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Freitag, 10. Feb. 12
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Computer
Wenn Weltraum-Schurken zu Pelztieren werden: Computerspiele-Mods Berlin - Wie kann das funktionieren: Eben noch musste im Weltraum finsteren Gegnern der Garaus gemacht werden - und plötzlich gilt es, possierliche Pelztiere zu retten.
Rund um die Welt basteln Fans von Computerspielen auf der Basis ihrer Lieblingstitel mitunter komplett neue Abenteuer. So wird dann zum Beispiel aus dem Egoshooter „Unreal Tournament 2004” das Spiel „Metaball” rund um die pelzigen „Tinies”. Mods heißen diese Ergebnisse von teilweise jahrelanger Tüftelei. Zu haben sind sie kostenlos im Internet. „Man findet sich aus den verschiedensten Ländern in einer Community zusammen und überlegt, was man aus seinem Lieblingsspiel machen könnte”, erzählt Peter Hoffmann, früherer Modder aus Nürnberg. Das kann zu kleineren Umbauten - so genannten Tweak Mods - bis hin zu „Total Conversions” führen, bei denen das Original kaum mehr zu erkennen ist. Hoffmann nahm sich mit seiner Gruppe das Spiel „Sudden Strike 1” vor, das den Zweiten Weltkrieg zum Schauplatz hat. Den behielt es zwar in der Mod, kurz für Modifikation, „APRM”. „Aber wir haben ganz neue Taktiken eingeführt und grafische Veränderungen vorgenommen.” Fünf Versionen davon bastelte das Team um Hoffmann zwischen 1999 und 2002. „Die letzte davon ist rund 100 000 Mal heruntergeladen worden.” Die erste Mod, die Wellen geschlagen hat, ist heute auch außerhalb der Spielerszene bekannt - und dort eher umstritten als populär: der Egoshooter „Counter Strike”. „Das war ursprünglich eine Mod von "Half-Life"”, erklärt Fabian Siegismund, Redakteur bei der in München erscheinenden Zeitschrift „GameStar”. „Dabei kämpft ein Typ allein gegen Außerirdische.” Einigen „Half-Life”-Fans kam in den Sinn, dass sich daraus doch eine Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Terroristen für mehrere Spieler machen lassen müsste - und heraus kam schließlich „Counter Strike”. „Der Hersteller von "Half-Life" fand das so gut, dass er gesagt hat: Danke, wir übernehmen das”, erzählt Siegismund. „Und die Modder hat er gleich eingestellt.” Ohnehin arbeiten Modder und Hersteller meist zusammen. „Wir freuen uns über jede veröffentlichte Mod. Das ist nicht ganz uneigennützig”, sagt Michael Rüve von Pluto 13 in Essen, dem Entwickler der Serie „Gothic”, zu der es eine Reihe von Mods gibt. „Damit lässt sich ein Spiel teils über Jahre hinweg am Leben halten”, erläutert Stephan Reichart, Geschäftsführer des G.A.M.E. Bundesverbandes in Berlin, in dem sich viele deutsche Entwicklerfirmen zusammengeschlossen haben. Grund für die meist reibungslose Zusammenarbeit ist, dass die Spieler an ihren Rechnern mit einer Mod nur etwas anfangen können, wenn sie den Originaltitel besitzen. „Bei professionellen Mods lädt man sich einfach ein Paket herunter, das automatisch die originalen Dateien des Spiels ersetzt”, erklärt Siegismund. Und spricht sich herum, dass es zu einem bestimmten Titel eine spannende Mod gibt, verkauft es sich unter Umständen eben besser und länger. Daher freuen sich viele Hersteller nicht nur über die Basteleien: Sie erleichtern den Moddern zusätzlich die Arbeit, indem sie ihnen so genannte Editoren zur Verfügung stellen. Mit deren Hilfe lässt sich deutlich leichter in die Originalprogramme eingreifen. „Gerade bei großen Produktionen, die zu weltweiten Megasellern werden sollen, ist es selbstverständlich, dass es Editoren dafür gibt”, sagt Stephan Reichart von G.A.M.E. Diese Hilfen heißen in der Szene auch Software Development Kits (SDK) - Entwicklungs-Baukästen. „Dadurch ist das Ganze mittlerweile schon nicht mehr ganz so freakig”, sagt Siegismund. Ein Kinderspiel ist das Modden trotzdem weiterhin nicht. „Man braucht noch immer viel Geduld dafür.” Und nicht nur das: Auch Programmierkenntnisse sind laut Peter Hoffmann, der wie die „Counter Strike”-Macher längst bei den professionellen Spiele-Entwicklern gelandet ist, weiter gefragt. Fragt sich nur, warum die Modder ihr Know-how nicht von vornherein dazu nutzen, eigene Spiele auf die Beine zu stellen. „Dafür braucht man einfach zu viele Ressourcen”, lautet die Antwort von Modder Frank Trigub aus Bad Wildbad (Baden-Württemberg). Er hat inzwischen ebenfalls eine eigene Entwicklerfirma namens Acony gegründet. Vor zwei Jahren verlegte Trigub sein Lieblingsspiel „Battlefield 1942” vom Zweiten Weltkrieg nach Vietnam. „Eve of Destruction” heißt die Mod, und etwa 15 Leute arbeiteten daran. „Wenn ein neuer Titel mit der Konkurrenz mithalten soll, müssen es schon 50 Leute sein.” Und dann ist immer noch nicht garantiert, dass daraus tatsächlich ein Lieblingsspiel wird. Internet: Eine umfangreiche Datenbank ist www.mods.moddb.com. Hier können Fans bestimmter Mods diese etwa auch bookmarken, um dann immer über die aktuellen Versionen Bescheid zu wissen. Die Mod „Metaball” rund um die pelzigen „Tinies” findet sich unter www.metaball.org/news.html. Von Florian Oertel, dpa dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/06/05/13/service/computer/t/rzo243750.html |
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