IVWPixel Zählpixel
Nachrichten Sport Magazin Service
Anzeigen Verlag im Netz Kevag Telekom Service & Kontakt
Ticker Wetter Regionales Foto des Tages Karikatur Kalender Forum Archiv
Dienstag, 11. Juni 13
[an error occurred while processing this directive]

Frei­land­tiere gewöh­nen sich kaum an „Stu­ben­arrest”

Stall­pflicht ver­stimmt die Gän­se

Neu­wied - Die Angst vor der Vogel­grippe scheint dem Genuss von hei­mischem Geflü­gel einen fahlen Bei­geschmack zu geben. Die Bedro­hung durch die gefähr­liche Tier­krank­heit kommt für die Geflü­gel­hal­ter zum denkbar schlech­tes­ten Moment. Denn um diese Zeit beginnt nor­maler­weise das große Geschäft mit den Mar­tins- und Weih­nachts­gän­sen.

vogel1.jpg

Seit die 500 Gänse von Fried­rich Glabach im Stall leben müssen, sind sie aggres­siver. Nor­maler­weise ver­brin­gen sie ihre Tage auf den Wiesen des Hofes. Die Stall­pflicht zum Schutz vor der Vogel­grippe gilt noch bis zum 15. Dezem­ber.

Bei gekoch­tem Geflü­gel besteht keine Gefahr einer Infek­tion des Men­schen mit der Vogel­grippe. Trotz­dem legt sich die Stirn von Geflü­gel­hal­ter Fried­rich Glabach aus Neuwied seit einigen Tagen immer wieder sor­gen­voll in Falten. Die Nach­frage und die Vor­bestel­lun­gen für seine däni­schen Mast­gänse und Hähn­chen ist spürbar zurück­gegan­gen, seit die Vogel­grippe im Gespräch ist. "Wir haben 20 Prozent weniger Bestel­lun­gen für den Mar­tins­tag."

Gla­bachs Hof, auf dem vier Gene­ratio­nen zusam­men vom Ertrag aus dem Geflü­gel­ver­kauf leben, liegt außer­halb der Stadt, umgeben von Wiesen, auf denen sonst zu dieser Jah­res­zeit die rund 500 Gänse des Betrie­bes grasen. Seit die bun­des­weite Stall­pflicht für Feder­vieh gilt, ist es still gewor­den rund um den Gla­bacher Hof. Dabei ist das Mar­ken­zei­chen des Betriebs das Frisch­fleisch von frei­lau­fen­den Tie­ren.

Des­infek­tion beim Besuch

Für seine Gänse hat der Land­wirt in seinem rund 270 Qua­drat­meter großen Maschi­nen­raum Platz geschaf­fen, die Maschi­nen wurden bei hilfs­berei­ten Nach­barn unter­gestellt. In den Stall der Tiere darf der Besu­cher nur mit über die Schuhe gestülp­ten Plas­tik­tüten. Vor und nach dem Ein­tre­ten ist außer­dem der Gang über eine mit Des­infek­tions­mit­tel ein­geweichte Matte not­wen­dig. "Die hatten wir schon vor der Vogel­grippe, aber jetzt achtet man noch mehr darauf, sie zu benut­zen", erklärt Gla­bach.

Im Stall erhebt sich ein ohren­betäu­ben­des Geze­ter. 500 weiß gefie­derte Mast­gänse drängen sich auf dem weit­läu­figen Stroh­bett. Ein kräf­tiger Ganter faucht seine Stall­genos­sen an und breitet die Flügel aus - stolze 1,20 Meter Spann­weite. Die Tiere brau­chen Auslauf und Beschäf­tigung, und die Wiese fehlt den leb­haf­ten Geschöp­fen. Auf engem Raum werden sie aggres­siv. "Auf der Wiese können die schwäche­ren Tiere den starken aus­wei­chen, hier nicht." Seit sie im Stall sind, ver­let­zen sie sich häu­figer gegen­sei­tig.

Ex­tra-Stroh zum Spie­len

Damit sie beschäf­tigt sind, hat Fried­rich Glabach ihnen viel Stroh gege­ben. Obwohl die Tiere damit gerne spie­len, macht es den man­geln­den Auslauf nicht wett. "An den ersten Tagen im Stall waren sie aber noch unru­higer als jetzt", meint ihr Halter. Sie gewöh­nen sich also langsam an den Stu­ben­arrest.

We­niger anspruchs­voll als die Gänse sind die rund 1000 Hühner, die für den Betrieb Eier legen oder als Sup­pen­hüh­ner ver­kauft werden. Auch sie sind Auslauf gewohnt, nehmen das plötz­liche Aus­geh­ver­bot aber gelas­sener hin als die Gänse. Gla­bachs Stall ist für weit mehr als 1000 Tiere aus­gelegt, die Hühner geraten also nicht in Bedräng­nis. In ihrem Stall ist fried­liches Gackern zu hören.

Frei­lau­fende Tiere wer­ben

Nicht nur das Wohl­befin­den seiner Gänse, sondern auch der Geschäfts­erfolg von Fried­rich Glabach hängt vom Frei­lauf der Tiere ab. Davon ist der Land­wirt über­zeugt. Er ver­mark­tet sein Geflü­gel selbst, und ein großer Teil seiner Kund­schaft ent­schei­det sich spontan zum Gän­sekauf - quasi im Vor­bei­fah­ren. "Meine Werbung sind die Gänse auf der Wiese, die jeder von Weitem sehen kann", sagt er. Außer­dem ist zurzeit ideales Wetter für Gänse im Freien. Nächste Woche will Glabach beim Kreis­vete­rinär even­tuell eine Son­der­geneh­migung für seine Tiere ein­holen, damit sie doch ein biss­chen draußen sein können. Wirk­lich Angst um seine Exis­tenz hatte er am Diens­tag, als in einem Neu­wie­der Weiher tote Wild­gänse gefun­den worden waren (wir berich­teten). "Wenn diese Gänse an Vogel­grippe gestor­ben wären, hätte ich womög­lich alle meine Tiere töten müs­sen." Die Arbeit eines Jahres wäre dahin gewe­sen.

Rena Leh­mann; Foto: Peter Bongard - aus der RZ vom 29.10.2005, Seite 3.

[an error occurred while processing this directive]

http://rhein-zeitung.de/on/05/10/29/rlp/r/vogel-1.html
Samstag, 29. Oktober 2005, 19:38 © RZ-Online (jo)
Artikel empfehlen    Leserbriefe     Impressum

suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
Event-Kalender
RZ-Tickets
RZ-Serie
Neu im Kino Neu im Kino Kino-Programm
Lexikon
Sie kennen ein Wort nicht?
Doppelklick genügt!
TuS Koblenz
TuS Koblenz
Helft uns leben
Spenden für Birma


Kino-Memo-Quiz
Kino-Memo-Quiz
Doppelkarten für Koblenz
oder Mainz zu gewinnen!
Sudoku
Klasse Intermedial
Newsletter
Druckversion