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Donnerstag, 16. Februar 06

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Bond im Kloster: In Prag wird der neue 007-Thriller gedreht

Prag - James Bond soll nicht frieren, deshalb pumpen Aggregate unablässig Heißluft in die gewaltigen Zelte auf dem Prager Brand-Platz.

James Bond

Daniel Craig als James Bond in einer Szene des neuem 007-Thrillers "Casino Royale (undatiert).

Motorensummen liegt über dem 770 Quadratmeter großen Areal „Pohorelec”, das die Crew des neuen 007-Thrillers „Casino Royale” fast völlig mit Beschlag belegt hat.

In den Zelten und den Wohnwagen der britischen Gesellschaft Translux werden die Schauspieler geschminkt, verköstigt und in Pausen aufgewärmt. Von dem Basislager führen 37 grob behauene Stufen zum Drehort: dem Prämonstratenserkloster Strahov über den Dächern der „Goldenen Stadt”. Dort wurde in der prunkvollen Bibliothek gedreht.

Welche Szene, das ist wie fast alles rund um „Casino Royale” ein Geheimnis. Seit in Prag am 30. Januar die erste Klappe fiel, umgibt ein Informationsembargo die Dreharbeiten: Bestätigt wird quasi nur, was allgemein bekannt wurde. Als sicher gilt, dass in den nächsten Wochen zahlreiche Drehtage auch im deutsch-böhmischen Grenzgebiet geplant sind, zum Beispiel im Kurort Karlsbad (Karlovy Vary). Außer in Tschechien wird der Roman von Autor Ian Fleming (1909-1964) unter der Regie des Neuseeländers Martin Campbell auf den Bahamas sowie in Italien und England verfilmt. In deutschen Kinos soll „Casino Royale” ab 23. November 2006 zu sehen sein.

In Prag stoßen die Dreharbeiten nicht auf ungeteilte Freude. Ja, es seien von Seiten der Anwohner Beschwerden wegen eines „unverschämten Autoverkehrs” sowie großen Lärms am Drehort eingegangen, räumt der Ratsherr von Prag-Modrany, Petr Hana, ein. Seine Mitbürger sollten aber doch stolz sein, dass James Bond das Prestige ihres Viertel steigere, meint er. Auch die Verwaltung des ans Kloster grenzenden Stadtteils Stresovice sieht es gelassen: „Die Sperrungen sind ja nur kurz, außerdem bekommen wir pro Drehtag rund 250 Euro Gebühren”, sagt Sprecher Martin Salek. „Das ist zwar nicht viel, für die Kommune aber ein hübsches Zubrot.”

Im Kloster-Innenhof führen unterdessen armdicke Stromkabel über das schneebedeckte Kopfsteinpflaster in die Bibliothek. Die 32 Meter langen, zehn Meter breiten und 14 Meter hohen Säle zählen mit ihren Deckenfresken, Folianten und Drucken zu den kostbarsten Archiven Europas. Ironie des Schicksals: Zuletzt hatte hier ausgerechnet ein Vorgänger des neuen Bond-Darstellers Daniel Craig gedreht - Sean Connery. Der Schotte, der den Agenten zwischen 1962 und 1983 sieben Mal verkörperte, arbeitete hier 2002 am Film „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen” und feierte hier ein Jahr später bei Beefsteak auf Thymian und mährischem Wein dessen Weltpremiere.

Solche Mammut-Produktionen sind für Tschechiens Filmindustrie längst Routine: Allein in den vergangenen Monaten wurden in Prag mit Roman Polanskis „Oliver Twist”, dem Grusel-Schocker „The Omen 666” und der „Schweigen der Lämmer”-Fortsetzung „Young Hannibal” drei hochkarätige Streifen abgedreht. Demnächst soll „Good Grief” mit Julia Roberts hinzukommen. Internationale Gesellschaften loben vor allem die Infrastruktur und das Handwerk der Barrandov-Studios. Und so entstehen derzeit 80 Prozent des 21. Abenteuers von James Bond, der vor der politischen Wende von 1989 eine Ikone der westlichen Geheimdienste war, in einem Land des früheren Ostblocks.

Was „Casino Royale” angeht, dürfte trotz Informationsembargos eines sicher sein: Das traditionelle „Bond-Girl” war wohl im Strahov- Kloster nicht dabei. Aber nicht aus kirchlicher Strenge - eine geeignete Schauspielerin wurde noch nicht unter Vertrag genommen.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/06/02/16/magazin/kino/t/rzo221009.html
Dienstag, 14. Februar 2006, 9:09 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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