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Donnerstag, 13. Jun. 13

Kai­sers­lau­tern - Der 1. FC Kai­sers­lau­tern hat seine Mini- Serie in der Fuß­ball-Bun­des­liga auf vier Spiele ohne Nie­der­lage ver­län­gert und mit dem 2:0 (1:0)-Sieg gegen Arminia Bie­lefeld einen wei­teren klei­nen...

Karls­ruhe - Tabel­len­füh­rer FC Augs­burg hat in der Fuß­ball-Regio­nal­liga Süd Nerven gezeigt. Der Auf­stieg­saspi­rant kam am Samstag beim Karls­ruher SC II nur zu einem 2:2 (2:0). Dabei brach­ten Patrick Mölzl (19.)...

Stutt­gart - Die Reserve des VfB Stutt­gart hat zum Rück­run­den­start der Fuß­ball-Regio­nal­liga Süd einen Sieg errun­gen. Am Samstag setzten sich die Schwa­ben gegen die SpVgg Bay­reuth mit 2:0 (2:0) durch.

Saar­brü­cken - Im Saar­land hat es am Frei­tag­abend ein berg­bau­beding­tes Erd­beben gege­ben. Im Gebiet des För­der­stand­ortes Ensdorf erreichte die Erschüt­terung eine Stärke von 3,4 auf der Rich­ters­kala...

Mainz/Saar­brü­cken - Der Regen­schirm bleibt auch weiter gefragt in Rhein­land-Pfalz und im Saar­land. Der heutige Samstag beginnt über­wie­gend bewölkt.

Trier - Bei anhal­ten­den Regen­fäl­len sind die Pegelstände an der Mosel am Samstag weiter gestie­gen. Im Laufe des Tages werde der Pegel Trier sechs Meter errei­chen, teilte das Hoch­was­ser­mel­dezen­trum Mosel mit.


Land bietet Anlaufstelle und begleitet Selbsthilfegruppen

Initiative hilft Eltern der Neonazis

Rheinland-Pfalz - Wenn Jugendliche in die rechts­extreme Szene abge­glit­ten sind, stehen die Eltern mit ihren Ängsten und Pro­ble­men oft allein. Unter­stüt­zung bekom­men sie bei der "El­ter­nini­tia­tive gegen Rechts", erreich­bar unter einer Tele­fon­num­mer im Lan­des­jugend­amt. Auch eine Selbst­hil­fegruppe ist schon ent­stan­den.

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Generation Turnschuh auf Abwegen: Manche Jugend­liche suchen in der rechts­extre­men Szene ver­meint­liche "Ka­merad­schaft". Ihre Eltern können sich Hilfe holen.

Das Thema ist tabu. Doch irgend­wann können die Eltern die Tat­sache nicht mehr ver­drän­gen: Ihr Kind ist in die rechts­extreme Szene abge­glit­ten. Musik­geschmack, Haar­schnitt und Freun­des­kreis des Sohnes haben sich ver­ändert. Am Frühstücks­tisch erscheint er mit Kampfs­tie­feln, am Woche­nende fährt er zu Kon­zer­ten von rechts­extre­men Grup­pen. Was, wenn morgen die Polizei die Wohnung nach ver­bote­nen NS-Sym­bolen durch­sucht? Wenn Aus­bil­dung oder Job auf dem Spiel stehen? Eltern in dieser Lage hilft die "El­ter­nini­tia­tive gegen Rechts" des Landes. Beglei­tet von der Ini­tia­tive hat sich eine Selbst­hil­fegruppe im Süden des Landes gebil­det, eine zweite im Norden ist geplant.

Offensive statt Tabu

"Die Erfah­run­gen mit der Selbst­hilfe sind sehr gut. Bisher ist keiner abge­sprun­gen", sagt ihr Mode­rator von der Ini­tia­tive. Er will aus Sicher­heits­grün­den unge­nannt blei­ben. Auch die Orte, an denen sich die zehn Eltern­paare alle acht bis zwölf Wochen tref­fen, müssen geheim gehal­ten werden - die "Szene" emp­fin­det solche Akti­vitäten als Pro­voka­tion. Inten­sive Vor­gespräche mit Inter­essen­ten stellen sicher, dass nur wirk­lich Betrof­fene zu ihr stoßen und nicht etwa getarnte Rechts­extre­me.

In Ziel und Wirkung unter­schei­det sich die Gruppe jedoch nicht von anderen Selbst­hilfe-Pro­jek­ten: "Was sie so wert­voll macht, ist das beson­dere Ver­ständ­nis für die Lage der anderen aus der eigenen Betrof­fen­heit her­aus." Der Aus­tausch in der Gruppe ver­schafft den Eltern erst­mals eine Außen-Sicht auf ihre eigene Situa­tion und mildert das läh­mende Gefühl, mit ihren Ängsten und Pro­ble­men alleine dazu­ste­hen.

Wo sind die Grenzen der Toleranz?

