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Mittwoch, 05. Juli 06

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Japaner isst 53 Hotdogs in zwölf Minuten

New York - Der Rest der Welt mag auf Sonntag warten, doch für viele Amerikaner war das WM-Finale schon Dienstag. Da wurden in New York die Weltmeisterschaften im Hotdog-Essen ausgetragen.

Takeru Kobayashi

Takeru Kobayashi ist der König der Hotdog-Esser. (Archivbild von 2005).

Die Teilnehmer sehen sich als Athleten, und nach dem Willen ihres Dachverbandes soll Schnellessen bald Olympische Disziplin werden.

Der Japaner Takeru Kobayashi - 57 Kuhhirne in 15 Minuten - erwies sich erneut als unschlagbar und gewann zum sechsten Mal in Folge. Er vertilgte 53 3/4 Wurstbrötchen in zwölf Minuten und brach damit seinen bisherigen Rekord. Allerdings musste er diesmal hart um den Senfgelben Gürtel kämpfen: Der Kalifornier Joe Chestnut ging anfangs in Führung und unterlag schließlich nur knapp mit 52 Hotdogs.

Der 27-Jährige Kobayashi ist in Amerika ein Held, der von Fans belagert wird und Autogramme geben muss. Seine Beinamen sind „Der Tsunami” und „Der Magen der Welt”. Dabei ist er noch nicht einmal dick; stolz zeigt er Waschbrettbauch und Bizeps vor. „Ich esse nur beruflich”, sagt er - was wohl heißen soll: Große Mengen verschlingt er nur bei Wettkämpfen.

Die Weltmeisterschaften im Hotdog-Essen werden seit 1916 jedes Jahr am amerikanischen Unabhängigkeitstag im New Yorker Strandbad Coney Island ausgetragen. Kobayashi hat die Technik entwickelt, die Wurstbrötchen in zwei Hälften zu reißen, möglichst platt zu drücken, in Wasser zu tunken, dann auf einmal in den Mund zu stopfen und dank seiner wohltrainierten Kehlmuskulatur ohne zu kauen hinunterzuschlucken. Damit es besser rutscht, führt er dabei das in Fachkreisen bewunderte „Kobayashi-Wackeln” aus.

Ed „Cookie” Jarvis (17 Pizzastücke in drei Minuten) ist einer der wenigen Dicken unter den Gladiatoren der Tafelrunde. „Ich bin vor allem mental stark”, sagt er. Dass es Leute gibt, die Wettessen nicht als Sport gelten lassen, kann er kaum glauben: „Was ist anstrengender - Angeln oder Wettessen?” Allein die Hand-Mund-Koordinierung erfordere jahrelanges Training, sagt Sonya Thomas alias „Die schwarze Witwe” (65 hart gekochte Eier in sechs Minuten).

Der Schwede Robert Andersson (32) hält Wettessen sogar für den härtesten Sport überhaupt: „Es gibt sechs Milliarden Esser auf der Welt - alles potenzielle Mitbewerber.” George Shea, Präsident der Internationalen Schnellesser-Förderation, beschreibt das Wettschlingen als „physische Poesie”. Verglichen etwa mit Tennis sei es ein „sehr fundamentaler Sport” ohne Hilfsmittel und Regelwerk: „Da steht einfach ein Mensch und verwandelt einen grundlegenden Aspekt des Überlebens in eine Kunstform.” Shea sagt übrigens nicht „kauen”, sondern „mastizieren” (lat. masticare - kauen): „Schauen Sie mal, wie diese Kerle mastizieren. Wunderbar.”

Die USA als Wiege der modernen Konsumgesellschaft sind führend im Schnellessen. Wenn sich ein Texaner im Rekordtempo 20 Hamburger einverleibt, ist dies zumindest in den Augen der selbst erklärten „Profi-Esser” auch ein Symbol für die Dynamik der amerikanischen Volkswirtschaft. Auch in Japan hat das Turnier-Tafeln eine lange Tradition. Europa dagegen sei ignorant, beklagt Andersson, einer der wenigen europäischen Wettkampfteilnehmer: „Wir sind die Underdogs im Hotdog-Essen.”

Übel wird es den Kampfessern selten. „Mir schmecken Hotdogs einfach immer”, sagt Jarvis, der Dicke. „Jeder hat doch irgendetwas, worin er besonders gut ist. Und ich - ich esse eben gut.”

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/06/07/05/news/t/rzo261647.html
Mittwoch, 05. Juli 2006, 10:36 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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