion dieser Welt.” Als der Musiker - noch positiv gestimmt - auf dem Rückflug war, gingen die Meldungen von den Anschlägen auf Bahnen und Busse um die Welt. „Diese schönen Schlussmomente der gelungenen Live-8-Aktion sind durch die heutigen Terroranschläge in London zerstört worden”, erklärte seine Band am Donnerstagabend. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/05/07/07/magazin/musik/t/rzo164996.html |
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