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Sonntag, 7. Mai. 06
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Bayern begießen 20. Titel auf Rheindampfer Köln - Die ausgelassenen Bier-Duschen direkt nach dem historischen Triumph mussten zwar entfallen, aber nach dem ersten Doppel-Double im deutschen Fußball haute der „ewige” Meister bei der Party auf einem Rheindampfer doch noch gehörig auf den Putz.
Nur der Trainer ging schon vor der feucht-fröhlichen Sause unterhalb des Kölner Doms über Bord. Nach Monaten der Abstinenz bekam Felix Magath nach dem 1:1 (0:1) beim 1. FC Kaiserslautern der Alkoholgenuss auf der anschließenden Busfahrt der Bayern nach Köln nicht besonders - die Spieler ließen auf dem vom Hauptsponsor (T-Com) gecharterten „ChampionShip” die Champagner-Korken damit ohne ihren Chef knallen. „Felix fühlte sich nicht so gut”, bemerkte Manager Uli Hoeneß mit dem Weißbier in der Hand: „Er ist im Hotel geblieben.” Die Spieler zeigten mehr Ausdauer und Nehmerqualitäten - ins Ausnüchterungsspiel beim Oberligisten Bonner SC gingen einige Kollegen des nun alleinigen Rekord-Meisterspielers Mehmet Scholl, der seinen achten Meistertitel begießen konnte, mit einem Kater. Schampus und Bier hatten sich Kapitän Oliver Kahn & Co. nach dem Doppelschlag mit 20. Meistertitel und 13. Pokalsieg verdient. „Die Spieler haben sich vor einer Woche nicht nach dem Pokalsieg besoffen, sondern jetzt lassen sie die Sau raus”, meinte Hoeneß. Nach dem Meistertor von Andreas Ottl (68.), mit dem das 21 Jahre alte Eigengewächs die Lauterer Führung von Halil Altintop (26.) egalisierte, und der Berliner Schützenhilfe gegen den Hamburger SV (4:2) schmetterten die Bayern-Profis statt „Viva Colonia” lauthals ein „Viva Bavaria” auf dem mit rund 400 Gästen gefüllten Party-Boot. Die besonders ausgelassene Südamerika-Connection intonierte außerdem immer wieder ihr Lieblingslied: „Deutscher Meister wird nur der FCB!” In der Tat: Die nationale Dominanz der Münchner ist erdrückend, auch wenn es keine Saison des Zauberfußballs war. „Wir haben mit vier Titeln in zwei Jahren geschafft, was noch keinem gelungen ist”, sagte Magath. Wortgewaltig wehrten sich die Seriensieger gegen eine angeblich zu geringe Wertschätzung ihrer Erfolge am Ende einer Saison, auf der das erneut frühzeitige Champions-League-Ausscheiden lastet. „Wer sagt, der FC Bayern habe die Saison nur gerettet, hat nicht alle Tassen im Schrank. Es ist kein Automatismus, dass man mit Bayern immer die Nummer 1 ist”, kommentierte Kahn. Eine Kampfansage an Europas Elite wurde ganz gezielt vermieden. „Wir werden nächstes Jahr den Druck von der Mannschaft total wegnehmen”, kündigte Hoeneß an, in der Champions League werde nur das Überstehen der Vorrunde als Ziel ausgegeben: „Wir können nicht sagen, wir werden Champions-League-Sieger.” Der deutsche Fußball zähle nicht mehr zum Favoritenkreis, stellte Scholl nüchtern fest: „Die Bundesliga hat an Klasse verloren. Eine Auswahl mit den besten Spielern schafft es maximal ins Viertel- oder Halbfinale.” Auch Bayern steht vor einem Umbruch. Michael Ballack ist in Zukunft nicht mehr dabei, neben Lizarazu und Jeremies steht wohl auch Scholl vor dem Abschied. Die Zukunft soll Schweinsteiger, Santa Cruz, Hargreaves oder dem designierten Kahn-Nachfolger Michael Rensing gehören (mit dem die Bayern bis 2010 verlängert haben) - sowie Lukas Podolski: Der 20-jährige Nationalspieler wird wohl schon nach der WM für Bayern stürmen. „Wir sind uns mit dem Management von Lukas so gut wie einig. Wenn er jetzt nicht kommt, kommt er nächstes Jahr. Wir werden mit dem 1. FC Köln Gespräche führen mit dem Ziel, ihn zum 1. Juli nach München zu holen”, verriet Hoeneß auf dem Dampfer. Einige Millionen werden dafür von der Isar an den Rhein fließen. Auch Daniel van Buyten könnte in München anheuern. Der belgische Abwehrchef des Hamburger SV „will zu uns”, wie der Bayern-Manager berichtete: „Aber das muss der Spieler selber mit dem HSV regeln.” Dagegen ist der Brasilianer Lincoln als Spielmacher kein Thema mehr, nachdem die Schalker eine Bayern-Anfrage negativ beschieden. „Im Moment suchen wir so einen Typen wie Lincoln nicht mehr”, so Hoeneß. Die Lücke, die Ballack hinterlässt, soll womöglich intern und durch einen Stilwechsel geschlossen werden. „Wir werden anders spielen”, kündigte Magath mehr Kombinationsfußball an. Für den 29- jährigen Ballack schloss sich in Kaiserslautern ein Kreis: Dort, wo er 1998 im Trikot des FCK seinen ersten Titel holte, machte er zum Abschied aus der Bundesliga das dritte Double in vier Jahren beim FC Bayern perfekt. Der wohl künftige Chelsea-Profi war mit seiner Kopfballstärke noch einmal an Ottls Tor beteiligt, aber bei der Party auf dem Rhein schien er schon fast nicht mehr dazuzugehören. Vielleicht war der Nationalmannschafts-Kapitän gedanklich auch schon beim nächsten großen Ziel. „Fast 90 Prozent unserer Mannschaft hat ja noch die WM vor sich. Deshalb ist alles etwas gebremst”, bemerkte Kahn. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/06/05/07/sport/fussball/t/rzo243535.html |
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