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Dienstag, 11. Aug. 20

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Licht hilft gegen Winterdepressionen

München - Wenn es draußen düster und frostig wird, macht sich bei vielen ein Stimmungstief breit.

Winterdepression

Manchmal macht selbst der Besuch im Café keinen Spaß. (Bild: ABDA/dpa/gms)

In Extremfällen kann der Lichtmangel im Herbst und im Winter sogar eine besondere Form der Depression auslösen: die saisonal abhängige Depression.

Rund ein Prozent der deutschen Bevölkerung leidet darunter. Bei Spaziergängen an der frischen Luft und mit speziellen Therapielampen können Betroffene Licht tanken - und damit ihre Beschwerden lindern. Von Winterdepression Betroffene sind gedrückter Stimmung, fühlen sich antriebslos und können sich über schöne Dinge nicht freuen. Ein vermehrtes Schlafbedürfnis und Heißhunger auf Süßes seien ebenfalls typisch, erläutert Prof. Ulrich Hegerl, Psychiater aus München und Sprecher des Kompetenznetzes Depression. Damit unterscheidet sich die Saisonkrankheit von anderen Formen der Depression. Denn in der Regel klagen Depressive über verminderten Appetit, über Gewichtsverlust und Schlafstörungen.

Wie lassen sich Stimmungstiefs, die viele Menschen in der dunklen Jahreszeit befallen, von „echten” Winterdepressionen unterscheiden? „Wer mehr als zwei Wochen lang mehrere der Kernsymptome bei sich entdeckt und darunter massiv leidet, sollte zur genaueren Abklärung einen Arzt aufsuchen”, rät Ulrich Hegerl. Von einer saisonal abhängigen Depression sprechen Fachleute außerdem erst dann, wenn die Beschwerden in mindestens zwei Jahren nacheinander auftreten.

Die Erkrankung beginnt nach Martin Hautzingers Worten meist im jungen Erwachsenenalter - etwa zwischen 20 und 35 Jahren. Frauen leiden häufiger an Winterdepressionen als Männer. Ein verbreitetes Vorurteil entkräftet Ulrich Hegerl: In der dunklen Jahreszeit gebe es kaum mehr depressive Erkrankungen als im Frühling oder im Sommer. „Auch im Herbst und Winter sind die meisten Depressionen keine saisonal abhängigen Depressionen.”

Die Entstehung von Winterdepressionen sei nicht restlos geklärt, sagt Prof. Martin Hautzinger, Depressionsforscher aus Tübingen. Der Lichtmangel löst vermutlich im Gehirn und im Stoffwechsel bestimmte biochemische Veränderungen aus, die zu einer „Stimmungsdelle” führen können. Eine besondere Rolle spielt dabei das Hormon Melatonin, wie Prof. Jürgen Zulley, Schlafmediziner an der Universität Regensburg, erklärt. „Melatonin macht müde und drückt die Stimmung - und im Winter schüttet unser Körper grundsätzlich mehr Melatonin aus.”

Sobald aber helles Licht in die Augen fällt, wird die Bildung des Müdemachers laut Zulley unterdrückt. Die „Lichttherapie” macht sich diese Erkenntnis zu Nutze: „Mit besonderen Geräten holt man sich das fehlende Sonnenlicht ins Zimmer zurück.” Wichtig sei, dass die teuren Speziallampen hell genug strahlen, erläutert der Schlafforscher: Mindestens 2500 Lux sollten es sein, bis zu 10 000 Lux sind möglich. Als Regel gilt: Je mehr Lux, desto weniger Zeit muss vor dem Gerät verbracht werden. „Bei 10 000 Lux reichen 20, 30 Minuten pro Tag, bei 2500 Lux können es rund zwei Stunden sein.”

Im Vergleich zu diesen Werten herrschen in Büroräumen laut Zulley durchschnittlich nur 500, im Freien an einem Nebeltag etwa 1500 Lux. An einem Sommertag können es mehr als 150 000 sein. Der unter Umständen verlockend erscheinende Gang zur Sonnenbank bringe nichts: Die Lichtintensität dort sei viel zu schwach, um gegen eine Winterdepression zu helfen. Außerdem müssen die Augen während der Therapie offen bleiben: „Das ist die Wirkung, das geht übers Auge.”

Auch wenn sich die Therapielampe auf den Schreibtisch oder neben das Frühstücksgedeck stellen lässt: Noch besser sei es, täglich eine gute halbe Stunde bei Tageslicht spazieren zu gehen, sagt Ulrich Hegerl. „Selbst an einem trüben Tag bekommt der Patient draußen tagsüber ausreichend Lux ab.” Dabei tragen die frische Luft und die Bewegung das ihre zum Aufhellen der Stimmung bei: Sport kann durchaus antidepressiv wirken. „Obwohl die Lampen funktionieren: Sonne ist meist 1000 Mal besser als Kunstlicht”, bestätigt Martin Hautzinger.

Antidepressive Medikamente sind den Experten zufolge lediglich in schweren Fällen angeraten. Hautzinger rät weniger heftig Betroffenen, sich mit angenehmen Dingen zu beschäftigen, nicht länger als sieben oder acht Stunden zu schlafen und sich auf keinen Fall zu Hause einzuigeln. Auch eine ausgewogene Ernährung sei wichtig. Der vermeintliche Stimmungsaufheller Schokolade helfe kaum gegen den Winterblues: „Man müsste schon gewaltige Mengen essen.”

Informationen: Im Netz kann unter www. kompetenznetz-depression.de ein Selbsttest absolviert werden. Die Uni Regensburg berät unter der Telefonnummer 0941/942 82 71 über Lichttherapie-Geräte.

www.kompetenznetz-depression.de

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/12/12/service/gesundheit/t/rzo203710.html
Mittwoch, 07. Dezember 2005, 10:16 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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