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Samstag, 7. Dez. 19

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Das Rätsel um Tomatensaft über den Wolken

Hamburg - Warum ein Flugzeug fliegen kann - das lernt heutzutage fast jedes Schulkind.

Air Berlin

Auf Flügen ist Tomatensaft heiß begehrt. (Bild: Air Berlin/dpa/gms)

Für Fachleute sind die Zusammenhänge zwischen Tragflächen, Strömung, Geschwindigkeit und Auftrieb nicht schwer. Aber warum wird im Flugzeug so gern Tomatensaft getrunken?.

Mit knapp 70 Tonnen Startgewicht hebt die Boeing 737-800 vom Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel in Richtung Palma de Mallorca ab. Zum Gewicht tragen auch ungefähr 50 Kilo Tomatensaft in Tetra-Packungen bei. „Auf Flügen von und nach Hamburg ist Tomatensaft besonders gefragt”, sagt Nedim Demirci, Flugbegleiter in der Air-Berlin Maschine, Flugnummer AB 9234. „Ähnlich ist das mit Düsseldorf.”

Als Demirci und seine Kolleginnen Carolin Lenz und Patrycja Jachec kurz darauf den Getränkewagen durch den Gang schieben, wird die Erfahrung bestätigt. Tomatensaft ist an diesem Vormittag bei den insgesamt 186 Passagieren heiß begehrt. „Das ist manchmal wie eine Kettenreaktion”, sagt Chefstewardess Lenz. „Wenn ein Fluggast nach Tomatensaft fragt, will ihn der nächste auch.”

„Ich habe immer etwas Flugangst” , gibt Urlauberin Kerstin Tiedke aus dem mecklenburgischen Ludwigslust zu. „Tomatensaft beruhigt mich.” Das sieht auch ihre Schwester Anett Doblies so. „Und auch die schöne Farbe inspiriert.” Doch mit der Farbe haben die Flugbegleiter auch ihre Negativ-Erfahrungen gemacht. „Einmal hatte ich auf einem Ägyptenflug mein weißes Hemd voller Tomatensaft-Flecken, weil mich jemand versehentlich angerempelt hatte. Die Folge: Ich musste anschließend die ganze Zeit mein dickes Jackett tragen - auch nach der Landung bei mehr als 30 Grad”, erinnert sich Demirci.

Nicht nur die Passagiere, sondern auch die Crew-Mitglieder wissen den roten Saft zu schätzen: „Meist kommen wir selbst nicht zum Essen. Und dann nimmt einem der Tomatensaft ein wenig das Hungergefühl. Und noch ein Trick: Mann kann den Tomatensaft auch wunderbar warm machen. Zusammen mit einem Brötchen gibt einem das ein wenig das Gefühl, eine Mahlzeit bekommen zu haben”, sagt die Chefstewardess.

Als kurz vor der Landung der Bordverkauf beginnt, fragt ein Fluggast, ob es denn den Tomatensaft nicht zum Mitnehmen gebe. Gern würde er dafür auch bezahlen. „Zu Hause mag ich keinen Tomatensaft. Aber der hier an Bord muss eine ganz besondere Sorte sein”, bemerkt Klaus Marten. Doch Tomatensaft gehört nicht zum Verkaufssortiment. Zum Trost bieten ihm die Flugbegleiter noch einen Becher zum Soforttrinken an.

Als die Boeing 737 auf Mallorca ankommt, ist der Tomatensaftvorrat bis auf fünf Packungen verbraucht. Auf dem Flughafen warten längst die Vorräte für den Rückflug. Tomatensaft an Bord ist auf allen Flügen begehrt. Das bestätigt neben Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin auch Marktführer Lufthansa. „Im vergangenen Jahr wurden auf Lufthansa-Flügen rund 1,4 Millionen Liter Tomatensaft getrunken”, berichtet Sprecherin Amelie Lorenz.

Allerdings hat auch die Linienfluggesellschaft keine Marktforschung darüber angestellt, warum Tomatensaft an Bord so gefragt ist. „Eine Erklärung des Phänomens könnte sein: Da auf vielen unserer Flüge nur kleine Snacks serviert werden, ist Tomatensaft beliebt, weil er nahrhaft und ein Sattmacher ist”, meint Lorenz.

Rätsel gibt die Tomatensaft-Frage selbst Ernährungsexperten auf. So muss auch Wissenschaftlerin Claudia Thienel vom aid- Informationsdienst in Bonn passen: „Physiologische Gründe sind uns nicht bekannt. Allerdings sollte auf Grund der trockenen Luft im Flugzeug viel getrunken werden. Vielleicht lockt da ja auch der würzige, erfrischende Geschmack des Tomatensaftes besonders.” Aber auch sie gibt zu bedenken, dass der Nachahmeffekt eine Rolle spielen könnte.

Selbst der Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie kann das Geheimnis nicht erklären. Sicher ist: „In Deutschland werden pro Jahr ungefähr 40 Millionen Liter Tomatensaft getrunken, davon 3 Prozent in der Luft. Beim Orangensaft macht der Anteil über den Wolken nur etwa 0,4 Prozent aus”, sagt Geschäftsführer Klaus Sondhauß.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/11/02/service/reise/t/rzo190570.html
Dienstag, 18. Oktober 2005, 10:19 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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