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Montag, 26. Aug. 19

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Aloe Vera in Nahrungsmitteln überbewertet

Köln/Aachen - Die Heilpflanze Aloe Vera ist als Nahrungsergänzungsmittel ein Verkaufsschlager.

Aloe Vera

Eine Aloe Vera Pflanze wird über die Haut gehalten. (Schierenbeck/dpa/gms)

Doch angesichts dieser Modewelle warnen Experten und Verbraucherschützer davor, die Heilkraft der Aloe-Wirkstoffe zu überschätzen.

Wissenschaftlich begründet ist die positive Wirkung der inneren Anwendung von Aloe Vera, sei es über Nahrungs- oder Arzneimittel, jedenfalls nicht. So gibt es laut der Verbraucherzentrale Bayern in München lediglich fünf kontrollierte wissenschaftliche Studien zur inneren Anwendung von Aloe Vera, die alle ohne positives Ergebnis ausgingen.

Gesichert ist lediglich, dass die zu 96 Prozent aus Wasser bestehende Pflanze als Abführmittel wirkt, erklärt Ulrich Heier, Pressesprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn. Doch auch hier sollte eine Einnahme laut BfArM „nicht länger als über ein bis zwei Wochen erfolgen”.

Für eine gesunde Ernährung ist Aloe Vera also nicht erforderlich. Umso häufiger finden sich kritische Stimmen: „Alle Arten der Verarbeitung von Aloe Vera in Nahrungsmitteln sind bloße Geldschneiderei”, sagt Frank Herfurth vom Verband Freier Heilpraktiker und Naturärzte (VFHN) in Köln. Auch Christian Strohmeyer vom Bundesverband Naturkost Naturwaren Einzelhandel nennt die Gerüchte, wonach die Heilpflanze nicht nur gegen Verdauungsbeschwerden, sondern auch gegen Rheuma, Arthritis oder gar Aids helfen soll, ein „bloßes Verkaufsargument” der Hersteller.

Zudem ist die Vitaminmenge in den Nahrungsmitteln mit Aloe Vera sehr gering. Wird sie besonders erwähnt, handelt es sich um zugesetzte Vitamine, so die Verbraucherzentrale Bayern. „Alle wertvollen Stoffe in der Aloe Vera sind mit einer obst- und gemüsereichen Ernährung ausreichend abgedeckt”, so Frank Herfurth.

Im Gegensatz zur „Kosmetik von Innen” sei die äußere Anwendung von Aloe Vera ein wirksames Rezept, zum Beispiel gegen Entzündungen der Haut, so Herfurth. Das Enzym Bradykinase kann bei derartigen Entzündungen schmerzlindernd wirken. Hauptbestandteil in der kosmetischen Verwendung der Pflanze ist dabei das aus den Blättern der Wüstenlilie gewonnene Aloe-Vera-Gel.

Bekannt ist diese Heilwirkung bereits seit langem: Im Altertum wurden Verletzungen damit behandelt, auch die indische Ayurveda-Medizin greift auf die aus Afrika stammende Heilpflanze zurück. Selbst im Neuen Testament wird Aloe erwähnt. Die spanischen Eroberer brachten sie im 15. und 16. Jahrhundert in die Neue Welt, wo sie heute vor allem im Süden der USA und in Südamerika angebaut wird.

Doch auch bei der äußeren Anwendung wird Aloe Vera häufig überschätzt. Außer zur Wundheilung der Haut wird das grüne Gel zum Teil auch zur Behandlung von Akne, Schuppenflechte oder Pilz empfohlen. Gegen diese Beschwerden sei die Wirksamkeit von Aloe Vera aber wiederum nicht durch klinisch-experimentelle Studien belegt, so Maike Groeneveld vom Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung in Bonn (aid). Nahrungsmittelhersteller nutzten Aloe Vera häufig nur als Aroma und profitierten davon, dass die Verbraucher mit dem Begriff positive Eigenschaften verbinden, sagt Groeneveld.

Auch bei den Aloe-Kosmetika sollte der Verbraucher stets auf die Qualität seiner Ware achten, so Frank Herfurth vom VFHN. Es sollte sich dabei ausschließlich um die Pflanzenart „Aloe Barbadensis” handeln.

Die Aloe-Vera-Nahrungsergänzungsmittel werden laut Herfurth ähnlich überbewertet wie zahlreiche andere Heilmittel, etwa Ginseng, Q10 oder Vitamin E, aber auch der gegenwärtig stark beworbene Noni-Saft. Dem pflichtet auch Margret Morlo bei, Diätassistentin vom Verband für Ernährung und Diätetik in Aachen: Weder zu Noni noch zu Aloe Vera finde sich in der aktuellen wissenschaftlichen Fachliteratur „irgendein Hinweis” zum gesundheitlichen Nutzen einer Einnahme.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/09/28/service/gesundheit/t/rzo171727.html
Mittwoch, 03. August 2005, 10:19 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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