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Donnerstag, 16. Feb. 06
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Analyse: Rügen im Griff der Vogelgrippe Samtens - Heimbert Schumacher soll einen toten Vogel aus dem Schilf holen - und holt sich prompt nasse Socken.
Unverrichteter Dinge muss der Mann vom Ordnungsamt mit seinem Kollegen wieder abziehen und erst Mal trockene Sachen anziehen. 30 Mitarbeiter der Ordnungsämter sind am Donnerstag auf der Ostsee-Insel Rügen unterwegs, um die 162 toten Vögel einzusammeln, die bis Donnerstagmorgen gemeldet wurden. Diese sollen untersucht werden. Seitdem auf Rügen bei zwei Schwänen und einem Habicht das gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 nachgewiesen wurde, ist jeder tote Vogel verdächtig. Wegen des Wetters gestaltet sich das Aufsammeln der Tierkadaver schwierig. „Auf den Äckern steht das Tauwasser und verwandelt den Boden in Schlamm”, berichtet die stellvertretende Landrätin Ulrike Lucas. Viele tote Vögel liegen auch im Schilfgürtel oder auf den Eisrändern der Küstengewässer und sind unerreichbar. Alle Einsatzkräfte hätten Schutzanzüge und prophylaktisch Medikamente zum Virenschutz bekommen. Hundert zusätzliche Schutzanzüge wurden schon einmal bestellt. Die Wasserschutzpolizei soll vom Wasser aus helfen. Für die Hilfe aus der Luft hat der Landkreis einen Hubschrauber geordert, um die Vogelkadaver zu orten und zu bergen - doch die vom Schweriner Innenministerium entsandte Maschine muss wegen Nebels wieder umdrehen. Ordnungsamt-Mann Schumacher sammelt bei einem seiner Einsätze elf Schwäne, Enten und Möwen nahe der Stelle ein, an der auch die ersten Grippe-Opfer geborgen wurden. Gerne erledigt Schumacher seine Aufgabe nicht. „Aber es muss eben gemacht werden”, sagt er. Eigentlich hat er einen ruhigen Schreibtischjob: „Sonst kümmere ich mich um Dinge wie zu lautes Hundegebell.” Jetzt hat er einen Kofferraum voller toter Vögel. Parallel zur Bergung überprüfen vier Teams von Tierärzten die Bestände von jedem zweiten der 127 Geflügelhalter innerhalb der Zehn- Kilometer-Zone um den Fundort. Einem von ihnen gehört der Bergener Amtstierarzt Torsten Diehl an. Seit den frühen Morgenstunden ist er mit einem Kollegen unterwegs und hat bis zum Mittag schon rund ein Dutzend Höfe besucht. „Von jeweils etwa zehn Hühnern nehmen wir eine Kotprobe von der Kloake mit einem Tupfer.” Die Tierärzte beobachten, ob die Tiere Symptome der Vogelgrippe haben und fragen die Halter über das Verhalten in den vergangenen Tagen. „Wir haben bis jetzt noch keine Auffälligkeiten festgestellt”, berichtet Diehl. Einer der ersten Höfe, die er am Morgen besuchte, war der von Holger Kliewe. Auf einem Schild steht noch „Tiere: Braune Hühner 6,50 Euro”. Doch mit dem Verkauf von Lebendgeflügel ist es erstmal vorbei. Der Hof liegt zwar knapp außerhalb der Zehn-Kilometer-Zone, aber weil er mit rund 2000 Hühnern, Enten und Gänsen der größte Freiland-Hof der Gegend ist und dazu noch nahe am Wasser liegt, wo auch viele Wildvögel sind, wurde Kliewes Hof in die Kontrollen einbezogen. „Eigentlich wollte ich heute rund 200 lebende Hühner verkaufen”, sagt Kliewe. Wegen der Beschränkungen durch die Vogelgrippe ist dies jedoch nicht möglich. Bis Ende der Woche die Ergebnisse der Proben auf seinem Hof analysiert sind, müssen die Tiere im Stall bleiben. „Die Hühner verkraften das ganz gut, aber die Wasservögel werden auf Dauer im Stall aggressiv und legen weniger Eier.” Verständnis hat Kliewe für die Kontrollen, aber auch Angst um sein Einkommen. „Wenn ich bis Ostern nichts verkaufen kann, ist meine Existenz bedroht.” dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/06/02/16/tt/t/rzo221847.html |
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