Be­spro­chen werden auch ganz prak­tische Fragen wie jene, ob man es akzep­tie­ren soll, dass im Jugend­zim­mer die Reichs­kriegs­flagge hängt, ob die Mutter das Waschen von Klei­dung mit NS-Sym­bolen ver­wei­gern soll oder die Eltern die NPD-Mit­glieds­bei­träge für den 15-jäh­rigen Sohn bezah­len. Der Mode­rator gibt keine direk­ten Ratschläge. Er fördert aber Bestre­bun­gen der Eltern, "klare Ansa­gen" zu machen und dem Kind ihre Tole­ranz-Gren­zen auf­zuzei­gen: "Die Eltern müssen Mut fassen, mit dem Thema offen­siver umzu­gehen." Sie werden darin bestärkt, nicht zu warten, bis der Jugend­liche straf­bare Hand­lun­gen begeht, sondern ihr Erzie­hungs­recht aus­zuü­ben: Der eigene Inter­net-Anschluss im Zimmer muss nicht sein, wenn darüber auf Neo­nazi-Sei­ten gesurft oder der Kontakt mit rechts­extre­men Netz­wer­ken gehal­ten wird.

"RAUS­wege"

Das Bedürf­nis nach Selbst­hil­fegrup­pen erwuchs aus den Erfah­run­gen der Ende 2003 gest­arte­ten Eltern-Hot­line. Diese wie­derum ist ein "Kind" des 2001 ange­lau­fenen Lan­des­pro­gramms "RAUS­wege" für junge Aus­stei­ger aus der rechts­extre­men Sze­ne.

Auf seiner Hotline wurden bisher rund 9500 Anrufe regis­triert. 1700 Bera­tungs­gespräche wurden geführt und in bislang 42 Fällen wurde ver­sucht, Jugend­liche und junge Erwach­sene aus der rechts­extre­men Sack­gasse hin­aus­zube­glei­ten - nach­hal­tig, wenn die Zeichen nicht trügen: Die Abkehr von Musik mit frem­den­feind­lichen Texten, der Aufbau einer beruf­lichen Per­spek­tive und vor allem eine stabile Part­ner­schaft mit einer Freun­din von außer­halb der "Szene" gelten als ermu­tigende Signale, dass die Wende geschafft ist. In zwölf der Fälle dauert die Beglei­tung noch an.

Aus­stei­ger-Pro­gramm und Eltern­hilfe werden streng getrennt, betont der Leiter von RAUS­wege. Auch er bleibt lieber anonym. Suchen Eltern Unter­stüt­zung bei der Ini­tia­tive, werden die Kinder nicht infor­miert und nicht gedrängt, sich bei RAUS­wege zu melden. Das hat nur Aus­sicht auf Erfolg, wenn es aus eigenem Antrieb geschieht.

Experten begleiten Familien

Die Experten am Eltern-Tele­fon hören zu, ver­urtei­len nicht, ver­suchen Gefühle von Schuld und Ver­sagen auf­zufan­gen. Sie infor­mie­ren darü­ber, woran eine Gefähr­dung zu erken­nen ist. Viele ver­steckte Symbole von Rechts­extre­men und Neo­nazis fallen zunächst nicht als solche auf.

Rund 90 Prozent der Anrufer auf der Eltern-Hot­line - meist melden sich die Mütter - wün­schen nach dem ersten Tele­fonat ein per­sön­liches Tref­fen. Inner­halb weniger Tage wird das möglich gemacht, zum Zei­chen, dass man sie ernst nimmt: "Das über­rascht sie", sagt der RAUS­wege-Chef. In etwa der Hälfte der Fälle folgt eine lang­fris­tige Beglei­tung der Fami­lie. Da es meist um den Sohn geht, sollten die Väter mög­lichst ein­gebun­den sein und sich ihre Aufgabe als Rol­len­vor­bild bewusst machen.

Krise als Chance zur Wende

Die Eltern-Ini­tia­tive hilft auch dann, wenn die Kinder schon tief in die Szene ver­strickt sind. Eine Krise kann später die Chance bieten, wieder Zugang zum Kind zu finden - etwa wenn die Polizei auf der Matte steht oder der Arbeit­geber Wind davon bekommt, dass sein Ange­stell­ter dem­nächst vor Gericht steht.

Doch auch dies können Eltern von der Ini­tia­tive und in der Selbst­hil­fegruppe erfah­ren: Dass sie ihr Leben nicht kom­plett von den Pro­ble­men ihres Kindes bestim­men lassen dürfen und dass sie ihre Kräfte ein­tei­len müssen. "Es dauert lange", sagt der Leiter von RAUS­wege. "Je­mand, der einige Jahre in der Szene ver­bracht hat, wird nicht in einem Vier­tel­jahr ein ande­rer."

Claudia Renner; Foto Uli Pohl

Rhein-Zei­tung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 18.02.2006, Seite 3.


http://rhein-zeitung.de/on/06/02/18/rlp/r/rlp-1.html
Samstag, 18. Februar 2006, 12:48 © RZ-Online GmbH (jo)
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