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Dienstag, 13. Juni 06

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Literaturpreis für Wole Soyinka

Berlin Der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka ist im Berliner Schloss Bellevue mit dem Weilheimer Literaturpreis ausgezeichnet worden.

Wole Soyinka und Horst Köhler

Bundespräsident Horst Köhler (r) ehrte Wole Soyinka (l) während der Preisverleihung des 9. Weilheimer Literaturpreises.

Bundespräsident Horst Köhler würdigte den 71-jährigen Schriftsteller in seiner Laudatio als „rastlosen Rufer für Freiheit, Demokratie und Aufklärung in seinem Land und darüber hinaus”. Die mit 7500 Euro dotierte Auszeichnung des Gymnasiums Weilheim in Oberbayern ist der einzige von Schülern vergebene Literaturpreis.

Die Schüler-Jury verlieh Soyinka den Preis für sein autobiografisches Werk. In der als Trilogie angelegten Reihe „Aké, eine afrikanische Kindheit”, „Der Mann ist tot. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis” und „Isarà. Eine Reise rund um den Vater” gelinge es Soyinka, Brücken zwischen Kontinenten, Kulturen und Menschen zu bauen, urteilten die jungen Juroren. Köhler sagte, eine ganz bestimmte Botschaft ziehe sich durch das gesamte Werk Soyinkas: „Europa darf Afrika nicht wie ein unmündiges Kind behandeln.”

Soyinka hielt wie bereits die vorangegangenen Preisträger eine „Rede an die Jugend”. Darin stellte er in einem Gleichnis die Frage, ob Gewalt mit Gegengewalt zu rechtfertigen sei. „Ihr braucht nur das Radio oder den Fernseher einzuschalten oder die Zeitung aufzuschlagen, um festzustellen, dass eine Lösung des Dilemmas noch immer aussteht.” Vielleicht gebe es niemals eine Lösung für dieses Problem. Wichtig sei allein, „dass man sich der schreienden Notwendigkeit, eine Lösung zu finden, bewusst ist, dass man sich auf die Suche macht, beharrlich, dass man diese Suche zum kritischen Leitprinzip macht für das Überleben der Welt...”

Im Deutschlandradio Kultur kritisierte Soyinka in diesem Zusammenhang die afrikanischen Regierungen als Verantwortliche für Flüchtlingsströme, Bürgerkriege und Dürrekatastrophen. „Wenn man das rechtzeitig angegangen wäre, wenn man rechtzeitig vorausgeplant hätte, dann wäre es nicht zu diesen Erscheinungen gekommen.” Die Europäer sollten aufhören, verantwortungslose Politiker in Afrika zu unterstützen und stattdessen denen das Geld geben, die damit umsichtig umgingen, sagte Soyinka.

Soyinka lebt in Kalifornien und Nigeria und engagiert sich weltweit für Demokratie und Gerechtigkeit. Dafür nahm er Verfolgung, Inhaftierung und Jahre des Exils in Kauf. 1986 erhielt er als erster Afrikaner den Literatur-Nobelpreis. Soyinka hat mehr als 20 Theaterstücke, zahlreiche gesellschaftskritische Romane, Essays und Gedichte geschrieben, in denen er sich gegen Fundamentalismus, Ausbeutung, Aberglauben, Intoleranz und Korruption einsetzt.

Frühere Träger des Weilheimer Literaturpreises sind seit 1988 unter anderem Ilse Aichinger, Wolfgang Hildesheimer, Thomas Hürlimann, Reiner Kunze, Siegfried Lenz, Loriot und Rafik Schami.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/06/06/13/magazin/t/rzo254392.html
Dienstag, 13. Juni 2006, 14:06 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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