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Archiviert am
Montag, 26. Februar 07 |
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Cash für Anfänger und Fortgeschrittene Hamburg - Bear Family Records schwimmt im weiten Meer der wöchentlichen Pop-Eruptionen nicht selten gegen den Strom.
So war es just diese kleine Plattenfirma aus der Nähe von Bremen, die bereits 1990 die erste von drei großen Johnny-Cash-Boxen mit jeweils fünf CDs als Anthologie „The Man in Black” international auf den Markt brachte. Damals hatten die Musik-Majors den amerikanischen Country-Star längst abgeschrieben. Doch das Blatt wendete sich noch einmal für den Sänger und Songwriter, nachdem er 1994 die Zusammenarbeit mit dem 30 Jahre jüngeren Rick Rubin („American Recording”) begonnen hatte: Seitdem ist der im September 2003 verstorbene Südstaatler zum Denkmal seiner selbst geworden. Am 26. Februar 2007 hätte er seinen 75. Geburtstag gefeiert: Anlass genug, den Mythos Cash mit weiteren Veröffentlichungen am Leben zu halten. Während Universal Music mit einer „Best-of-CD” namens „Ring Of Fire Vol. II” erneut in die Breite geht und den Bogen von den 50er Jahren bis zu Cashs „American Recording”-Ära zieht (der erste Teil war 2006 bereits ein Chart-Erfolg), konzentriert sich Bear Family Records auf die erste Schaffensphase des Künstlers. Illustriert mit einem 100-seitigen Booklet, wurden für das Box-Set „The Outtakes” 111 frühe Aufnahmen zusammen getragen und auf drei CDs verteilt. Den Auftakt macht „Wide Open Road”, Cashs Debüt vor dem Studiomikrofon aus dem Jahr 1954. Am Ende hört man gleich zweimal das bisher unveröffentlichte „Down The Street To 301” und dazwischen vier Versionen des „Folsom Prison Blues” oder sogar je elf Tracks von „Don't Make Me Go” und „Thanks A Lot”, wenn auch manchmal nur für wenige Sekunden. Das mag für angehende Cash-Fans vielleicht zuviel des Guten sein; für alle Fortgeschrittenen ist diese Compilation von Fehlstarts und alternativen Versionen hingegen wie eine Videodokumentation für die Ohren: es scheint als sei man gerade selbst mit Johnny Cash, seinen Musikern und seinem Entdecker Sam Phillips in dessen berühmtem Sun-Studio in Memphis, Tennessee. So wie Cashs musikalischer Geburtshelfer Sam Phillips (1923 - 2003), der vor einem halben Jahrhundert der Versuchung widerstand, die auf teuren Magnetbändern konservierten Verschnitte zu überspielen, war auch Johnny zeitlebens ein leidenschaftlicher Sammler. Bücher über amerikanische Geschichte taten es ihm genauso an wie antike Möbel, Waffen oder Friedensglocken. Darüber hinaus sind aber auch Hunderte Tapes mit unveröffentlichten Songs in die Erbmasse des „Man in Black” eingegangen, darunter ein im Jahr 2004 gefundener Karton der als privat gekennzeichnet war. Darin hatte der Meister in den 70er und 80er Jahren gesprochene wie gesungene Erinnerungen an sein Leben aufbewahrt, wohl ohne zu wissen, welch einen Schatz er damit für die Nachwelt hinterlassen würde. Auf dem Doppel-Album „Personal File” (Legacy/SonyBMG) sind diese Memoiren für die Ewigkeit festgehalten. Befeuert von James Mangolds Hollywood-Biopic „Walk The Line” (2005/2006) mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon, kam „Personal File” bereits Ende Mai vergangenen Jahres in die Läden, enterte die Top Twenty der deutschen Album-Charts und trug neben einer Vielzahl an Greatest-Hits-Kopplungen und Konzertmitschnitten auf DVD sicher dazu bei, dass Johnny Cash 2006 in die „Forbes”-Liste der zehn meistverdienenden toten Musiker aufgestiegen ist. Ob das so bleibt oder ob die Welle an Veröffentlichungen mit Johnny Cashs 75. Geburtstag abebben wird, muss indes abgewartet werden. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/07/02/26/magazin/musik/t/rzo317441.html |
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