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Mittwoch, 8. Jul. 20

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Luftnot bis zum Kollaps - Lungenhochdruck wird meist spät erkannt

Hannover/Gießen - Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit. Doch es gibt nicht nur den Hochdruck im großen Körperkreislauf.

Luftnot

Schmerzen in der Brust sollten ernst genommen werden. (Bild: DAK/Wigger/dpa/gms)

Der Mensch hat noch einen zweiten, kleineren Blutkreislauf, der von der rechten Herzkammer über die Lunge in die linke Herzkammer führt.

Auch dort kann Hochdruck entstehen. Die Ursachen dafür sind andere als im Körperkreislauf. Der Wirkstoff der Potenzpille Viagra könnte jetzt die Behandlung dieses lebensbedrohlichen Lungenhochdrucks verbessern. Bei Lungenhochdruck - Mediziner sprechen von pulmonaler Hypertonie (PH) - staut sich das Blut in den feinen Gefäßen der Lungen. Das Blut nimmt dadurch beim Atmen weniger Sauerstoff auf. Grund für den Blutstau können Lungenembolien, Lebererkrankungen, Herzfehler oder Lungengerüsterkrankungen (Fibrosen) sowie eine HIV-Infektion sein.

Nach Angaben des Selbsthilfevereins Pulmonale Hypertonie mit Sitz in Rheinstetten (Baden-Württemberg) sind Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Am häufigsten ist der Krankheitsbeginn zwischen 20 und 40 Jahren. Die ersten Anzeichen wie Luftnot bei Belastung werden von den Betroffenen oft nicht wahrgenommen.

Zudem würden Ärzte die Krankheit aber oft auch nicht erkennen und „mangelnden Trainingszustand” oder „psychovegetative Erschöpfung” diagnostizieren. Als weitere typische Beschwerden gelten Brustschmerzen, Wasseransammlungen in den Beinen und blaue Lippen.

Die schwerste Form der Krankheit, die so genannte pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) ist jedoch eine sehr seltene Krankheit mit bis zu 2000 Betroffenen in Deutschland. Weil die rechte Herzkammer ständig gegen den Widerstand der zu engen Lungengefäße ankämpfen muss, ist oft ein Herzversagen die Folge.

Anders als Bluthochdruck im großen Körperkreislauf wird PAH nicht durch Arterienverkalkung ausgelöst: Stattdessen wächst das Muskelgewebe der Arterienwände in der Lunge unkontrolliert die Gefäße zu. „Molekularbiologisch hat es eher Anklänge an Tumorerkrankungen”, erklärt Prof. Marius Hoeper von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Bei der Suche nach der Ursache der PAH tappen die Mediziner noch im Dunkeln: „Die bekanntesten Auslöser waren Anfang der siebziger Jahre die Appetitzügler. Ansonsten gibt es keine bekannten Ursachen”, sagt Prof. Hoeper. Häufig wird Lungenhochdruck vererbt, erklärt der Mediziner Ekkehard Grünig von der Universität Heidelberg.

War noch vor zehn Jahren eine Transplantation von Herz oder Lunge die einzige Möglichkeit, Patienten mit PAH zu heilen, sind inzwischen medikamentöse Therapien die erste Behandlungsoption, sagt der Mediziner Ardeschir Ghofrani, Spezialist für Lungenhochdruck am Universitätsklinikum Gießen. Bei PAH-Patienten seien sie das letzte Mittel, wenn alle Medikamente nicht zum Erfolg geführt haben.

Unter dem Handelsnamen Revatio wurde der Viagra-Wirkstoff Sildenafil im Juni dieses Jahres in den USA zur Behandlung von Lungenhochdruck zugelassen. Es ist damit das erste Medikament, das in Tablettenform auch in frühen Stadien des Lungenhochdrucks eingesetzt werden darf. Anfang 2006 wird es auch in Deutschland auf den Markt kommen. Es erweitert die Gefäße und verbessert so die Sauerstoffaufnahme in der Lunge.

Mit dieser entspannenden Wirkung auf die Muskeln der Blutgefäße unterscheidet Sildenafil sich aber nicht grundsätzlich von anderen bei Lungenhochdruck eingesetzten Medikamenten: Studien zufolge erhöht es die Belastbarkeit der Patienten und verbessert ihre Lebensqualität - bekämpft aber dennoch nur die Symptome.

Informationen: Pulmonale Hypertonie, Wormser Straße 20, 76287 Rheinstetten (Tel.: 0721/ 3528 381, Fax: 0721/ 35 28 880).

www.phev.de

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/11/30/service/gesundheit/t/rzo196443.html
Mittwoch, 09. November 2005, 10:17 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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