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Freitag, 10. Feb. 12
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Beruf & Bildung
Handwerker auf Wanderschaft Hannover - Etwas verwegen sehen sie aus, die Handwerker auf der Walz. Schlaghose und Ohrring sind zwar keine ungewöhnlichen Accessoires.
Aber in Kombination mit Jacke, Weste, Hut, Schlips und Wanderstab ergibt sich ein exotischer Anblick. „Mal werden wir für Cowboydarsteller gehalten, mal für Musiker, mal für orthodoxe Juden”, erzählt Guido Stier aus Bohmstedt in Schleswig-Holstein, Zentralleiter der Vereinigung Rolandschacht. Die meist dreijährige Abwesenheit von Familie und Freunden ist nur einer der Gründe, warum die Wanderschaft nicht nur von romantischen Gefühlen begleitet wird. „Oft weiß man morgens nichts, wo man abends schläft, und das kann hart sein”, sagt Zimmerer Matthias Peter. Der 25-jährige Thüringer macht auf seiner Reise von Wismar ins Allgäu Station im Zunfthaus des „Schachts Freie Vogtländer” in Hannover. Die Wanderschaft von Zimmerleuten , Tischlern, Dachdeckern oder Maurern, auch Walz oder Tippelei genannt, ist eine Institution mit Wurzeln im Mittelalter. Damals war sie eines der wichtigsten Mittel des Wissenstransfers. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird sie von so genannten Schächten getragen. Es gibt vier große, die sich in der Farbe der „Ehrbarkeit” unterscheiden: Schwarze Schlipse kennzeichnen die „Rechtschaffenen Gesellen”, rote den „Fremden Freiheitsschacht”, blaue die „Rolandsbrüder”, goldene Nadeln die „Freien Vogtländer”. Die Ehrbarkeit spielte vor allem eine Rolle, als die Schächte einander noch in Abneigung zugetan waren. „Da waren blutige Prügeleien an der Tagesordnung”, weiß Dieter Theurich, Altgeselle der Vogtländer aus Hannover. „Vor allem durfte man sich die Ehrbarkeit nicht wegnehmen lassen, denn dann war es vorbei mit der Tippelei.” Begriffe wie „Ehrbarkeit” verweisen darauf, dass die Schächte hohe Anforderungen an das Verhalten der Gesellen stellen. Wer mit dem Wanderbuch eines der großen Schächte auf die Walz gehen will, muss ledig, kinderlos und schuldenfrei sein. Nichts ist den Schächten so zuwider wie „liederliche” Gesellen, die ihre Kluft nicht in Ordnung halten. Auch der Ohrring dient nicht dem Zweck, brave Bürger zu erschrecken: Meist aus Gold gehalten, war er früher ein Zeichen der Solvenz. Zwar versuchen die Wandergesellen, mit dem Lohn ihrer wechselnden Arbeitsstationen möglichst lange auszukommen. „Aber 60 Euro pro Tag braucht man schon, auch um für die teuren Flugreisen im Winter zu sparen”, sagt Theurich. Beliebte Anlaufstellen sind die Einrichtungen des Handwerks: „Bei uns wird häufig um eine Wegzehrung gebeten”, erzählt Frank Markowski vom Bundesverband Holz und Kunststoff (BHKH) in Berlin. Derzeit gibt es rund 700 deutsche Wandergesellen, Tendenz wieder steigend, was aber nur im Sinne der Traditionspflege ein gutes Zeichen ist: „Darin wirken sich auch 25 Jahre Baukrise aus”, sagt Theurich. „In anderen Ländern ist es dreimal leichter, Arbeit zu finden”, weiß Zimmerer Matthias Peter. Der Thüringer hat halb Europa bereist. „Die Wanderschaft soll ja auch der Völkerverständigung dienen.” Die Frage nach seinem Lieblingsort beantwortet er dennoch überraschend: „Am schönsten ist es immer noch zu Hause.” www.rolandsbruderwk.de www. rechtschaffene-zimmerer.de www.fremderfreiheitsschacht.de dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/05/07/07/service/berufbildung/t/rzo164169.html |
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