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Südkorea/Japan 2002: Völler-Team überraschend im Finale

Hamburg - Die erste Fußball-Weltmeisterschaft im neuen Jahrtausend setzte einen Meilenstein in der Geschichte.

Küsschen

Ronaldo (l) und Gilberto Silva küssen die WM-Trophäe.

Zum ersten Mal sah Asien ein WM-Turnier und erstmals waren in Südkorea und Japan zwei Länder Gastgeber für eine Endrunde.

Eine brisante Konstellation, denn die vom Weltverband FIFA genötigten Nachbarn mussten sich über politische Ressentiments hinwegsetzen und sich als würdige Organisatoren erweisen. Den Asiaten gelang dieser Spagat in bemerkenswerter Weise - ihre „Weltmeisterschaft des Lächelns” in 20 hypermodernen Stadien genügte höchsten Ansprüchen, was Gastfreundschaft und Logistik betraf.

Dass das Turnier vom 30. Mai bis 30. Juni 2002 keine sportliche Delikatesse wurde, lag nicht in ihrer Macht. Vor allem die in Europa spielenden Stars waren nach einer Kräfte raubenden Saison ausgebrannt nach Asien gereist und nicht in der Lage, der Fußball-Gala Glanz zu verleihen. „Das war alles, nur kein Fest. Es gab keinen Fußball, die Spiele konnte man sich nicht ansehen”, fällte Argentiniens Trainer- Legende Cesar Luis Menotti ein vernichtendes Urteil.

Es sagt alles über diese fußballerisch enttäuschende Endrunde, dass ausgerechnet die in ihren spielerischen Mitteln arg limitierte deutsche Mannschaft ins Finale kam. Und wäre im Endspiel nicht der folgenschwere Fehlgriff von Torhüter Oliver Kahn gewesen, hätte es vielleicht sogar für mehr gereicht. So aber holte der Rekord- Weltmeister wie selbstverständlich seinen fünften Titel - die „Penta”. Damit ist Brasilien das einzige Land, das die WM auf jedem Kontinent, auf dem sie bisher ausgespielt wurde, gewonnen hat.

Ein Gewinner war aber auch der Vizeweltmeister. Platz zwei für die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler lag weit über den Erwartungen, mit denen der dreimalige Weltmeister nach dem Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft 2000 angereist war. Doch einmal mehr wurden die Deutschen ihrem Ruf als Turnier-Mannschaft gerecht, und neben dem bis zum Finale überragenden Kahn stand ihnen auch das Glück zur Seite.

Schon die Qualifikation für die 17. Endrunde in Asien war ein Zitterspiel, das erst in der Relegation gegen die Ukraine (4:1, 1:1) ein glückliches Ende fand. Pünktlich zum WM-Auftakt war die Mannschaft voller Tatendrang. Mit 8:0 fertigte sie im ersten Gruppenspiel Saudi-Arabien ab, Miroslav Klose erzielte allein drei Treffer. Doch danach war es mit der Spielfreude schon wieder vorbei. Dem mageren 1:1 gegen Irland folgte ein 2:0-Erfolg gegen das von Winfried Schäfer trainierte Kamerun. Und in den K.o.-Spielen glänzten die Völler-Schützlinge als Minimalisten: Drei 1:0-Erfolge gegen Paraguay, die USA und Südkorea reichten für den Einzug ins Finale.

Während sich Völlers Elf für den finalen Akt gegen Brasilien in Yokohama rüstete, trafen im Spiel um Platz drei zwei Überraschungs- Teams aufeinander. Die Türkei, im Halbfinale Brasilien 0:1 unterlegen, gewann das kleine Finale gegen Südkorea in Daegu 3:2. Der Türke Hakan Sükür erzielte dabei nach elf Sekunden das schnellste Tor der WM-Geschichte.

Sowohl für die Türken als auch für die Gastgeber war der Sprung unter die letzten Vier der größte Erfolg ihrer Fußball-Geschichte. Gefeierter Mann im WM-Gastgeberland war Trainer Guus Hiddink. Der Niederländer führte die Koreaner als erste asiatische Mannschaft in ein WM-Halbfinale. Portugal (1:0) wurde ebenso ein Opfer der Fußball- Euphorie in Korea wie im Achtelfinale der dreimalige Weltmeister Italien (2:1 nach Golden Goal) und im Viertelfinale die favorisierten Spanier (5:3 nach Elfmeterschießen).

Zu den weiteren positiven Überraschungen gehörten Co-Gastgeber Japan, der das Achtelfinale erreichte (0:1 gegen die Türkei), und WM- Debütant Senegal, der als zweites afrikanisches Team nach Kamerun 1990 ins Viertelfinale stürmte (0:1 nach Golden Goal gegen die Türkei). Gleich im Eröffnungsspiel hatten die vom Franzosen Bruno Metsu trainierten Afrikaner Titelverteidiger Frankreich mit 1:0 überrumpelt. Die Blamage der „Equipe Tricolore” nahm nach den Partien gegen Uruguay (0:0) und Dänemark (0:2) historische Züge an: Nie zuvor war ein Titelverteidiger ohne Tor ausgeschieden. Auch das hoch gehandelte Portugal und der zweimalige Weltmeister Argentinien mussten nach der Vorrunde die Koffer packen.

Brasilien indes schickte sich nach einigen Stolperern in der Qualifikation unter der Regie des ungeliebten Trainers Luiz Felipe Scolari an, die Hierarchie im Weltfußball wieder herzustellen. Nach souverän überstandener Vorrunde räumten Ronaldo & Co. auch Belgien (2:0), England (2:1) und die Türkei (1:0) aus dem Weg. Im Endspiel in Yokohama schließlich kam es zu einer Premiere: Zum ersten Mal trafen Deutschland und Brasilien bei einem WM-Turnier aufeinander.

Die Völler-Elf machte gegen den übermächtigen Favoriten ihr bestes Spiel - bis zur 67. Minute. Nach einem Schuss von Rivaldo ließ Kahn den nassen Ball aus den Händen gleiten, Ronaldo war zur Stelle und staubte zum 1:0 ab. Zwölf Minuten später erzielte der Goldjunge in silbernen Fußballschuhen auch noch das 2:0 und damit sein achtes Tor bei der Endrunde. So oft hatte seit Gerd Müller bei der WM 1970 (10) niemand mehr getroffen. Der nach vielen Verletzungen wieder auferstandene Ausnahmestürmer eroberte die Torjägerkrone und wurde später auch noch als „Weltfußballer des Jahres” ausgezeichnet - zum dritten Mal nach 1996 und 1997.

Der untröstliche Kahn indes wurde trotz seines finalen Patzers nicht nur zum besten Torwart des Turniers gewählt, er erhielt als herausragender Spieler der WM auch den „Goldenen Ball” - eine Ehre, die erstmals einem Torwart zuteil wurde. Mit nur drei Gegentoren in sieben Spielen stellte der Bayern-Torwart zudem einen WM-Rekord für deutsche Torhüter auf. So richtig erleichtert wirkte der Kapitän aber erst, als die deutschen Spieler in der Heimat wie Weltmeister empfangen wurden. 50 000 Fans auf dem Frankfurter Römerberg jubelten den Final-Verlierern zu und stimmten jenes Lied an, das für die Deutschen der WM-Hit 2002 war: „Es gibt nur einen Rudi Völler.”

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/06/07/05/sport/wm2006/geschichte/2002/t/rzo229441.html
Montag, 01. Mai 2006, 17:19 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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