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Freitag, 23. Februar 07

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Los Ange­les - Popsän­gerin Britney Spears hat sich am Don­ners­tag­abend erneut in den Entzug bege­geben - zum dritten Mal inner­halb einer Woche.

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Ham­burg - Die Sän­gerin Nelly Furtado (28) hält Ori­gina­lität für eine der wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten im Musik­geschäft.


Legendäre Lautsprecher aus der Eifel:

Mit dem Klang einer Stradivari

Seit 50 Jahren ist die britische HiFi-Marke Quad berühmt für ihre Röhren­ver­stär­ker und elek­tro­sta­tischen Laut­spre­cher. Im Eifelort Gering bei Mayen lebt die Legende fort. Dort stellen Manfred Stein und seine Mit­arbei­ter wieder Quad-Anla­gen im Sinne des Erfin­ders her.

Quad

Manfred Stein baut seinen Lieblingslautsprecher “ESL 55” neu - ebenso wie den legendären Röhrenverstärker und neue Elektrostaten-Modelle.

Der Weg stimmt auf das Ziel ein. Eine schmale Landstraße windet sich in der Nähe von Mayen durch die Eifel. Es ist ruhig, kaum Ver­kehr, endlose Felder und ein weiter Hori­zont. Mitten drin das Örtchen Gering. Hier, har­monisch zwi­schen Wohn­häu­sern und Scheu­nen ein­gefügt, hütet die «Quad Musik­wie­der­gabe GmbH» den Gral natur­getreuer Klang­wie­der­gabe.

Viel weniger als eine Haaresbreite

Hausherr Manfred Stein ist ein zu nüchterner Mann, um sich die Bezeich­nung «Grals­hüter» gefal­len zu lassen. Aber er ver­folgt aus­dau­ernd sein Ziel, die «besten elek­tro­sta­tischen Laut­spre­cher der Welt» zu erhal­ten und neue zu bauen. Dafür hütet er eine bri­tische Tech­nolo­gie, die so alt ist wie er selbst. Er pflegt die Kunst, einem Qua­drat­meter hauch­dün­ner Folie – nur ein vier­zigs­tel so dick wie ein Haar – den abso­luten Ori­ginal­klang der mensch­lichen Stimme oder einer Stra­divari-Geige zu ent­locken. Oder, wie es der eng­lische Erfin­der aus­zudrü­cken pflegte, «the closest approach», die größt­mög­liche Annähe­rung, an das Ori­ginal zu errei­chen.

Vor 70 Jahren gründete der 19-jährige Peter Walker in London seine Firma «Acou­sti­cal Manu­fac­turing», um Ver­stär­ker­anla­gen her­zustel­len. Von Musik ver­stand er etwas, denn er war nicht nur Tech­niker, sondern ver­diente auch als Saxo­fonist seinen Unter­halt. Im Krieg von deut­schen Flie­gern aus­gebombt, ver­legte Walker seine kleine Fabri­kation in das nörd­lich gele­gene Städt­chen Hun­ting­ton. Nach Kriegs­ende erkannte er den Trend zur Heim-Musik­wie­der­gabe und ent­wicke­let dafür Röhren­ver­stär­ker, die zur Legende wurden und bis heute pro­duziert werden. Er nannte sie umständ­lich «Qua­lity Unit Ampli­fier Dome­stic», besser zu merken mit den Ini­tia­len «QUAD».

«Walkers little wonder»

1955 verzückt der britische Konstrukteur die Fachwelt mit selbst­ent­wickel­ten Laut­spre­chern. Die benöti­gen keine Magnete und Papp-Mem­bra­ne. Statt­des­sen spannt sich zwi­schen zwei Metall­gittern eine elek­trisch hoch­auf­gela­denen ultra­dünne Folie, die im Takt der Musik um Bruch­teile eines Mil­lime­ters bewegt wird und so elek­tri­sche Impulse in Schall wan­delt. «Wal­kers little wonder» tauften begeis­terte Musik­kri­tiker die welt­weit ersten «Elek­tro­staten» in Serie. Als in den 1960ern die Ste­reo­fonie aufkam und die Ver­stär­ker leis­tungs­fähi­ger wurden, begann Walker, über eine neue Version nach­zuden­ken. Von 1963 bis 1981 grü­belte und expe­rimen­tierte der Brite. Seine Mühen wurden belohnt, zehn­tau­sende Laut­spre­cher wurden gebaut. Und werden es heute noch: in China und in der Eifel.

Wie 40 Jahre zuvor Peter Walker, ist auch Stein 19 Jahre jung, als er 1976 seinen Eid zur Klang­treue ablegt und eine Quad-HiFi-Anlage haben «muss». «So kurz nach der Aus­bil­dung hatte ich dafür eigent­lich kein Geld», lacht der gelernte Kauf­mann heute über seine jugend­liche Eska­pade, «so habe ich mir einen Gewer­beschein aus­stel­len lassen, um als Händler bil­liger an die Geräte zu kom­men». Kaum hat er sich seinen Traum erfüllt, steckt er schon seinen Freun­des- und Bekann­ten­kreis mit dem High-Fide­lity-Fie­ber an. Aus dem vor­getäusch­ten Gewerbe wird schnell ein echtes. 1978 eröff­net Stein in Mayen einen Laden für hoch­wer­tige Audio-Kom­ponen­ten. Seine Begeis­terung steckt an, schon 1980 ist er umsatz­stärks­ter Quad-Händ­ler in Deutsch­land.

