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Dienstag, 11. Jun. 13

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Eine Stunde mehr: Fluch oder Segen?

Hamburg - Am 30. Oktober wird allen eine Stunde „geschenkt”. Doch bereichert die Extra-Stunde wirklich, oder bringt sie eher Chaos? „Die Umstellung auf Normalzeit ist für die Innere Uhr des Menschen ein Festtag”, sagt Schlafforscher Jürgen Zulley.

Zeitumstellung

Wecker in einem Regal: Am 30.10.2005 endet die Sommerzeit.

„Es ist der einzige Tag im Jahr, an dem Biorhythmus und Tagestakt gleich schlagen, denn der innere Tag hat 25 Stunden.” Doch ob wach oder nicht: Auf die Nacht zum letzten Sonntag im Oktober sollte jeder gut vorbereitet sein.

„Wer davon wirklich profitieren will , sollte schon am Freitag und Samstag eine Stunde später schlafen gehen, und dann länger schlafen”, empfiehlt Zulley. Sonst könnte das Zeitgeschenk statt der erhofften Erholung eher zum Schlafdieb werden. Der eigene Schlafrhythmus werde nicht von einem auf den anderen Tag geändert. „Wer normal weiter schläft, wird sonst um sieben statt um acht wach und verschenkt das Geschenk.” Idealerweise sollte jeder sieben Stunden Schlaf finden - plus/minus zwei Stunden.

Die Zeitumstellung gibt es in Deutschland seit 1980. Vor allem sollte nach den Erfahrungen der Ölkrise 1973 durch eine bessere Nutzung von Tageslicht Energie gespart werden. Bis 1995 wurde in Deutschland, wie in den meisten Nachbarländern, stets Ende September von der Sommer- auf Normalzeit umgestellt. Nur England und Irland ließen die Sommerzeit bis Ende Oktober laufen. Laut Physikalisch- Technischer Bundesanstalt einigten sich die EU-Staaten nach einer Umfrage schließlich auf eine einheitliche Regelung, die seit 1996 zu Gunsten des britischen Modells ausfällt.

Während sich die meisten Menschen in jedem Herbst über die Extra- Stunde freuen, bringt sie allen Nachtdienstlern Mehrarbeit. „In Krankenhäusern ist die XXL-Nacht ein Glück-Pech-Spiel: Jedes Jahr trifft es einige, die die Stunde länger bleiben müssen”, sagt Holger Mages von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Manchmal übernimmt aber auch der Frühdienst die zusätzliche Stunde. „Und einige teilen es sich "schwesterlich" auf: je eine halbe Stunde für das Nacht- und das Frühteam.” Auch andere Nachtarbeiter müssen laut Industrieverbänden eine Stunde länger ran.

Mit gemischten Gefühlen betrachten auch Fuhrunternehmer die winterliche Zeitumstellung. Da sie immer auf einen Sonntag fällt, wird das LKW-Fahrverbot noch eine Stunde länger. „Aber das ist immer noch besser als überraschende Fahrverbote. Die eine Stunde mehr oder weniger im Jahr können wir wenigstens planen”, sagt Adolf Zobel vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung.

Alle, die zur Zeitumstellung im Nachtzug sitzen, müssen mit einer längeren Fahrzeit rechnen. „Wir halten unsere gut 50 Nachtzüge rund um den Zeitwechsel an geeigneten Bahnhöfen an und lassen sie eine Stunde warten. Dann fahren sie im Zeitplan weiter und kommen wie gewohnt an”, sagt Bahnsprecherin Claudia Wachowitz. Gute Nachrichten hat sie für alle Nachtschwärmer: „Die S-Bahnen im Nachtbetrieb fahren in der Stunde im selben Rhythmus weiter.”

Ob am Samstag vor dem Schlafengehen oder am Sonntagmorgen: Die Uhr wird eine Stunde zurückgestellt. Offiziell wird die Extra-Stunde am Sonntag um 3.00 Uhr fällig. „Dann gut ausgeschlafen, und man sollte so viel Zeit wie möglich im Freien verbringen: Sonst schließt sich an das Zeitgeschenk möglicherweise gleich die Winterdepression an”, sagt Schlafforscher Zulley. „Wir müssen akzeptieren, dass nach unserem Biorhythmus im November langsam unser "Winterschlaf" beginnt.” Die stärkere Müdigkeit werde meist mit Essen kompensiert. „Etwas weniger Sport machen, kommt dem Körper entgegen. Aber dann bitte auf die Ernährung achten.”

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/10/30/news/t/rzo193432.html
Freitag, 28. Oktober 2005, 10:18 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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