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Archiviert am
Donnerstag, 16. Februar 06 |
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Abschied der „Golzow-Kinder” Berlin - Die Fabrikschornsteine im sächsischen Gröditz rauchen längst nicht mehr.
Winfried, Anfang 50, Elektronikspezialist, gehört zu denen, die aus dem Osten in den Westen der Arbeit hinterher zogen. Seine alten Eltern in Golzow, dem kleinen Oderbruch-Dorf, wo der Junge einst zur Schule ging, sind stolz. Der Winfried habe es wieder geschafft. Und der meint: „Ich komme mit den Bayern gut aus.” In Augsburg, seinem jetzigen Zuhause, ist er im Moment ohne Job, aber zum Glück „finanziell abgesichert”, wie er erzählt. Probleme sieht er nicht. Probleme zu schultern, das hat er zu sozialistischen Zeiten gelernt. Winfrieds Lebensbericht ist der spannendste im neuen, auf viereinhalb Stunden ausgeweiteten Filmepos der damit auf 19 Teile angewachsenen Serie „Die Kinder von Golzow”. Mit noch einmal fünf Porträts unter dem Titel „Und wenn sie nicht gestorben sind...” stellten die ostdeutschen Dokumentaristen Barbara und Winfried Junge im Internationalen Forum der diesjährigen Berlinale am Wochenende das „Ende der unendlichen Geschichte” vor. Ganz ernst sei der angekündigte Abschied von der Golzow-Saga nicht zu nehmen, vermuten Kritiker. Zumal Regisseur Junge (70) schon mal vorgibt, wie ein nächstes Werk heißen könnte, nämlich „...so leben sie noch heute”. 30 Jahre vor dem Mauerfall im DDR-Sozialismus und 15 Jahre im wiedervereinigten Deutschland ist die Kamera den ABC-Schützen des Jahrgangs 1961 bis in die Gegenwart auf der Spur geblieben. Die Chronik der „Kinder von Golzow” ging als umfangreichste Langzeitdokumentation in die Filmgeschichte ein. Bereits als Elfjähriger wusste Winfried, er wird Erfinder. Er habe dann Spaß, „wenn's schön schwer ist”, sagt der Student. In der Praxis in Gröditz - zuerst im Stahlwerk, dann in der Zellstofffabrik - sind sein Wissen und sein Enthusiasmus gefragt. Die marode Wirtschaft ist jedoch auch mit moderner Technik nicht zu retten. Unter seinen SED-Genossen ist Winfried ein „Mitläufer”, wie sein Vater nach der Wende sagen wird. Keiner der Porträtierten ist in Golzow geblieben. Jürgen, der gelernte Maler, hat es mit seiner Familie zum eigenen Häuschen gebracht. Aber Maler gibt es in den Nachwendejahren mehr als Aufträge. Jetzt arbeitet er als Transport- und Lagerarbeiter in Manschnow. Er hofft, möglichst lange. Den Unterschied zwischen der DDR und heute merkt er am ehesten am Portemonnaie. Früher hatte man Geld und es gab nix zu kaufen. Heute fehlt das Geld und es gibt alles zu kaufen. Der frühere Landmaschinenschlosser Christian ist „Hauptstädter” geworden. Sein Geld verdient er als Haustechniker bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Den Mauerfall wollte er erst gar nicht glauben. Er sei „schlafen gegangen”. Auf seine Wohnung in der Plattenbausiedlung Berlin-Hellersdorf lässt er nichts kommen. Nur die Filmemacher bringen ihn dazu, das neue Stadtzentrum am Potsdamer Platz wenigstens einmal zu besuchen. Über Bauingenieurin Petra, das gescheiteste Mädchen der Schulzeit, sowie Ilona, zuletzt FDJ-Funktionärin in Frankfurt (Oder), würde man gern mehr erfahren. Ihre Biografien bleiben Fragmente. Die beiden hatten als junge Frauen schon zu DDR-Zeiten jede weitere Zusammenarbeit mit den Dokumentaristen abgelehnt. Geplatzte Lebensträume, weibliche Eitelkeit oder doch bloß Angst vor der Kamera, wie Ilona vorgibt? Über die Verweigerung können sich Zuschauer eigene Gedanken machen. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/06/02/16/magazin/kino/t/rzo220756.html |
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