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Triathlon: Weltklasse-Sportler sagt Ironman in Frankfurt ab und erklärt Rücktritt

Vallendarer Jürgen Zäck beendet einmalige Karriere

Für viele ist es ein Schock: Jürgen Zäck tritt zurück. Eine alte Rückenverletzung ist in der Vorbereitung auf den Ironman Frankfurt aufgebrochen.

Auf dem Rad prägte er diesen Spo

Auf dem Rad prägte er diesen Sport wie kaum ein anderer, so sehr, dass sich Jürgen Zäck im Scherz einmal selbst ins Gespräch für das Team Telekom brachte. Foto: T. Frey

Der Vallendarer Triathlet nahm dies zum Anlass, seine Karriere als Profi zu beenden.

Koblenz - Es gibt viele Geschichten zu diesem Sportler. Legendäre Erzählungen aus Rennen, dramatische Schilderungen aus den Leidensphasen von Trainingspartnern, wenn sie wieder einmal mit Jürgen Zäck auf eine Abschluss-Trainingstour vor einem großen Wettbewerb gegangen waren. Ja, es gäbe vieles zu berichten aus mehr als 20 Jahren Hochleistungssport und einer Karriere, die im deutschen Triathlonsport einmalig ist. Jürgen Zäck will der langen Serie von Erfolgen und auch von Tiefschlägen keine weiteren Teile anfügen - plötzlich und endgültig hat er seine Laufbahn beendet.

In Frankfurt hat Zäck im Rahmen einer Pressekonferenz vor dem dortigen Ironman seinen Rücktritt erklärt. Eigentlich wollte der Vallendarer am Sonntag in Frankfurt noch einmal eine Galavorstellung abliefern. Er wollte nicht gewinnen, sondern ein gutes Rennen im Bereich der besten Athleten zeigen. Einmal noch mit den alten Konkurrenten Lothar Leder und Thomas Hellriegel um die Wette schwimmen, Rad fahren und laufen. Noch im Winter hatte mancher Begleiter Bedenken, ob es der 40-Jährige nach einer ausgedehnten Pause bis zum Juli schaffen würde, in Spitzenform zu kommen. Aber Zäck blieb sich selbst treu, flog mit einer schwachen Form ins Trainingslager nach San Diego, übte sich in der Askese und biss sich im Training durch. Nach gemeinsamen und anfänglich überaus harten Einheiten mit Topathleten kehrte er nach fleißigen Wochen gut trainiert zurück, vor allem aber hoch motiviert.

Hinsichtlich seines Trainings war Jürgen Zäck stets ein Phänomen. Pulsuhren, Leistungsdiagnostik - das alles waren ihm bekannte Begriffe, jedoch von Erzählungen anderer. In den vielen erfolgreichen Jahren verließ sich der Sportler immer auf seinen wichtigsten Partner, seinen Körper. Mit einem feinen Gespür für die eigene Belastungstoleranz ausgestattet, ließ sich der vor allem in den USA als Star gehandelte Athlet nie beirren. Auch nicht, wenn aufgrund von Verletzungen oder Trainingspausen seine Konkurrenten schon wesentlich weiter waren in ihren Vorbereitungen auf die großen Rennen.

Häufig hat sie Zäck dann doch geschlagen. Denn dieser Mann war nicht zu kalkulieren. So schwach Zäck manchmal schwamm und so weit zurück er nach der ersten Disziplin lag, flog er noch heran. Meist auf dem Rad, denn "Zäck attack", diese Beschreibung war über Jahre ein Fachbegriff. Wer sich mit ihm einließ, der ahnte, was blühte. Der bis ins Detail an seinem Material feilende Athlet raste heran, pustete durch und raste davon. Zäck war zwar nicht wesentlich schneller als Thomas Hellriegel zu seinen besten Zeiten, aber er fuhr angriffslustiger, weniger rhythmisch und auffälliger. Allein Zäcks Materialtransfer aus den USA setzte Meilensteine im europäischen Triathlonsport. Es ging so weit, dass es von Kritikern hieß, Zäck könne nur Rad fahren.

Eines der wichtigsten Ergebnisse in dieser Hinsicht war der Ironman 2003 in Frankfurt. Kurz bevor seine Beine wackelig wurden hielt Zäck im Zielbereich eine Urkunde in die Höhe, er strahlte.

In einem Weltklassefeld war er zuvor mit der besten Laufzeit auf den dritten Rang vorgelaufen. "Siehste, der Alte kann doch laufen", sagte er und freute sich schelmisch, nachdem er die vermeintlich besten Läufer Peter Reid und Cameron Brown in deren Paradedisziplinen geschlagen hatte. Sein einziges Vorbereitungsrennen auf Frankfurt war die internationale Kurzdistanz-DM gewesen, eigentlich unpassend für eine Langstrecke. Auch hier war er eindrucksvoll, als 17. inmitten von Spezialisten, die um einen Olympia-Startplatz für Athen rangelten. So oft Zäck zum Alteisen gerechnet wurde, so oft widersprach er den Skeptikern. Mit Leistung.

Wobei, es gehörte zu den ganz speziellen Besonderheiten, dass Zäck schon "alt" genannt wurde, als er gerade einmal das beste Triathlonalter von Anfang Dreißig erreicht hatte. Als erheiternd erschien in den vergangenen Jahren, dass die Sprüche über sein Alter nachließen, je älter Zäck wurde. Er hätte auch am Sonntag in Frankfurt zu den Besten gezählt, selbst wenn er im August seinen 41. Geburtstag feiern wird.

Zäck wird die Feier als Ex-Profi angehen. Er hat dabei keinen Grund zur Trauer, selbst wenn eine Rückenverletzung ihm eine freie Wahl des Rücktritt-Termins genommen hat. Nicht einmal eine Hand voll Athleten weltweit hat diesen Sport so geprägt wie er.

Volker Boch, RZ

RZO



http://rhein-zeitung.de/on/06/07/19/sport/t/rzo265577.html
Mittwoch, 19. Juli 2006, 11:50 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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