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Montag, 9. Dez. 19

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Im Spreewald ist Gurke kein Schimpfwort

Lübbenau - Touristen können erstaunlich ruhig sein. In Kolonne fahren die Kähne in der Hauptsaison durch die verzweigten Wasserläufe des Spreewaldes, doch man hört fast keinen Laut. Häuser mit Reetdächern sind zu sehen, gepflegte Bauerngärten.

Spreewald

Spreewald-Idylle mit Holzkahn. (Bild: Tvb Spreewald/dpa/gms)

Der Satan habe die Fließe des Spreewaldes geschaffen, als ihm beim Pflügen die Ochsen durchgegangen seien, sagt die Legende. Das ist offensichtlich Unsinn: Es müssen himmlische Mächte im Spiel gewesen sein.

Rein geologisch betrachtet , waren es die Turbulenzen der Eiszeit, die der Spree zwischen Berlin und Cottbus ein derart dichtes Netz an Nebenarmen beschert haben. Die Länge der so genannten Fließe addiert sich auf mehr als 1000 Kilometer, von denen 250 Kilometer befahrbar sind - nicht nur von den öffentlichen Ausflugskähnen, sondern auch von privaten Paddlern im Kanu.

Die Unesco hat die einzigartige Auenlandschaft 1991 auf die Liste der Biosphärenreservate gesetzt. See- und Fischadler sind im Spreewald ebenso zu Hause wie Kraniche, Weißstörche und Dutzende Libellenarten. Fährfrau Karin Konzak gibt sich große Mühe, diese Idylle nicht durch Plätschern oder ruckartige Bewegungen zu stören. Die Kunst des Stakens will gelernt sein. „Kraft gehört dazu, aber auch Technik”, sagt die 50-Jährige. Sie ist nach der Wende zur Genossenschaft der Fährleute von Lübbenau gestoßen - zu den rund 160 Mitgliedern zählen nur 8 Frauen.

Karin Konzak stammt aus Lehde , dem wohl typischsten Spreewalddorf. Die meisten der in der Touristenhochburg Lübbenau startenden Rundfahrten machen hier Station. Im Freilandmuseum dort informieren drei vollständige Gehöfte über die Lebensbedingungen früherer Generationen.

Noch berühmter als für seine Landschaft ist der Spreewald für seine Gurken, und auch ihnen ist in Lehde ein eigenes, in Deutschland einmaliges Museum gewidmet. Die Gurke wurde im sechsten Jahrhundert mit der slawischen Besiedlung in der Region eingeführt. Seit dem 18. Jahrhundert florierte der Anbau so, dass man Gurken ausführen konnte.

Inzwischen findet man sie in jedem Supermarkt, und auch die Spreewälder Fährleute machen mit ihren Kähnen alle paar Meter Halt, um die Besatzung zum Kauf eines Papptellerchens „Gurkenmix” für 1,50 Euro zu verleiten.

So wie andere Regionen ihre Wein- oder Kartoffelkönigin haben, kürt man im Spreewald die Gurkenkönigin. Sie muss die Gurken nicht nur selbst einlegen können, sondern darüber hinaus imstande sein, einen Kahn durch die Fließe zu bewegen - die Spreewälder Form des Biathlons. Die Proklamation der Gurkenkönigin im Juli in Lehde gehört zu den festlichen Höhepunkten der Region.

Aber auch der Herbst bietet sich als Reisezeit an. In der sommerlichen Hauptsaison braucht man Glück, um ohne Vorausbuchung eine Unterkunft oder ein Kanu zu bekommen. Nach dem Ende der Ferien wird es ruhiger, und wer sich gar im Winter zu einer Kahnfahrt entscheidet, hat die Fließe fast für sich allein.

Informationen: Tourismusverband Spreewald, Lindenstraße 1, 03226 Vetschau (Tel.: 035433/722 99, Fax: 035433/722 28).

Tourismusverband Spreewald: www.spreewald.de

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/11/02/service/reise/deutschland/t/rzo187392.html
Mittwoch, 05. Oktober 2005, 11:20 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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