Nachrichten Sport Magazin Service
Anzeigen Verlag im Netz Kevag Telekom Internet-Service Kontakt
Ticker Wetter Regionales Foto des Tages Karikatur Kalender Forum Archiv
Dienstag, 11. Jun. 13

Treibstofflager bei LondonLondon - In einem gefähr­lichen und Kraft zeh­ren­den Einsatz haben mehr als 150 Feu­erwehr­leute den ver­hee­ren­den Groß­brand bei London am Montag unter Kon­trolle gebracht und weiter ein­gedämmt.


Rauchteppich von Großbritannien bis Frankreich

Wie giftig ist der Rauchteppich?

Hemel - Immer noch schlagen riesige Flammen in die Höhe. Der Himmel ist schwarz von Rauch, beißen­der Geruch liegt in der Luft. Zwar hat die Feu­erwehr 36 Stunden nach Aus­bruch des Groß­feu­ers in dem Treib­stoff­lager in Hemel Hemps­tead bei London bereits mehrere Brand­herde gelöscht. An anderer Stelle aber lodern die Flammen über den gewal­tigen Tanks weiter.

brand1.jpg

Die Feu­erwehr kämpft gegen Flammen im Tan­kla­ger bei Lon­don

Die Männer mit ihren gelben und weißen Schutz­hel­men wirken winzig. Und gegen den schät­zungs­weise 230 Kilo­meter langen Rauch­tep­pich in der Luft sind auch sie macht­los. Viele Men­schen fragen sich nach der Über­win­dung des ersten Schocks, inwie­weit die Folgen des Groß­bran­des ihre Gesund­heit gefähr­det.

De­batte um Gesund­heits­gefah­ren

Die Poli­zis­ten, die unweit der Rauchsäule in Hemel Hemps­tead im Einsatz sind, haben sich weiße Atem­schutz­mas­ken vor den Mund gebun­den. In der bri­tischen Presse taucht am Tag nach den Explo­sio­nen immer wieder eine Frage auf: Wie giftig ist der Rauch­tep­pich? Schon am Vortag hatte die Polizei den Men­schen im näheren Umkreis des Depots Bun­cefield emp­foh­len, Türen und Fenster geschlos­sen zu halten. Ärzte warnen, gerade ältere Men­schen oder Asth­makranke müssten mög­licher­weise mit Beschwer­den rech­nen.

Andere Exper­ten geben dagegen Ent­war­nung. Von dem Rauch gehe zumin­dest keine unmit­tel­bare Gesund­heits­gefahr aus, sagt die Lei­terin des Gesund­heits­amtes der betrof­fenen Graf­schaft Hert­fords­hire, Jane Halpin. Gesund­heit­liche Beein­träch­tigun­gen größe­ren Aus­maßes seien nicht bekannt gewor­den. "Wenn der Rauch wirk­lich große Aus­wir­kun­gen haben sollte, dann hätten wir die ersten Sym­ptome bereits dia­gno­sti­zier­t", sagt Hal­pin.

Der Toxi­kologe John Henry sagte im Fern­seh­sen­der Sky News, nur bei langer Ver­weil­zeit stelle der Rauch eine unmit­tel­bare Gesund­heits­gefahr dar. Das von Stoffen wie Benzol im Rauch aus­gehende Krebs­risiko sei "ver­nach­läs­sig­bar". Die Behör­den vor Ort rieten den Anwoh­nern den­noch, ihre Woh­nun­gen nicht zu ver­las­sen und die Fenster geschlos­sen zu halten. Dies gelte ins­beson­dere für ältere Men­schen und Asth­makranke. Rund 70 Schulen in dem Bal­lungs­gebiet nahe der Ort­schaft Hemel Hemps­tead blieben am Montag vor­sichts­hal­ber geschlos­sen.

Me­teo­rologe pro­phe­zeit rasche Auf­lösung der Wol­ke

Der riesige Rauch­tep­pich, der bereits ganz Südeng­land und den Norden Frank­reichs erreicht hat, werde sich schnell auf­lösen, glaubt der Meteo­rologe Jeremy Ples­ter. Da derzeit nicht mit Nie­der­schlä­gen zu rechnen sei, werde es keinen "schwar­zen Regen" geben, der die Bestand­teile der Rauch­wolke wieder zur Erde hin­abtrans­por­tier­t.

In Hemel Hemps­tead steigt derweil immer noch dichter schwar­zer Qualm in den Himmel - obwohl die Hälfte der bren­nen­den Treib­stofftanks gelöscht ist. "Wir machen gute Fort­schrit­te", sagt eine Spre­che­rin der Feu­erwehr am Mittag. Ganz sorglos will sie sich aber nicht geben: "Die kom­mende Stunde wird kri­tisch." Den­noch: Im Ver­gleich zu ersten vor­sich­tigen Pro­gno­sen sind die ersten Flammen über­raschend schnell erstickt wor­den.

Wind hat gedreht

Wie lange die Lösch­arbei­ten dauern würden, sei noch nicht abzu­sehen, hatte Feu­erwehr­chef Roy Wils­hire gesagt, als die 150 Feu­erwehr­leute ihren Einsatz vor Ort began­nen. Die Bedin­gun­gen waren sogar schwie­riger als am Vortag, weil der Wind gedreht habe. Nicht zuletzt fehlte es an Erfah­run­gen aus ver­gleich­baren Unglü­cken - einen ähn­lichen Groß­brand hat es in Groß­bri­tan­nien oder Europa einfach noch nicht gege­ben.

Nach Angaben des Feu­erwehr­chefs von Hert­fords­hire, Roy Wils­hire, wurden pro Minute 32.000 Liter Wasser zusam­men mit großen Mengen Lösch­schaum-Kon­zen­trats ein­gesetzt. Ins­gesamt wurden 250.000 Liter des Kon­zen­trats aus ganz Groß­bri­tan­nien an den Ort des Unglücks gebracht. Die Lösch­arbei­ten hatten zunächst um Mit­ter­nacht begin­nen sollen. Wegen Befürch­tun­gen, durch den enormen Was­ser­bedarf könnte der Grund­was­ser­spie­gel zu stark sinken, wurde der Einsatz jedoch ver­scho­ben. Polizei und Feu­erwehr räumten die Beden­ken nach Abstim­mung mit den zustän­digen Behör­den aber aus. Auch bestehe keine Gefahr, dass das Lösch­mit­tel in die Was­ser­ver­sor­gungs­sys­teme ein­dringe, teilte eine Feu­erwehr­spre­che­rin mit.

Ur­sache wird viel­leicht niemals auf­geklärt wer­den

Im Gegen­satz zur Feu­erwehr hat die Polizei vorerst keine Erfolge zu ver­mel­den: Die Ursache für das Unglück ist weiter unklar. Wie am Vortag gehen die Ermitt­ler von einem Unfall aus. Die wahren Gründe werden sie viel­leicht nie erfah­ren: Die ent­spre­chen­den Hin­weise seien mög­licher­weise durch die Flammen ver­nich­tet worden, heißt es von der Poli­zei.

Odd Andersen (AFP); Foto: dpa


http://rhein-zeitung.de/on/05/12/12/newstt/r/brand.html
Montag, 12. Dezember 2005, 16:47 © RZ-Online GmbH (jo)
Artikel empfehlen    Leserbriefe     Impressum

suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
Event-Kalender
Neu im Kino Neu im Kino Kino-Programm
Newsletter
Druckversion
Lexikon
Sie kennen ein Wort nicht?
Doppelklick genügt!
Sudoku