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Donnerstag, 9. Jul. 20
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Erfolgreiche Hilfe ohne Gerichtsurteil bei Streitigkeiten

Rostock - „Und dann gingen sie Arm in Arm aus dem Gericht.” Mit diesen Worten schließt der Präsident des Rostocker Landgerichts, Gerhard Hückstädt, den Bericht über eine gelungene gerichtliche Vermittlung, die so genannte Mediation.

Ein Häuslebauer hatte bemängelt, das Dach seines Neubaues sei undicht. Der Streit wogte zwischen ihm und einem Bauunternehmer hin und her, bis ein Richter die beteiligten Parteien zur Mediation einlud. „In diesem Gespräch kam heraus, dass das undichte Dach nicht mehr das größte Problem des Bauherren war, sondern die fehlende Garage”, erzählt Hückstädt. Schnell war die Lösung gefunden: Der Bauherr ließ die Klage über das undichte Dach fallen, dafür stellte ihm der Bauunternehmer eine Garage hin.

Seit Anfang 2004 gibt es am Rostocker Land- und Oberlandesgericht und am Verwaltungsgericht in Greifswald die Mediation in Zivil- und Verwaltungsgerichtsverfahren - „mit großem Erfolg”, fügt Hückstädt hinzu. Dabei versucht ein Richter, zwei sich streitende Parteien zu einer Einigung zu führen, wie es in einer ordentlichen Gerichtsverhandlung kaum möglich ist.

In insgesamt 450 Verfahren im Landgericht konnte laut Hückstädt seither eine Einigung erzielt werden. Acht Richter sind in Rostock als Mediatoren tätig. Am 29. November bietet das Landgericht beim 2. Mediationstag der Öffentlichkeit einen Einblick in das Verfahren.

Konflikte, die vor Gericht landen , sind schwer belastend, sie kosten Kraft und Nerven und Zeit. „Und am Ende gibt es mindestens einen Verlierer. Ein Urteil ist nicht immer der Königsweg”, sagt der Gerichtspräsident. Zusätzlich entstehen noch hohe Prozess- oder Gutachterkosten. Und das Wunschziel jeder Gerichtsbarkeit - die Wiederherstellung des Rechtsfriedens - wird oft verfehlt.

„Der eigentliche Punkt im Mediationsverfahren ist, dass die Parteien den Streit selbst beilegen - mit Hilfe des Mediators, der kreative Lösungen anregt”, sagt Anke Mahmens, Richterin und Mediatorin am Landgericht. So fanden sich nach einer Prügelei bei einem Dorffest ein schwer verletzter Mann und die zwei möglichen Täter im Mediationsraum des Landgerichts wieder. Es ging um Schadensersatz. Das Problem war, dass die beiden, die ihre Schuld trotz eines verloren gegangenen Strafverfahrens nicht gestanden, kein Geld hatten. „Aber sie waren handwerklich geschickt und da lag die Lösung: Sie führten dringend notwendige Arbeiten am Haus des Geschädigten durch, der dann auf Schadensersatz verzichtete”.

Die Alternative wäre ein langwieriges Verfahren gewesen. „Selbst wenn die beiden zur Schadensersatzzahlung verurteilt worden wären, es hätte dem Geschädigten nichts gebracht - es gab nichts zu holen”, hebt Mahmens die Vorteile des Mediationsverfahrens hervor.

Auch Justizminister Erwin Sellering (SPD), früher selbst Richter, zeigt sich als Befürworter dieses Verfahrens. „Die Streitparteien können ihre Konflikte mit Hilfe eines neutralen Vermittlers selbstständig lösen. Am Ende steht dann ein Ausweg aus dem Konflikt, der für alle Beteiligten akzeptabel ist.”

„Die Mediation bietet sich bei fast allen Zivilgerichtsverfahren an”, betont Hückstädt. Klassische Beispiele sind Mietrechtsfragen, Baumängel oder Streitigkeiten um Erbschaften. Auch einer Frau, bei der eine Schönheitsoperation fehlgeschlagen war und die unter heftigen Schmerzen litt, konnte in der Mediation geholfen werden. Sie erhielt Schmerzensgeld und die Klinik verpflichtete sich, die Behandlung kostenlos fortzusetzen. „Das wäre in einem Urteil im Zivilgerichtsverfahren nicht gelungen”, sagt Hückstädt.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/12/05/service/berufbildung/t/rzo201406.html
Montag, 28. November 2005, 15:17 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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