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Marco Weber, Technik-Chef in Gering, bringt die hauchdünnen Folien der Lautsprecher auf die Schallwandler-Elemente auf. Die Maschine wurde in den 50er Jahren bei Quad in Huntington konstruiert und vor einigen Jahren in die Eifel verfachtet.

Als wenige Jahre später der deut­sche Impor­teur schlapp macht, glückt Stein und seinem Partner Frank Hirsch der Sprung vom Händler zum Impor­teur. Doch während die Quad Musik­wie­der­gabe GmbH in Koblenz Rekor­dumsätze feiert, beginnt es beim bri­tischen Her­stel­ler zu kri­seln. Die immer noch zu auf­wen­dige Fer­tigung der Kom­ponen­ten, Preis­druck, zu früh und zu ehr­gei­zig gest­artete digi­tale Inno­vatio­nen sowie der Rückzug des cha­ris­mati­schen Grün­ders bringen Quad ins Sch­lin­gern. Sch­ließ­lich wird das Fami­lien­unter­neh­mens ver­kauft. Nach dem Umweg über eine Finanz­hol­ding gelangt es schließ­lich an einen chi­nesi­schen Konzern.

«Mehr Chance als Risiko»

«Das war für uns mehr Chance als Risi­ko», beur­teilt Manfred Stein den Umbruch rück­bli­ckend. Mit Unter­stüt­zung der Walkers wandern Know-how und Werk­zeuge von der bri­tischen Insel in die Koblen­zer Rhein­straße. Nun wird er auch zum Her­stel­ler tra­ditio­nel­ler Quad-Pro­dukte Weil er für seine Manu­fak­tur mehr Platz benötigt, zieht er in seine Eifler Heimat um. Hier pro­duziert er den legen­dären Röhren­ver­stär­ker und die beiden Elek­tro­staten-Modelle neu. Alte Quad-Geräte, aber auch andere HiFi-Legen­den, klas­sische dyna­mische Laut­spre­cher, kann er in seinem Atelier instand setzen, sei es mit Ori­ginal­tei­len oder neu her­gestell­ten Ersatz­teilen.

Die Fabrikate aus der Vordereifel werden von den alten Quad-Köp­fen in England getes­tet und für gut befun­den: «sogar ein biss­chen exakter her­gestellt als früher», zitiert Stein schmun­zelnd das Lob der Kol­legen. Es kommt gut an, dass Stein die Tra­dition des Grün­ders wei­ter­führt. Für Stein ist es mehr als Busi­ness, Quad ist für ihn Kul­tur­gut. Der End­vier­ziger, von eben­sol­cher Zurück­hal­tung wie der Klang seiner Elek­tro­staten, möchte den Bestand erhal­ten und erwei­tern, viel­leicht sogar mit tech­nischen Neue­run­gen, aber immer im Sinne des Erfin­ders.

Seine Mission führt ihn um den Erdball. Auf der wich­tigs­ten Messe der Branche in Las Vegas ist er ver­tre­ten. Er reist viel durch Europa, denn der Markt ist schmal, «wir müssen zu den Kunden hin­gehen». Von Deutsch­land alleine könnte die Firma nicht leben, gibt er zu. Seine Kunden schrei­ben ihm von überall auf der Welt E-Mails: Aus San Fran­cisco, Tokio, Bra­silien , Aus­tra­lien und Afrika. «In manchem Ton­stu­dio werden die alten Elek­tro­staten aus dem Keller geholt, weil sie jetzt wieder repa­riert und gewar­tet werden kön­nen», erzählt Stein stolz.

Quad aus China - und aus den «German Highlands»

Auch mit dem chinesischen Markeninhaber versteht er sich gut. Aus China kommen, von Stein gewür­digt und ange­boten, moder­nisierte Auf­lagen der noch in England ent­wickel­ten letzten Pro­dukt­serie. Stein selbst setzt auf die Klas­siker und Ori­ginalt­reue. So kommt man sich nicht ins Gehe­ge.

Aus aller Welt pilgern Kunden in die «German High­lands», um oft jahr­zehn­teal­ten Musik­anla­gen repa­rie­ren zu lassen oder neue zu erwer­ben. Nicht nur Ken­ner­schaft oder Sno­bis­mus treibt die Kund­schaft um: «Man­cher junge Mensch hat ein Quad-Teil geerbt und ist fas­ziniert von Technik oder Desi­gn», weiß Stein. Und warum sollte der iPod als Kult­gerät von heute nicht am Röhren­ver­stär­ker Quad II glän­zen, der schon seit einem halben Jahr­hun­dert Kult ist? Das passt gut zusam­men, meint Stein und schlägt die Brücke über 50 Jahre Audio-Geschichte.

Text und Fotos: Jochen Magnus

• Siehe auch: Ehrliche Lautsprecher


http://rhein-zeitung.de/on/07/02/23/magazin/r/quad.html
Samstag, 24. Februar 2007 © RZ-Online GmbH (jo)
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