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Archiviert am
Samstag, 08. April 06 |
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„Der Sandmann” erstmals als Ballet - stürmischer Applaus Stuttgart - Der mit dem Deutschen Tanzpreis „Zukunft 2006” geehrte Choreograf Christian Spuck hat mit einer neuen Arbeit am Stuttgarter Ballett seine Fans in einen wahren Freudentaumel versetzt.
Die Uraufführung der Choreographie nach E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann” belohnte das Premierenpublikum am Freitagabend mit einem Pfeifkonzert der Begeisterung. Jubel gab es auch für die Solisten, allen voran Alexander Zaitsev in der Hauptrolle des Studenten Nathanael, der dem Wahnsinn verfällt. Spuck bietet alles, was Ballett haben muss. Er meistert personell stark besetzte Sequenzen zu großen Orchesterpassagen so stilsicher wie auch Soli zum Klavier. Für die immer wieder wechselnde Stimmung in der Musik, die mal Filmmusik, mal sinfonisch, mal Techno ist, platziert er Musiker auch auf der Bühne. Eigens für den Abend hat das Ballett eine elektronische Einspielung von Martin Donner komponieren lassen. Doch stammt das Gros der Noten von Alfred Schnittke und Robert Schumann, stimmig verschmolzen von James Tuggle und dem Staatsorchester Stuttgart. Spuck bleibt dicht an der literarischen Vorlage um den Studenten Nathanael, der an den bösen Sandmann glaubt. Dabei ist die Inszenierung vor meist kargen Wänden und mit den Tänzern in Anzügen und den Frauen in langen Kleidern (Kostüme: Emma Ryott) insgesamt nicht so blutrünstig wie das Buch von 1816. Das Licht (Reinhard Traub) passt sich den hellen und dunklen Momenten, den Rückblenden und Träumen in Hoffmanns Nachtstück an. Nathanael steht hier unter dem Eindruck von Horrorgeschichten um den Sandmann aus seiner Kinderheit. Der streut den Kindern Sand in die Augen, die sie sich blutig reiben, oder schält ihnen die Augäpfel ganz aus dem Kopf. Immer wieder sieht er den bösen Sandmann in realen Figuren, in dem Advokaten Coppola (Jason Reilly), dem Brillenhändler Coppelius (Nikolay Godunov) und Professor Spalanzani (Damiano Pettenella). Auf einem Ball entdeckt Nathanael die vermeintliche Tochter Spalanzanis, Olimpia, die sich als Automat entpuppt. Maria Eichwald war in einem roten Tutu nicht nur der einzige Farbtupfer des sonst in matten blauen, grauen und braun gehalten Tönen des Abends, für ihre restlos überzeugende Darbietung der auf Spitzen getanzten hölzernen Puppe erhielt sie auch spontanen Applaus. Das mal synchrone, mal aufbrechende Corps de Ballett tanzte mit temporeicher Frische und oft weit ausladenen Schritten die mehr oder minder homogene Studentenschaft. Markant dabei immer wieder Spucks typische Arbeit mit den Armen, die ihren ganz eigenen Tanz haben. Mal formen sie Ellipsen und Bögen, mal Winkel und spitze Pfeile. Zaitsev meistert seine zahllosen Sprünge mit gehockten oder weit auseinander gespreizten Spagat hoch über dem Podium. Auch die anderen Solisten Reilly, Godunov und Professor Spalanzani Pettenella stehen ihm in nichts nach. Clara, Nathanaels wahre Freundin, ist mit der ausgeglichenen Katja Wünsche bestens besetzt. Mit diesem zweiten Handlungsballett in Stuttgart knüpft Spuck an seinen Erfolg mit „Lulu. Eine Monstertragödie” von 2003 an. Weitere Aufführungen: 13., 20., 26. April, 8., 13., 16., 21., 26 www.staatstheater.stuttgart.de dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/06/04/08/magazin/t/rzo236520.html |
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