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Mittwoch, 05. Juli 06

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Vaucluse-Zauber in der Provence

Carpentras Die Vaucluse, das ist die Provence wie aus dem Bilderbuch.

Ockergestein

Ockergestein dominiert bei Roussillon. (Bild: CTD Vaucluse/Seille/dpa/gms)

Violette Lavendelfelder, anmutige Weinberge, dem Zirpen der Zikaden als Hintergrundmusik und einem das Mittelmeer ankündigenden Azurhimmel.

Hier bläst der Mistral mit gewaltiger Kraft die Wolken in die Ferne, die Dörfer scheinen sich so wie die Mimosen und Platanen zu ducken, um diesem gefürchteten Wind zu entgehen, der doch bei Tiefdrucklage schönes Wetter mit sich bringt. Doch Kontraste in Stein sind es, mit der sich die Region zwischen Avignon, der Olivenmetropole Nyons und dem Städtchen Apt im Osten von der übrigen Provence abhebt.

Im Norden ragt der „provenzalische Riese” auf, der von Legenden und Mythen umkränzte Mont Ventoux. Der Wächter über das Rhône-Tal wird er genannt, 1909 Meter hoch, mit einer wie ein kahler Schädel glänzenden Kuppe. Wie die Ockerfelsen von Roussillon weiter im Süden der Vaucluse ist er ein magnetischer Anziehungspunkt für all jene, die die Farbschauspiele der Natur schätzen, die grandiose Aussicht genießen oder einen Blick zurück in die Entstehungsgeschichte der Erde werfen wollen.

Schnee verleiht dem Mont Ventoux bis weit in das Frühjahr hinein einen weißen Scheitel und lädt sogar zum Skifahren und Wandern ein. Später im Jahr sorgt dann der blendend helle Kalkstein für starke Kontraste zu den kraftvollen Farben der Buchen- und Eichenwälder, den Kirschgärten und den von Zypressenreihen begrenzten Weinbergen.

Auf dem Rad, auf Schusters Rappen oder - wenn es denn nicht anders sein soll - mit dem Auto lässt sich der Berg der Berge der Provence auf einer etwa 70 Kilometer langen Strecke umrunden. Auf dem Weg liegen beschauliche Dörfer wie Bédoin im Süden oder Brantes auf der Nordseite mit ihren Bars, Märkten und den staubigen Plätzen für das Pétanque-Spiel. Früher war es eine Kraxelleistung, den Mont Ventoux zu erklimmen, heute führt eine ordentliche Straße bergauf - und die wird auch gern für eine Etappe der Tour de France genutzt.

Schon die Kelten verehrten den eindrucksvollen Berg als Heiligtum, blieben aber lieber ehrfurchtsvoll in den fruchtbaren Tälern. Die Römer ihrerseits konnten nicht anders und stampften am westlichen Rand des Mont Ventoux mit dem einst keltischen Vaison-la-Romaine ein weiteres prächtiges Zeugnis ihrer Hochkultur aus dem provenzalischen Boden.

Der italienische Humanist und Renaissance-Dichter Petrarca schließlich war es, der an einem Frühlingstag vor 670 Jahren von Malaucène aus den Gipfel erstürmte, ein Bergsteigerprotokoll in literarischer Briefform hinterließ und somit praktisch das Zeitalter einläutete, in dem man diesen Gipfel aus reinem Spaß an der Sache erklomm und keine Angst mehr vor Berggeistern hatte. Den „Olymp der Provence” bestiegen zu haben, festigte Petrarcas Ruf als Erneuerer.

Der Mont Ventoux, der doch so herb gegen das Bild mediterraner Lieblichkeit zu stehen scheint, zieht seitdem wegen seiner teilweise von der UNESCO geschützten, erstaunlichen Vielfalt an Fauna und Flora Besucher an. Es ist zwar kein Abenteuer mehr wie zu Petrarcas Zeit, die Wanderstiefel zu schnüren und abseits der Straße zum Gipfel mit dem Observatorium zu kraxeln, aber immer noch ein besonderes Erlebnis. Vom Gipfel reicht der Blick gen Süden bis zu den Ockerfelsen von Roussillon.

Dazwischen liegen wie ein Bindeglied riesige Weingärten, die „Toskana der Provence”. Ehe man von dem Dichterberg über Carpentras und das Plateau de Vaucluse zu den Ockerfelsen gelangt, empfiehlt sich ein kleiner westlicher Schlenker zu den Winzerhochburgen der Grafschaft Venaissin. Dort warten in der Felsenlandschaft Dentelles de Montmirail viele Weinkennern wohlbekannte Spitzenprodukte wie Rasteau und Cairanne, Gicondas, Vacqueras und Beaumes-de-Venise.

Das weiße Farbspiel des Mont Ventoux gerät in Roussillon schnell ins Hintertreffen, auch wenn der Berg im Norden bei guter Sicht durchaus noch zu sehen ist. Bei den Ockerfelsen stürmen nun die Abstufungen warm-mediterraner Farben von strahlendem Gelb bis zu eindringlichem Rot als neue Eindrücke auf den Reisenden ein. Zu verdanken haben diese das Schauspiel der eisenmineralischen Zusammensetzung des Gesteins. Gleiches gilt für das nicht weit entfernte „Provenzalische Colorado” bei Rustrel.

Der ganze Vaucluse-Zauber liegt darin, sich vorzustellen, dass die Provence vor vielen Millionen Jahren ein Meer war und später dann sintflutartige Wolkenbrüche die Ablagerungen mit Ockerpigmenten zu kleinen Gebirgen formten, während weiter im Norden der weiße Kalkriese Ventoux entstand - ein Kontrastprogramm zu dem, was die von der Sonne verwöhnte Provence sonst bietet.

www.franceguide.com Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/06/07/05/magazin/reise/t/rzo255233.html
Donnerstag, 15. Juni 2006, 14:23 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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