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Samstag, 8. Apr. 06
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Von Timo Jann, dpa Lauenburger trotzen dem steigenden Wasser Lauenburg - Stunde um Stunde steigt die Elbe - ein Ende des Hochwassers ist für die malerische Schifferstadt Lauenburg in Schleswig-Holstein noch nicht absehbar.
Längst hat der Pegelstand die Werte der Jahrhundertflut vom August 2002 übertroffen, arbeitet sich weiter hoch, gut neun Meter sind es am Samstag schon. Bis zu 9,30 Meter können es am Dienstag werden, schätzt das Wasser- und Schifffahrtsamt. Normal steht die Elbe hier bei knapp fünf Metern. Tapfer kämpfen die Bewohner der historischen Altstadt und die Einsatzkräfte gegen die Fluten. Der Sandsackwall am Ufer war am Freitag noch dreilagig, 24 Stunden später waren es acht Lagen. Mensch und Natur stehen sich erbittert gegenüber, keiner will nachgeben. „Wir halten die Lage zurzeit ganz gut”, meint Wehrführer Thomas Burmester. 120 Feuerwehrleute sind im Hochwasser-Einsatz. „Wir können nur noch hoffen, dass das, was wir tun konnten, als Schutz reicht”, erklärt Sönke Ellerbrock, der Wirt des Gasthofes „Zum Alten Schifferhaus”. „Ich hatte geahnt, dass uns die Zeit davon läuft, aber alle offiziellen Stellen haben abgewunken und gesagt, es kommt nicht so schlimm wie 2002”, sagt Ellerbrock. Jetzt schwappt das Wasser gegen die Mauern seines Altstadthauses. Touristen spazieren durch die historische Elbstraße, in der mittlerweile das Wasser steht. Es drückt durch Kanalschächte hoch. „Wir brauchen zwar den Tourismus für unsere Stadt, aber bitte nicht so”, klagt Anwohnerin Birgit Reuter. Ihr Bekannter Michael Kosog verkauft 2005 aufgelegte Fotomontagen als Postkarten: Der mehr als 100 Jahre alte Lauenburger Raddampfer „Kaiser Wilhelm”, wie er durch die Elbstraße fährt. „Eigentlich als Gag gedacht, aber heute aktueller denn je”, meint Kosog. Abgelegen von der Elbe fürchtet Yue Shun Lam am Lauenburger Hafen um seine Existenz. Der 38-Jährige betreibt ein China-Restaurant in einem Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert. Eigentlich blickt man von seiner Terrasse auf die älteste Schleuse Europas, die Palmschleuse. Jetzt steht dort zwei Meter hoch das Wasser. „Ich kann nicht mehr, ich glaube, ich gebe auf”, sagt der Wirt. Zum dritten Mal läuft ihm das Wasser ins Haus, doch so schlimm wie jetzt war es noch nie. Der Kampf gegen das Hochwasser, das nach aktuellen Prognosen wohl nur wenig unter dem Rekordwert von 1888 mit 9,89 Metern bleiben wird, ist längst nicht ausgestanden. Bis zu zehn Tage, schätzt das Wasser- und Schifffahrtsamt, kann das Hochwasser stehen, ehe es spürbar sinkt. Mittlerweile läuft es schon nicht mehr so gut ab, berichtet Behörden-Leiterin Bettina Kalytta. Westwind drückt mit der Flut der Nordsee viel Wasser in die Elbe, der Ablauf wird blockiert. 100 Häuser sind durch das Hochwasser in der Altstadt bedroht. Einige haben bereits keinen Strom mehr. „Evakuierungen sind bisher aber nicht geplant”, sagt Feuerwehrchef Burmester. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/06/04/08/tt/t/rzo236437.html |
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