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Donnerstag, 16. Februar 06

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Umjubelter Tourauftakt von Liza Minnelli in München

München - Ein Trommelwirbel, ein Tusch, dann die Anfangsklänge des Klassikers „New York, New York” und sie steht auf der Bühne: Liza Minnelli.

Liza Minnelli

Die Sängerin und Schauspielerin Liza Minnelli beim Tourauftakt in München.

Im silberfarbenen Glitzeroberteil zieht sie die Blicke auf sich. Mit drei Jahren stand Minnelli das erste Mal auf einer Bühne, in diesem Jahr wird sie 60 und sie kann es noch immer.

Zwei Stunden lang sang und tanzte sie zum Auftakt ihrer Deutschlandtournee am Montag in der Münchner Philharmonie und mehr als 2000 Menschen im Publikum bejubelten jeden einzelnen Ton. Vor zehn Jahren trat Liza Minnelli zum letzten Mal in Deutschland auf, nervös ist trotzdem nicht. „Ich fühle mich eher so wie ein Rennpferd sich wohl in der Box vor dem Start fühlen muss - ich bin da, gut vorbereitet und dann kann es endlich losgehen.”

München als Auftaktort ist kein Zufall. Hier hat Liza Minnelli den Film „Cabaret” gedreht, der ihr größter Erfolg werden und ihr 1972 einen Oscar einbringen sollte, und hier feierte sie Ende der achtziger Jahre Bühnenerfolge zusammen mit Frank Sinatra und Sammy Davis Jr.. „Ich bin so froh, hier zu sein, denn ich habe lange in München gewohnt und hatte hier die glücklichste Zeit meines Lebens”, ruft sie ins Publikum, erntet damit begeisterten Applaus und „I love you”-Rufe.

Liza Minnelli weiss aus jahrzehntelanger Erfahrung, wie man die Zuschauer gewinnt. Sie spricht sie direkt an, macht Komplimente, scherzt und zeigt sich von einer einer beinahe kumpelhaften Seite. „Meine Ohrringe sind zwar wirklich schön, aber sie verhaken sich andauernd in meinem Kostüm, ich ziehe sie mal eben aus”, ruft sie, streift die teuren Perlen von den Ohren und weiter geht es.

Sie ist ständig in Bewegung, tänzelt hin und her, ergreift das Mikrofon, reißt die Arme in die Höhe und presst sie wieder an die Brust. Ist ein Lied zu Ende knickst sie und verbeugt sich, wirft Kusshände ins Publikum, läuft mit großen Schritten auf die andere Seite der Bühne, wirft noch mehr Kusshände. Liza Minnelli gibt die Powerfrau, die Energie scheint förmlich aus ihr herauszuströmen. Das ist auch das Geheimnis ihrer Fitness. „Ich tanze jeden Tag mehr als zwei Stunden, das muss einfach sein, denn nur so bleibe ich jung.”

Dass sie noch so tanzen kann, ist bemerkenswert, denn die Liste ihrer Krankheiten und Operationen ist mindestens eben so lang, wie die Liste ihrer Filme. Zahlreiche Knieoperationen, beide Hüftgelenke wurden durch künstliche ersetzt und noch vor sechs Jahren war sie so schwer an einer Gehirnentzündung erkrankt, dass die Ärzte ihr ein Leben im Rollstuhl prognostizierten. Doch schon zwei Jahre später stand sie wieder auf der Bühne und veröffentlichte ein neues Album: „Liza's back”. „Ich habe einfach einen ganz großen und festen Glauben. Ich glaube, dass man immer positiv denken muss, immer weiter lernen und sein Leben jeden Tag mehr genießen und wertschätzen muss.”

Auf der Bühne steht sie, seit sie denken kann. Zu einem großen Teil verdankt sie das wohl ihren Eltern, der Schauspielerin Judy Garland und dem Regisseur Vincente Minnelli. „Von meiner Mutter habe ich den Elan, von meinem Vater die Träume und einen guten Sinn für Humor habe ich von beiden.”

Ihr neues Konzert ist eine Reise durch ihr Leben. Im Lauf ihrer langen Karriere hat sie in rund 20 Kinofilmen mitgespielt, viele Male auf den Bühnen des New Yorker Broadway gestanden, unzählige Fernsehauftritte absolviert und zahlreiche Musikalben aufgenommen. Sie war mit Marilyn Monroe befreundet, mit Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Charles Aznavour, gewann neben dem Oscar auch den Golden Globe, den Tony Award, den Emmy und den World Theatre Award. Ihr Ziel heute, bei all diesen Erfolgen? „Immer noch besser werden.”

Doch trotz des Ehrgeizes kann Liza Minnelli den Moment des Konzerts genießen. „Ich werde diesen Abend nie vergessen”, haucht sie während eines besonders langen Beifalls ins Mikrofon und in ihren großen, schwarzen Augen glitzert es. Dann ist auch sie einmal außer Atem und zieht sich einen Stuhl ans Mikrofon. „Jetzt muss ich mich erst mal ein bisschen hinsetzen.”

Weitere Tourneedaten sind Berlin (19.2.), Hamburg (28.2.), Düsseldorf (3.3.), Frankfurt/Main (5.3.) und Bonn (20.7.).

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/06/02/16/magazin/musik/t/rzo221010.html
Dienstag, 14. Februar 2006, 12:40 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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