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Archiviert am
Donnerstag, 16. Februar 06 |
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Hans-Christian Schmid glaubt an Wirkungskraft von Filmen Berlin - Als einen von vier deutschen Filmen im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb zeigt Regisseur Hans-Christian Schmid das Drama „Requiem”.
Nach einem authentischen Fall aus den 70er Jahren erzählt er darin von einer jungen, an Epilepsie leidenden Frau. Sie meint, von Dämonen besessen zu sein und unterzieht sich einer Teufelsaustreibung. Er glaube daran, dass „gute Filme etwas in Menschen auslösen können, was dann zu Veränderungen führt, im Denken und im Handeln”, sagte Schmid im dpa-Gespräch. „Natürlich hoffe ich, dass unserem Film genau dies gelingt.” Frage: Als Anneliese Michel 1976 in Unterfranken an den Folgen eines Exorzismus starb, waren Sie selbst 11 Jahre alt - zu jung, um den Fall und die damalige öffentliche Diskussion direkt miterlebt zu haben. Was hat Sie dennoch zu diesem Film bewogen? Schmid: „Ich habe in den 1990er Jahren darüber gelesen und seitdem befasse ich mich mit dem Stoff. Mir geht es nicht um Spekulationen oder Sensationen rund ums Thema Teufelsaustreibung. Mich interessieren die gesellschaftlichen und persönlichen Geisteshaltungen und Lebensumstände, die eine solche Tragödie befördern - wobei ich nicht durch Schwarz/Weiß-Malerei verurteilen will. Das wäre zu einfach. Gerade das Komplizierte, dass da nicht auf der einen Seite Unschuldige und auf der anderen Schuldige sind, ist spannend und kann zum Nachdenken anregen.” Frage: Der Film reflektiert vieles, zum Beispiel die Macht von Spießertum, die Folgen, wenn vermeintliche Liebe zu schrecklicher Enge führt und Fanatismus. Ist es Ihr Ziel, ein Nachdenken darüber anzuregen? Schmid: „Ja, das ist es. Ein Film verändert die Welt nicht. Aber ich glaube daran, dass gute Filme etwas in Menschen auslösen können, was dann zu Veränderungen führt, im Denken und im Handeln. Natürlich hoffe ich, dass unserem Film genau dies gelingt.” Frage: „Requiem” wirkt wie ein sehr persönlicher Film, die Erzählhaltung ist überaus engagiert. Selbst der Zugang zu fragwürdigen Charakteren ist nahezu zärtlich. Ist der Film auch eine Abrechnung mit der Generation Ihrer Eltern? Schmid: „Nein, wenn überhaupt, dann allenfalls mit meinen Großeltern. Ich bin sehr liberal aufgewachsen. Aber ich erzähle im Kino immer Geschichten, die mich selbst betreffen, indem sie etwas mit der Gesellschaft zu tun haben, in der ich lebe. Und da empfinde ich "Requiem" als sehr heutig. Der Film soll allerdings kein Kommentar sein zu extremen Auswirkungen von Fanatismus, wie etwa dem Terrorismus. Aber: Menschen, die mit sich selbst nicht zurechtkommen, die sich in ihrer eigenen Haut nicht wohl fühlen, die nur über einen kleinen Horizont verfügen, und deren Handeln deshalb fatale Folgen für andere hat, gibt es immer wieder viele. Darüber nachzudenken, finde ich wichtig. Deshalb gibt es diesen Film.” dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/06/02/16/magazin/kino/t/rzo221697.html |
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