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Donnerstag, 16. Februar 06

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Ehrenbär für polnischen Regisseur Andrzej Wajda

Berlin - Der polnische Regisseur Andrzej Wajda („Asche und Diamant”) wird an diesem Mittwoch auf der Berlinale für sein Lebenswerk mit einem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet.

Andrzej Wajda

Andrzej Wajda bei den 56. Internationalen Filmfestspielen in Berlin.

Der Film- und Theaterregisseur, der auch Maler, Bildhauer und Autor ist, wird am 6. März 80 Jahre alt.

Der 1926 in Suwalki geborene Wajda gilt als einer der bedeutendsten Filmregisseure der Gegenwart in Europa und als einer der wesentlichen Protagonisten der so genannten „Polnischen Filmschule”, dem Pendant zum Neorealismus in Italien. Wesentlich geprägt wurde er durch den Zweiten Weltkrieg, bei dem er sich dem polnischen Widerstand anschloss.

Seine internationale Regiekarriere festigte er in den 80er Jahren mit mehreren Inszenierungen im Ausland. Bekannt aber weniger erfolgreich wurde der 1983 in der Bundesrepublik gedrehte Film „Eine Liebe in Deutschland” nach Rolf Hochhuth. Im selben Jahr drehte er „Danton” in Frankreich. Noch heute am bekanntesten sind vor allem seine in Polen realisierten systemkritischen Spielfilme „Der Mann aus Marmor” (1977) und „Der Mann aus Eisen” (1981).

Wie nur wenige Regisseure im Ostblock analysierte Wajda in seinen Filmen mit persönlicher Courage und künstlerischer Überzeugungskraft die Auswüchse des Stalinismus. Insbesondere das bescherte ihm nach zahlreichen in- und ausländischen Auszeichnungen, darunter zwei „Oscar”-Nominierungen in der damaligen Kategorie „bester ausländischer Film”, im Jahr 2000 die Ehrung mit einem „Oscar” für sein künstlerisches Gesamtwerk.

Schon 1954 realisierte Wajda sein Debüt „Eine Generation”. Die filmisch meisterhafte Reflexion der Erfahrungen im Untergrundkampf gegen die deutschen Besatzer machte ihn schlagartig weit über Polen hinaus bekannt. Seine darauf folgenden Filme „Der Kanal” (1956) sowie „Asche und Diamant” (1958) gehören bis heute zu den eindrucksvollsten zeitkritischen Spielfilmen Polens.

Seit 1962 hat Wajda immer wieder in und außerhalb seiner Heimat auch als Theaterregisseur gearbeitet. So inszenierte er 1980 Dostojewskis „Schuld und Sühne” an der Schaubühne in (West-)Berlin und arbeitete 1989/90 für ein Jahr als Intendant des Theaters Powszechny in Warschau. 1989 kandidierte der zeitlebens politisch engagierte Künstler im Auftrag der Solidarnosc für den polnischen Senat und war bis 1991 Senator.

Anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Ehrenbären der Berlinale zeigt das Festival auf Wunsch von Wajda am Mittwochabend im Kino International seinen beim breiten Publikum nicht mehr so bekannten Film „Pilatus und andere - Ein Film für Karfreitag”, gedreht 1972 in der Bundesrepublik nach Motiven von Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita”.

Als nächstes Projekt plant Wajda, wie das Berlinale-Journals „Screen” berichtete, einen Film über den Massenmord an Tausenden polnischen Offizieren im Zweiten Weltkrieg im Wald von Katyn bei Smolensk durch Angehörige der Roten Armee. Unter den Opfern war auch Wajdas Vater.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/06/02/16/magazin/kino/t/rzo221412.html
Mittwoch, 15. Februar 2006, 13:05 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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