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Archiviert am
Freitag, 23. Februar 07 |
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Legendäre Lautsprecher aus der Eifel: Mit dem Klang einer Stradivari Seit 50 Jahren ist die britische HiFi-Marke Quad berühmt für ihre Röhrenverstärker und elektrostatischen Lautsprecher. Im Eifelort Gering bei Mayen lebt die Legende fort. Dort stellen Manfred Stein und seine Mitarbeiter wieder Quad-Anlagen im Sinne des Erfinders her.
Der Weg stimmt auf das Ziel ein. Eine schmale Landstraße windet sich in der Nähe von Mayen durch die Eifel. Es ist ruhig, kaum Verkehr, endlose Felder und ein weiter Horizont. Mitten drin das Örtchen Gering. Hier, harmonisch zwischen Wohnhäusern und Scheunen eingefügt, hütet die «Quad Musikwiedergabe GmbH» den Gral naturgetreuer Klangwiedergabe. Viel weniger als eine Haaresbreite Hausherr Manfred Stein ist ein zu nüchterner Mann, um sich die Bezeichnung «Gralshüter» gefallen zu lassen. Aber er verfolgt ausdauernd sein Ziel, die «besten elektrostatischen Lautsprecher der Welt» zu erhalten und neue zu bauen. Dafür hütet er eine britische Technologie, die so alt ist wie er selbst. Er pflegt die Kunst, einem Quadratmeter hauchdünner Folie – nur ein vierzigstel so dick wie ein Haar – den absoluten Originalklang der menschlichen Stimme oder einer Stradivari-Geige zu entlocken. Oder, wie es der englische Erfinder auszudrücken pflegte, «the closest approach», die größtmögliche Annäherung, an das Original zu erreichen. Vor 70 Jahren gründete der 19-jährige Peter Walker in London seine Firma «Acoustical Manufacturing», um Verstärkeranlagen herzustellen. Von Musik verstand er etwas, denn er war nicht nur Techniker, sondern verdiente auch als Saxofonist seinen Unterhalt. Im Krieg von deutschen Fliegern ausgebombt, verlegte Walker seine kleine Fabrikation in das nördlich gelegene Städtchen Huntington. Nach Kriegsende erkannte er den Trend zur Heim-Musikwiedergabe und entwickelet dafür Röhrenverstärker, die zur Legende wurden und bis heute produziert werden. Er nannte sie umständlich «Quality Unit Amplifier Domestic», besser zu merken mit den Initialen «QUAD». «Walkers little wonder» 1955 verzückt der britische Konstrukteur die Fachwelt mit selbstentwickelten Lautsprechern. Die benötigen keine Magnete und Papp-Membrane. Stattdessen spannt sich zwischen zwei Metallgittern eine elektrisch hochaufgeladenen ultradünne Folie, die im Takt der Musik um Bruchteile eines Millimeters bewegt wird und so elektrische Impulse in Schall wandelt. «Walkers little wonder» tauften begeisterte Musikkritiker die weltweit ersten «Elektrostaten» in Serie. Als in den 1960ern die Stereofonie aufkam und die Verstärker leistungsfähiger wurden, begann Walker, über eine neue Version nachzudenken. Von 1963 bis 1981 grübelte und experimentierte der Brite. Seine Mühen wurden belohnt, zehntausende Lautsprecher wurden gebaut. Und werden es heute noch: in China und in der Eifel. Wie 40 Jahre zuvor Peter Walker, ist auch Stein 19 Jahre jung, als er 1976 seinen Eid zur Klangtreue ablegt und eine Quad-HiFi-Anlage haben «muss». «So kurz nach der Ausbildung hatte ich dafür eigentlich kein Geld», lacht der gelernte Kaufmann heute über seine jugendliche Eskapade, «so habe ich mir einen Gewerbeschein ausstellen lassen, um als Händler billiger an die Geräte zu kommen». Kaum hat er sich seinen Traum erfüllt, steckt er schon seinen Freundes- und Bekanntenkreis mit dem High-Fidelity-Fieber an. Aus dem vorgetäuschten Gewerbe wird schnell ein echtes. 