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Dienstag, 11. Jun. 13

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Suche nach Ursache des Tiroler Seilbahndramas

Sölden/Wien - Technischer Defekt oder menschliches Versagen - diese Frage stand für die Ermittler einen Tag nach dem tragischen Seilbahnunglück bei Sölden in Tirol im Mittelpunkt.

Opferbergung

Rettungskräfte bergen die Leiche von einem Opfer des tragischen Gondelunglücks.

Bei dem Unglück waren am Montag sechs jugendliche Skifahrer aus dem Schwarzwald und drei Betreuer aus Bayern getötet worden. Sieben weitere Menschen wurden verletzt.

Inzwischen haben österreichische Ermittler erste Hinweise auf die mögliche Ursache erhalten. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) forderte bei einem Besuch in Sölden eine rückhaltlose Aufklärung des Unglücks.

Österreichs Verkehrsminister Hubert Gorbach teilte am Morgen bei einer Pressekonferenz in Sölden mit, dass der Haken am Hubschrauber, mit dem der herabgestürzte Betonkübel am Seil gehalten wurde, offen, aber unbeschädigt gewesen sei. Möglich sei zum Beispiel ein elektrischer Fehler. Gorbach sprach von einem Flugunfall. Der Hubschrauber sei nicht überladen gewesen. Der Pilot soll bestritten haben, den Haken vom Cockpit aus während des Fluges per Knopfdruck geöffnet zu haben. Der Tiroler Polizeichef Oskar Galopp meinte, gegenwärtig könne weder ein technischer Defekt noch eine Fehlbedienung an dem Transporthubschrauber ausgeschlossen werden. Galopp sprach von einer möglichen Verkettung unglücklicher Umstände. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck mit den Untersuchungen begonnen.

Angehörige der Getöteten trafen am Dienstag in Sölden ein. Sie nahmen am frühen Abend während einer kleinen Trauerfeier Abschied von den Opfern. Ein Sprecher hatte zuvor an die Medien appelliert, den Familien der Opfer die Möglichkeit eines stillen Abschieds zu geben. „Ich kann hier nur in Absprache mit den Eltern ausdrücken, dass der Schmerz sehr groß ist, dass es der Wunsch der Eltern ist, dass der Unfallhergang, sämtliche Hintergründe lückenlos aufgeklärt werden”, sagte unter Tränen Günter Hujara vom Schwäbischen Skiverband. Er bat im Namen der Betroffenen auch zu respektieren, dass die Namen der Opfer nicht genannt würden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnten einige der Opfer nur anhand von DNA- Analysen identifiziert werden.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber sprach den Angehörigen und Freunden der Opfer am Abend seine tief empfundene Anteilnahme aus. „Ganz Bayern trauert mit Ihnen und Ihren Familien um die Opfer, die bei diesem tragischen Unglück ihr Leben verloren haben”, sagte er. Drei der neun Toten stammten aus Oberbayern. Ein 46-jähriger Mann war im Landkreis Starnberg bei München zu Hause, ein 35-jähriger Mann und eine 44-jährige Frau stammten aus dem Landkreis Garmisch- Partenkirchen.

Bei den übrigen sechs Opfern handelt es sich um junge Skiläufer zwischen zwölf und 14 Jahren aus Baden-Württemberg. Mehrere kamen nach Rundfunkberichten aus dem Raum Villingen-Schwenningen und Tuttlingen. Die Gruppe war zum Sommerski-Training in das Gletschergebiet gereist. Die sieben Verletzten waren am Dienstag außer Lebensgefahr.

Der Transporthubschrauber hatte am Montag beim Überfliegen der Seilbahn einen schweren Betonkübel verloren, der beim Absturz eine Gondel traf. Sie stürzte ab, Insassen anderer Gondeln wurden aus ihren Kabinen geschleudert. Bei dem Helikopter handelt es sich um eine Maschine des Typs „Lama SA 315 B” der Salzburger Firma Knaus. Nach Angaben von Knaus-Geschäftsführer Roy Knaus hatte der 35-jährige Pilot seit einem Monat die Lizenz zum Transport von Außenlasten. Er habe mehr als 850 Flugstunden hinter sich.

Zu der Pressekonferenz am Morgen in Sölden war auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) angereist. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus und würdigte die Arbeit der österreichischen Retter. Stolpe sagte, er sei „fassungslos über dieses Unglück im schönsten Urlaubsgebiet Österreichs”. Er gehe davon aus, dass die Behörden der Alpenrepublik alles tun werden, um die Ursache des Unglücks zu finden. Auch Bayerns Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) reiste nach Sölden.

Das baden-württembergische Kabinett gedachte der Opfer am Dienstag mit einer Schweigeminute. Sprecher aller Parteien forderten eine schnelle Aufklärung des Unglücks. Mit Betroffenheit reagierte Papst Benedikt XVI. auf das Unglück im Tiroler Ötztal. Er bete für die Toten, hieß es in einem Telegramm an den Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/09/06/news/t/rzo179951.html
Dienstag, 06. September 2005, 21:41 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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