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Mittwoch, 15. Feb. 06
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Analyse: Der Ernstfall kam früher als erwartet Wittow - Die Experten haben schon lange damit gerechnet, dass die Vogelgrippe auch Deutschland treffen kann.
Immer näher rückte das gefährliche Virus in den vergangenen Monaten heran, zuletzt erreichte es in der vergangenen Woche mit Italien und Griechenland die ersten EU-Länder. Nun ist der Ernstfall aber früher eingetreten, als viele erwartet hatten: An der Küste der Insel Rügen wurden die ersten toten Vögel gefunden, die am Grippetyp H5N1 verendet sind. Urlauber hatten vor einer Woche vier tote Schwäne entdeckt. Bei zwei dieser Vögel hat das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit das gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen. Zudem fand das Institut nach Angaben der Landesregierung den Erreger auch bei einem Habicht auf Rügen. Am Fundort der Schwäne, neben der Wittower Fähre im Nordwesten Rügens, lagen am Mittwoch noch mehrere tote Tiere auf dem Eisrand. Direkt daneben schwammen hunderte weitere Vögel - Schwäne, Möwen, Gänse und Enten. Augenzeugen berichteten, dass Möwen an den Kadavern pickten. Tierschützer fürchten, dass auch die seltenen Seeadler von den Tieren fressen und sich so möglicherweise infizieren könnten. Tote Vögel auf dem Eis sind im Winter keine Seltenheit auf Rügen, weiß Bauer Reimer Schmidt, der nahe der Fähre einen Hof hat. „Früher haben die Fährleute die toten Vögel gerupft und sich mit den Federn ein Zubrot verdient.” Schmidt kann sich nicht erklären, wie die Schwäne mit der Vogelgrippe in Kontakt kommen konnten: „Die überwintern hier, und in der Umgebung gab es doch noch keine Fälle.” Auch für Hobby-Geflügelzüchter Jan Klawonn im benachbarten Tribkevitz kommt der Ausbruch überraschend. Seine rund 40 Hühner und je zehn Zucht-Wildenten und Flugenten laufen noch im Freigehege herum. „Die Hühner und die Wildenten sperre ich jetzt weg, dafür habe ich extra im Herbst, als die Sache mit der Vogelgrippe anfing, einen zweiten Stall gebaut.” Für Klawonns Flugenten bedeutet das Virus allerdings das Todesurteil, sie wollte er noch am Mittwoch schlachten. Landarbeiter Udo Lefold, der mit seinem Sohn das Geschehen an der Fähre beobachtet, arbeitet zwar in einem reinen Ackerbaubetrieb, aber er macht sich große Sorgen um seine privat gehaltenen Hühner. „Die habe ich schon gestern Abend, als es die ersten Berichte gab, zur Sicherheit reingeholt.” Damit das auch wirklich alle Geflügelhalter tun, informierte der Landkreis Rügen nach Angaben von Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) alle bekannten Halter über die Situation. Am Mittwoch sollten Vertreter des Ordnungsamtes noch einmal in den Ortschaften in der Drei-Kilometer-Zone überprüfen, ob die Stallpflicht dort von allen eingehalten wird. Kassner bangt allerdings nicht nur um die Vögel: „Wir machen uns große Sorgen, dass dies auch Auswirkungen auf den Tourismus haben könnte.” Daher solle alles getan werden, um die Urlauber aufzuklären. Die Insel Rügen hat erst im vergangenen Jahr erlebt, welch abschreckende Wirkung Naturereignisse auf die Gäste haben können: Nach Abbrüchen an der Steilküste der Insel, bei denen auch eine Urlauberin ums Leben kam, brachen die Übernachtungszahlen im zweistelligen Bereich ein. Und Bilder von Veterinären und Behördenmitarbeitern, die in weißen Schutzanzügen tote Vögel einsammeln, wie sie am Mittwoch von Rügen aus um die Welt gingen, könnten einen ähnlichen Effekt haben. Die Dänen können diese Bilder schon sehen: Unter den zahlreichen Medienvertretern in Wittow sind auch dänische Fernsehteams. „Die Vögel hier kommen auch teilweise aus Dänemark, die Bestände vermischen sich”, sagt Reporter Rasmus Poulsen Larsen. „Daher haben wir natürlich große Angst, dass das Virus auch zu uns kommt.” dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/06/02/16/tt/t/rzo221491.html |
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