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Mittwoch, 02. November 05

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HSV als Lehrmeister für S04

Hamburg - Die Schalker Anhänger skandierten Schmähgesänge und blockierten den Mannschaftsbus, Ralf Rangnick war um Fassung bemüht und Rudi Assauer versuchte sich mehr schlecht als recht in Treueschwüren auf den „Fußball-Professor”.

Hamburger SV - FC Schalke 04

Der Hamburger Beinlich (r) spitzelt Rafinha den Ball vom Fuß.

„Wir haben keine Trainerdiskussion, zumindest kurzfristig nicht”, beteuerte der Gelsenkirchener Manager nach der ersten Saisonniederlage beim 0:1 in Hamburg. Mit 0:6 peinlich aus dem Pokal ausgeschieden, mit zehn Punkten Rückstand auf Bayern München fern von der Meisterschaft, ist das Heimspiel gegen Fenerbahce Istanbul in der Champions League zum Strohhalm für den anspruchsvollen und hoch verschuldeten FC Schalke 04 geworden.

Krisensitzungen unter der Woche und eine lautstarke Ansprache von Rangnick in der Kabine hatten nichts bewirkt: Elf Einzelspieler kämpften verhalten gegen eine eingeschworene HSV-Mannschaft, die ihnen in Punkto Aggressivität und Teamgeist eine Lehrstunde erteilte. Und weder Trainer noch Manager der diesmal in mausgrau spielenden „Königsblauen” scheinen ein Rezept zu haben, die Profis zu motivieren.

„Wir können nicht zaubern, ich bin doch kein Psychologe”, reagierte Assauer ungehalten auf Fragen. „Der Verein wird nicht am Boden liegen, weil wir in Hamburg verloren haben. Das war doch keine Schlacht”, versuchte er zu beschwichtigen. Keine beschwichtigenden Worte, sondern klare Ansagen folgten. Schon für 8.00 Uhr bestellten er und Teammanager Andreas Müller die sechs Führungsspieler Mladen Krstajic, Marcelo Bordon, Ebbe Sand, Lewan Kobiaschwili, Fabian Ernst und Christian Poulsen zum Rapport. Ab 10.00 Uhr folgte dann das nächste Krisengespräch mit dem gesamten Kader und Rangnick. „Einige Spieler hinken ihrer Form hinterher, dafür haben wir noch keine Lösung gefunden”, hatte Assauer schon nach dem Spiel festgestellt.

Verständnis für die wütenden Fans hatte Frank Rost, der sich während der 90 Minuten lautstark bei seinen Vorderleuten beschwerte: „Wir haben uns nicht richtig gewehrt und können froh sein, dass wir nicht die Bude vollgekriegt haben.” Und Rangnick räumte sogar ein, dass der Hamburger SV die homogenere Mannschaft hat: „Deswegen stehen sie ja sechs Punkte vor uns.”

In Poulsens Gelb-Roter Karte nach einem unnötigen Foul (62. Minute) spiegelte sich die große Frustration des Vizemeisters wider. Der Zehn-Millionen-Sturm mit Kevin Kuranyi und Sören Larsen trifft nicht das Tor, und im Gegensatz zum HSV springen ersatzweise auch nicht die Mitspieler ein. „Das waren nicht die Schalker wie im letzten Jahr”, erkannte Hamburgs Innenverteidiger Khalid Boulahrouz treffend. Nach dem Tor des Tages durch den Iraner Mehdi Mahdavikia (19.) ließen die Norddeutschen die Zügel schleifen, doch zwingende Chancen erspielten sich die Schalker nicht.

Und trotz der großen Bescheidenheit nach außen liebäugeln die Hanseaten nach einem Drittel der Saison mit höheren Zielen. „Wir haben Bayern und Schalke geschlagen und sind stärker als in unserer Champions-League-Saison 2000”, befand Mahdavikia, der unbedingt wieder in der Königsklasse mitmischen will. Ein neues Kräftemessen mit den Bayern steht schon wenige Tage vor Weihnachten im DFB-Pokal auf dem Programm, dieses Mal allerdings in München.

Dass die Norddeutschen nach 24 Pflichtspielen noch nicht ausgelaugt sind, können sie im UEFA-Cup gegen Viking Stavanger beweisen. „Natürlich ist manchmal einer müde, aber dann kommt ein anderer rein. Unsere Stärke liegt in der Gruppe”, betonte Kapitän Daniel van Buyten: „Wir werden unseren Weg gehen.” Und Sportchef Dietmar Beiersdorfer wollte von dem Thema gar nichts wissen: „Ich hab' nichts von Kräfteverschleiß gesehen, wir haben doch die Zweikämpfe gewonnen.”

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/11/02/sport/fussball/t/rzo193871.html
Sonntag, 30. Oktober 2005, 16:16 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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