1978 eröffnet Stein in Mayen einen Laden für hochwertige Audio-Komponenten. Seine Begeisterung steckt an, schon 1980 ist er umsatzstärkster Quad-Händler in Deutschland. Als wenige Jahre später der deutsche Importeur schlapp macht, glückt Stein und seinem Partner Frank Hirsch der Sprung vom Händler zum Importeur. Doch während die Quad Musikwiedergabe GmbH in Koblenz Rekordumsätze feiert, beginnt es beim britischen Hersteller zu kriseln. Die immer noch zu aufwendige Fertigung der Komponenten, Preisdruck, zu früh und zu ehrgeizig gestartete digitale Innovationen sowie der Rückzug des charismatischen Gründers bringen Quad ins Schlingern. Schließlich wird das Familienunternehmens verkauft. Nach dem Umweg über eine Finanzholding gelangt es schließlich an einen chinesischen Konzern. «Mehr Chance als Risiko» «Das war für uns mehr Chance als Risiko», beurteilt Manfred Stein den Umbruch rückblickend. Mit Unterstützung der Walkers wandern Know-how und Werkzeuge von der britischen Insel in die Koblenzer Rheinstraße. Nun wird er auch zum Hersteller traditioneller Quad-Produkte Weil er für seine Manufaktur mehr Platz benötigt, zieht er in seine Eifler Heimat um. Hier produziert er den legendären Röhrenverstärker und die beiden Elektrostaten-Modelle neu. Alte Quad-Geräte, aber auch andere HiFi-Legenden, klassische dynamische Lautsprecher, kann er in seinem Atelier instand setzen, sei es mit Originalteilen oder neu hergestellten Ersatzteilen. Die Fabrikate aus der Vordereifel werden von den alten Quad-Köpfen in England getestet und für gut befunden: «sogar ein bisschen exakter hergestellt als früher», zitiert Stein schmunzelnd das Lob der Kollegen. Es kommt gut an, dass Stein die Tradition des Gründers weiterführt. Für Stein ist es mehr als Business, Quad ist für ihn Kulturgut. Der Endvierziger, von ebensolcher Zurückhaltung wie der Klang seiner Elektrostaten, möchte den Bestand erhalten und erweitern, vielleicht sogar mit technischen Neuerungen, aber immer im Sinne des Erfinders. Seine Mission führt ihn um den Erdball. Auf der wichtigsten Messe der Branche in Las Vegas ist er vertreten. Er reist viel durch Europa, denn der Markt ist schmal, «wir müssen zu den Kunden hingehen». Von Deutschland alleine könnte die Firma nicht leben, gibt er zu. Seine Kunden schreiben ihm von überall auf der Welt E-Mails: Aus San Francisco, Tokio, Brasilien , Australien und Afrika. «In manchem Tonstudio werden die alten Elektrostaten aus dem Keller geholt, weil sie jetzt wieder repariert und gewartet werden können», erzählt Stein stolz. Quad aus China - und aus den «German Highlands» Auch mit dem chinesischen Markeninhaber versteht er sich gut. Aus China kommen, von Stein gewürdigt und angeboten, modernisierte Auflagen der noch in England entwickelten letzten Produktserie. Stein selbst setzt auf die Klassiker und Originaltreue. So kommt man sich nicht ins Gehege. Aus aller Welt pilgern Kunden in die «German Highlands», um oft jahrzehntealten Musikanlagen reparieren zu lassen oder neue zu erwerben. Nicht nur Kennerschaft oder Snobismus treibt die Kundschaft um: «Mancher junge Mensch hat ein Quad-Teil geerbt und ist fasziniert von Technik oder Design», weiß Stein. Und warum sollte der iPod als Kultgerät von heute nicht am Röhrenverstärker Quad II glänzen, der schon seit einem halben Jahrhundert Kult ist? Das passt gut zusammen, meint Stein und schlägt die Brücke über 50 Jahre Audio-Geschichte. Text und Fotos: Jochen Magnus • Siehe auch: Ehrliche Lautsprecher
http://rhein-zeitung.de/on/07/02/23/magazin/r/quad.html |
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